25.06.2021

12.06.2021

Gedenken

12. Juni nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Onuphrios der Große († 400); hl. Petros der Athonit († 734); hl. Timotheos, ein ägyptischer Eremit; hll. Vassian und Iona von Solovki († 1651); sowie hll. Johannes, Andreas, Heraklemon u. Theophilos, Einsiedler in Ägypten (4. Jh.); hl. Amphianos, Bischof u. Bekenner in Kilikien († ca. 310); hl. Olympios, Bischof u. Bekenner, der in Thrakien litt (4. Jh.); hl. Cunera, jungfr. Märt. v. Rhenen (Niederlande) († 451); hl. Julian v. Dragouta in Konstantinopel; hl. Johannes der Soldat von Ägypten (6.-7. Jh.); hl. Johannes (Tornikos) v. Berg Athos und Georgien († 998); Erhebung der Gebeine (1650) der hl. Anna von Kašin († 1338); hl. Arsenij, Abt v. Konevic († 1447) ; hl. Onufrij, Abt v. Malsk (Pskov) († 1492); hll. Onufrij u. Auxentij, Mönche v. Vologda († 1521); hl. Stefan v. Komel, Abt v. Ozersk-Kloster, Vologda († 1542); hl. Onufrij, Abt v. Katrom-Kloster (Vologda) (16. Jh.); hl. Mönch Zeno.

1. Der gottgeweihte Onuphrios der Große. Sechzig Jahre lang hatte dieser heilige Eremit in der Wüste gelebt, als ihn der Mönch Paphnutios besuchte. Sein Haar und sein Bart reichten bis auf den Boden und er war aufgrund der langen Zeit, die er nackt gelebt hatte, dicht mit Haaren bedeckt. Alles Haar war weiß wie Schnee, und seine ganze Erscheinung leuchtete auf besondere und furchterregende Weise. Als Onuphrios Paphnutios sah, rief er ihn beim Namen und erzählte ihm sein Leben in der Wüste. Sein Schutzengel war ihm erschienen und hatte ihn zu jener Stelle in der Wüste geführt. Lange Zeit ernährte er sich nur von Gemüse, das in der Wildnis aber nur spärlich zu finden war. Später, als er schwere Kämpfe mit den Versuchungen der Dämonen erduldet hatte und sein Herz gänzlich in der Liebe Gottes gestärkt war, erschien ihm ein Engel Gottes und brachte ihm Brot zur Ernährung. Außerdem wuchs durch Gottes Vorsehung neben seiner Hütte eine Palme, die eine große Menge Datteln spendete, und eine Wasserquelle begann dort zu fließen. Onuphrios sagte jedoch: „Meistens ernähre ich mich und stille meinen Durst durch die Süße der Worte Gottes.“ Auf Paphnutios’ Frage: „Wie empfängst du die Kommunion?“, antwortete der Eremit, daß ihm ein Engel Gottes die Heilige Kommunion jeden Sonnabend bringen und reichen würde. Am folgenden Tag sagte der Altvater zu Paphnutios, daß dies der Tag seines Heimgangs aus dieser Welt sei. Er kniete nieder, betete zu Gott und übergab Gott seinen Geist. In diesem Augenblick sah Paphnutios ein himmlisches Licht, wie es den Leib des hingeschiedenen Heiligen erleuchtete, und hörte den Gesang von Engelsscharen. Paphnutios begrub ehrenvoll den Leib des Heiligen und kehrte in sein Kloster zurück. Dort schilderte er den anderen zu ihrem Gewinn als Augenzeuge das wundersame Leben dieses Mannes und die Größe der Vorsehung Gottes für jene, die sich völlig Seinem Dienst übergeben haben. Onuphrios starb im Jahr 400.

2. Der gottgeweihte Petros der Athonit war von Geburt Grieche und von Beruf Soldat. Eines Tages wurde er im Kampf mit den Arabern gefangengenommen, in Ketten gelegt und ins Gefängnis geworfen. Petros blieb dort lange Zeit eingekerkert in der Stadt Samara am Euphrat, und er betete ständig zu Gott, daß Er ihn aus dem Gefängnis befreien und in irgendeine Wildnis bringen möge, wo er sich völlig dem Leben des Gebets und der Askese widmen wolle. Der hl. Symeon der Gottesempfänger erschien ihm zusammen mit dem hl. Nikolaus im Gefängnis. Er berührte seine Ketten mit seinem Stab, und sie schmolzen wie Wachs. Dann fand sich Petros auf einem Feld außerhalb der Stadt wieder. Er begab sich sogleich nach Rom, wo er vom Papst selbst am Grab des hl. Petrus zum Mönch geweiht wurde. Danach bestieg er ein Schiff und fuhr gen Osten. Die Allheilige Gottesgebärerin erschien ihm zusammen mit dem hl. Nikolaus in einem Traum und sagte zum hl. Nikolaus, sie habe den Berg Athos für Petros als Ort seiner Askese bestimmt. Bis zu diesem Augenblick hatte der hl. Petros noch nie etwas vom Heiligen Berg Athos gehört. Er ging am Heiligen Berg von Bord, ließ sich in einer Höhle nieder, in der er dreiundfünfzig Jahre in strengster Askese blieb, im Kampf mit Hunger und Durst, Hitze und Kälte und vor allem mit den dämonischen Mächten, bis er schließlich mit Gottes Hilfe alles überwand. Nachdem er die ersten Versuchungen ertragen und die schweren Prüfungen vor Gott bestanden hatte, begann ein Engel Gottes, ihm alle vierzig Tage Brot zu bringen. Mehrmals erschien ihm der Teufel in Gestalt eines Engels des Lichtes, doch Petros vertrieb ihn mit dem Zeichen des Kreuzes und dem Namen der Allheiligsten Gottesgebärerin. Ungefähr ein Jahr vor seinem Tod wurde er von einem Jäger entdeckt, der auf dem Athos Wild jagte, und dieser vernahm aus dem Mund des Heiligen dessen Lebensgeschichte. Er starb im Jahr 734. Seine Gebeine wurden nach Makedonien überführt.

3. Der gottgeweihte Timotheos, Eremit in Ägypten. Timotheos widmete sich dem asketischen Leben zuerst in der Thebais, dann zog er sich in die Wüste zurück, wo er dreißig Jahre lebte. Gottge-fällig und in Frieden entschlief er.

4. Die gottgeweihten Vassian und Iona waren Mönche des Solovetzki-Klosters. Sie ertranken und wurden im Jahr 1651 ans Ufer gespült. Über ihren Gräbern erschien ein Zeichen und deswegen wurde eine Kirche errichtet. Später wurde dort das Petrominsk-Kloster gegründet. Als einmal Zar Peter der Große aus einem Sturm gerettet wurde, blieb er dort drei Tage lang, zimmerte ein Kreuz und stellte es am Ufer auf.

Lobeshymne

Der gottgeweihte Petros vom Athos

Der heilige Petros, in furchtbarer Wildnis,
Alles irdischen Reichtums war er bar,
Und des reichen Trugs des Teufels.
Alles überwand er durch tränenvolles Gebet.
Das Herz, angeschirrt, übergab er Gott,
Den Geist, aufgerichtet, erhob er zum Himmel.
Unbeweglich wie ein Fels unter Klippen,
Erschöpft vom Hunger und nächtlichem Wachen,
Richtete er sich aus zu allem Guten,
Wie körperlos in einem irdischen Leib.
Auf dem Berg Athos sprach er
Ein halbes Jahrhundert nur mit Gott,
Vom Alter weiß geworden wie Schnee.
Weder sah er einen Menschen, noch wollte er das.
Ihm offenbarte Gott das Fenster des Himmels.
Zahllose Wunder sah Petros,
Die Mutter Gottes, Gottes Engel
Und die wundervollen Heiligen Gottes.
Ihm sandte Gott einen Engel,
Der ihm die Heilige Kommunion vom Himmel gab,
Bis Petros einen Riesen des Geistes aus sich gebildet hatte,
Eine sichere Festung auf einem hohen Berg,
Um Lehrer zu sein durch die Jahrhunderte,
Den heiligen Mönchen ein wundervolles Beispiel.

Betrachtung

Groß und wundervoll ist das Mysterium der Heiligen Kommunion. Sogar Einsiedler und Anacho-reten trachteten danach, die Heilige Kommunion zu empfangen. Die hl. Maria von Ägypten bat den hl. Zosima, die Heiligen Geheimnisse an den Jordan zu bringen und ihr die Kommunion zu geben. Auf der Rückkehr nach seinem Besuch beim hl. Onuphrios stieß der ehrwürdige Paphnutios in der Wüste auf eine sehr bescheidene asketische Gemeinschaft, die aus vier jungen Männern bestand. Als Paphnutios sie fragte, ob sie eine Möglichkeit hätten, die Heilige Kommunion zu empfangen, antworteten sie, daß jeden Sonnabend ein Engel Gottes käme und ihnen die Heiligen Gaben brächte. Paphnutios blieb dort bis zum Sonnabend und wurde persönlich Zeuge dieses Vorgangs. Als der Sonnabend dämmerte, wurde die ganze Anlage von einem unbeschreiblichen himmlischen Duft erfüllt. Als sie im Gebet waren, erschien ein Engel Gottes in Gestalt eines prächtigen jungen Mannes, hell wie ein Blitz, mit den Heiligen Gaben. Paphnutios war erschrocken und fiel in Furcht zu Boden, doch sie richteten ihn auf, und auch er empfing die Kommunion aus der Hand des Engels, seinem eigenen Zeugnis gemäß, wie auch viele andere Einsiedler. Daher ist es eine völlig falsche Vorstellung zu denken, daß die Einsiedler und Anachoreten keine Heilige Kommunion empfangen hätten. Gott, Der für ihren körperlichen Erhalt sorgte, ließ sie nicht ohne die lebenspendende Speise durch den Leib und das Blut des Herrn.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die wundervolle Brotvermehrung in der Wildnis (Mt 14,15):
1. Wie der Herr fünftausend Menschen mit fünf gesegneten Broten speiste;
2. Wie Er das lebendige Brot ist, das allein auf geheimnisvolle Weise meine hungrige Seele speisen kann, die die ganze Welt nicht zu sättigen vermag.

Homilie

Über den Palast und die Hütte

Das Haus der Frevler wird zertrümmert, die Hütte der Redlichen gedeiht.
(Sprichwörter 14,11)

Der Hof des Herodes liegt in Ruinen, doch die Höhle des Kindes in Bethlehem ist geblieben. Caesars Kronen sind verlorengegangen, doch die Gebeine der Märtyrer wurden aufbewahrt. Die Paläste der heidnischen Könige wurden in Stein- und Staubhaufen verwandelt, doch aus den Höhlen der Asketen wuchsen die schönsten Kirchen. Die goldenen Götzen sind zu Nichts zerfallen, doch die Ketten des Apostels Petrus werden als heilige Reliquien aufbewahrt. Das mächtige Römische Reich ist nur noch eine Episode der Geschichte, während die Hütte des Christentums, die Heilige Kirche, zum mächtigsten Reich auf Erden wurde. Wo sind jene Hebräer geblieben, die Gott töteten? Sie wurden über die ganze Welt verstreut. Wo sind die mächtigen Römer? Im Grab. Wo ist die Macht des blutrünstigen Nero? Wo ist die Kraft des boshaften Diokletian? Und die des niederträchtigen Maximian? Wo sind die Errungenschaften des Apostaten Julian? Wo sind all diese hohen Türme?  Zusammen mit dem Turm von Babylon: unter Staub und Asche, zuschanden geworden und verflucht.
Schaut euch in eurer eigenen Stadt um und fragt euch, wie viele Häuser der Gottlosen einge-rissen wurden. Doch wie viele Hütten der Gerechten sind zu schönen Häusern geworden! Himmel und Erde, meine Brüder, sind auf Gottes unerschütterlicher Gerechtigkeit errichtet. Und so sind alle Werke der Gottlosen wie Luftblasen, die zerplatzen und von den Vorübergehenden zertreten werden. Die Paläste der Pharaonen und Babylonier sind wie zerplatzte Blasen, doch das Zelt des gerechten Abraham blüht auf in Ewigkeit.
O meine Brüder, wie mächtig und dauerhaft ist die Gerechtigkeit, und wie aufgeblasen und nichtig ist die Ungerechtigkeit, wie ein Sturm an einem Sommertag.
O Gerechter Herr, wie prachtvoll und konsequent bist Du in der Ausübung Deiner Gerech-tigkeit! Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

<
25.06.2020
>
Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).