20.01.2022

07.01.2022

Gedenken

7. Januar nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Prophet, Vorläufer und Täufer Johannes; hl. Neumärtyrer Athanasios von Attalia und Smyrna († 1700); sowie hl. Brannock (Brynach) von Braunton (6. Jh.); hl. Cedd, Bischof v. Lastingham († 664).

1. Der hl. Johannes der Täufer. Da am Fest der Theophanie im Leben Johannes’ des Täufers das größte Ereignis geschah, widmete die Kirche von frühesten Zeiten an den Tag, der der Epiphanie folgte, seinem Gedenken. Mit diesem Fest ist auch das Geschehen um die Hand des Vorläufers verbunden. Der Evangelist Lukas wollte die Reliquien des Täufers von Sebaste, wo der große Prophet von Herodes enthauptet worden war, in seinen Geburtsort Antiochia überführen. Es gelang ihm jedoch nur, eine Hand zu erhalten und dorthin zu bringen. Sie wurde bis zum zehnten Jahrhundert in Antiochia bewahrt, danach wurde sie nach Konstantinopel überführt, wo sie wäh-rend der Zeit der Türken verschwand.
Feste des hl. Johannes werden mehrere Male im Jahr zelebriert, doch dieser Tag, der 7. Januar, hat die meisten Svečara [der Festtag jener orthodoxen Serben, die den hl. Johannes den Täufer als ihren Krsna Slava ehren – ihren heiligen Patron; der Krsna Slava ist der Tag, an dem die orthodoxen Serben der Taufe ihrer Vorfahren gedenken]. Unter den Personen des Evangeliums, die den Herrn umgeben, nimmt der hl. Johannes der Täufer eine einzigartige Stellung ein durch seine ungewöhn-liche Geburt und seine Lebensweise in dieser Welt, durch seine Rolle bei der Bußtaufe des Volkes und bei der Taufe des Messias, und schließlich durch sein tragisches Lebensende. Er war von solch sittlicher Reinheit, daß er wahrhaftig kaum noch als sterblicher Mensch zu bezeichnen war, sondern als Engel, wie ihn die Heilige Schrift nennt. Der hl. Johannes unterscheidet sich von den anderen Propheten besonders darin, daß er das Privileg innehatte, mit seiner Hand Jenen der Welt zu zeigen, über Den er prophezeit hatte.
Es heißt, daß der Bischof jedes Jahr am Fest des Heiligen die Hand des hl. Johannes dem Volk präsentierte. Manchmal war die Hand geöffnet und zu anderen Zeiten war sie geschlossen. Im ersten Fall signalisierte dies ein fruchtbares und ertragreiches Jahr und im zweiten Fall bedeutete es Mißernte und Hunger.

2. Der hl. Märtyrer Athanasios. Dieser hl. Märtyrer Christi war ein einfacher und armer Mann, aber reich im Geist Gottes. Eines Tages geriet Athanasios mit einem gewissen Türken in ein Gespräch über den Glauben. Der Türke war gebildet und redegewandt, doch Athanasios bemühte sich mit ganzer Kraft, die Wahrheit des christlichen Glaubens und seine Überlegenheit über den Islam hervorzuheben und zu belegen. Danach gingen sie auseinander. Am nächsten Tag wurde Athanasios vor den Richter gerufen. Jener Türke stand dort als sein Ankläger. Als der Richter Athanasios aufrief, den Glauben zu verleugnen und den Islam anzunehmen, wie er es angeblich vor seinen Gefährten einen Tag zuvor getan hatte, rief Athanasios: „Lieber würde ich tausend Tode sterben, statt den Glauben an Christus abzulegen.“ Dafür wurde er zum Tode verurteilt und im Jahr 1700 in Smyrna enthauptet. Sein Leib wurde in der Kirche der hl. Paraskeva in derselben Stadt beigesetzt.      

Lobeshymne

Hymne an den heiligen Johannes den Vorläufer und Täufer

Dreißig Jahre Fasten und Stille!
Das können nicht einmal die wilden Tiere der Berge ertragen.
Der Löwe lindert seinen Hunger mit der Musik seines Gebrülls,
Und der Baum raschelt, wenn der Wind hindurchfährt,
Du aber: weder raschelst du, noch brüllst du, noch stöhnst du,
Weder klagst du, noch wirft dein Lied ein Echo in der Wildnis!
Sage mir, bist du ein Mensch? Wie ist dein Name?
Wirst du jemals mit jemandem sprechen wollen?
„Stimme, Stimme, Stimme,
Ich bin die Stimme; doch das Wort Gottes, Er ist es,
Den auszurufen ich gesandt wurde dem Volke Israel:
Bereut, o Menschen, siehe, Er kommt; o Wunder der Wunder,
Inmitten der Wasser, vom Himmel, ein verborgenes Feuer!
Siehe, das Lamm Gottes, unter den Wölfen, geht einher;
Wölfe, euer wölfisches Gemüt läutert im Wasser!“

Dreißig Jahre Stille und Fasten,
Von deinem Körper, was blieb – außer deiner Stimme?
Dein verwitterter Körper ist nichts als ein Schatten deiner Stimme,
Die die Nachricht verkündet: Siehe, Gott kommt zu uns!
Dein verwelkter Körper, ein Schilfrohr, das Herodes zerbrach.
Doch die Stimme bleibt, sie bleibt; keiner kann sie zum Schweigen bringen.
Wessen Stimme ist dies? Vor der sogar die Jahrhunderte zittern?
Eines hungrigen Löwen? Nein, nein – eines Mannes des Glaubens.

Betrachtung

„Der Mensch ist nicht sichtbar”, sagt der hl. Basileios der Große. Wie ein Haus dem anderen gleicht, so ist es mit der äußeren Erscheinung des Menschen. Doch ein Haus erhält seinen Wert durch seine Bewohner, wie auch der Mensch durch den Geist, der in ihm wohnt. Die leiblichen Augen sehen ja völlig klar, daß das Haus nicht der Hausbewohner ist, sondern nur der Ort, in dem der Haus-bewohner lebt. Doch nur dem geistigen Blick wird sichtbar, daß der Körper nicht der Mensch ist, sondern nur der Ort, den er bewohnt.

Zum Nachdenken

Laßt uns darüber nachdenken, wie der Herr zum Berg der Versuchungen geht:
1. Wie Er nach Seiner Taufe sofort fortging, um zu fasten und zu beten;
2. Wie der Teufel auf den Getauften besonders beim Fasten und Beten einzuwirken versucht;
3. Wie der Herr, sanftmütig wie ein Lamm, doch mit der Entschlossenheit des Herrschers alle Versuchungen des Teufels zurückwies.

Homilie

Über die Unterwerfung unter den Willen Gottes

Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden. (Mt 6,10)

Selig ist Johannes der Täufer, denn er erfüllte das Evangelium schon vor dem Evangelium! Als er in die Wüste hinausging, übergab er sich völlig dem Willen Gottes, sowohl im Körper als auch im Geist. Und der Wille Gottes geschah in seinem Leib auf Erden wie in seinem Geist im Himmel. Weder Hunger, noch Durst, noch wilde Tiere fügten seinem Körper während der Jahre in der Wüste Schaden zu, noch erlitt sein Geist in der Einsamkeit Schaden durch Verzweiflung, noch nahm sein Geist in seinen himmlischen Visionen Schaden durch Hochmut. Weder Brot noch Anerkennung suchte er bei den Menschen. Gott gab ihm alles, was er brauchte, denn er hatte sich völlig dem Willen Gottes übergeben. Er führte seine Schritte weder tiefer in die Wüste hinein noch aus der Wüste heraus. Sein Leben wurde durch ein unsichtbares Steuerruder gelenkt, denn als die Zeit für ihn gekommen war, die Wüste zu verlassen und dem Herrn zu begegnen, steht geschrieben: Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes (Lk 3,2). Johannes sprach wie ein unschuldiges Kind über seinen Umgang mit den Mächten des Himmels: Auch ich kannte Ihn nicht, aber Er, Der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, Er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem Er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes (Jh 1,33-34). Wie zärtlich und einfach spricht er über himmlische Dinge! Und doch, wie furchterregend ist er, wie ein Löwe, wenn er gegen gesetzlose Menschen spricht, gegen Herodes und Herodias! Das Lamm und der Löwe leben in ihm zusammen. Der Himmel ist ihm nahe wie eine Mutter ihrem Kind, und der Wille Gottes ist ihm so nahe und klar wie den Engeln im Himmel.
O Weisester Herr, lenke das Leben von uns Sündern in der Wüste dieser Welt so, daß wir Deinen Willen erfüllen, wie Du das Leben des heiligen Johannes des Täufers lenktest. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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20.01.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).