19.12.2024

06.12.2024

Gedenken

6. Dezember nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Nikolaus, Wundertäter, Erzbischof von Myra in Lykien († 343); hl. Nikolaos, Bischof von Patara; hl. Märtyrer Nikolaos von Karamanos († 1657); hl. Theophilos, Bischof von Antiochia († 181); sowie hl. Abramios, Bischof v. Kratea in Bithynien (6. Jh.); hl. Maksim, Metropolit von Kiev († 1305).

1. Der hl. Nikolaus, Erzbischof von Myra in Lykien. Dieser glorreiche Heilige, der auch heute noch in der ganzen Welt gefeiert wird, war der Sohn angesehener und wohlhabender Eltern namens Theophanes und Nona, Bürger der Stadt Patara in Lykien. Da er der einzige Sohn war, den Gott ihnen schenkte, erwiderten sie diese Gabe Gottes damit, daß sie ihrerseits Gott ihren Sohn weihten. Der hl. Nikolaus erhielt Unterweisungen im geistlichen Leben durch seinen Onkel Nikolaos, den Bischof von Patara, und wurde im Kloster Neu-Sion, das sein Onkel gegründet hatte, zum Mönch geweiht. Nach dem Tod seiner Eltern verteilte der hl. Nikolaus sein ganzes geerbtes Vermögen an die Armen, ohne etwas für sich zu behalten. Als Priester in Patara war er für seine Nächstenliebe bekannt, obgleich er seine Mildtätigkeit sorgfältig zu verbergen versuchte und so das Gebot des Herrn erfüllte: Deine Linke wisse nicht, was deine Rechte tut (Mt 6,3). Als er gewillt war, sich den Rest seines Lebens der Einsamkeit und Stille zu widmen, kam eine Stimme von oben, die sagte: „Deine asketische Mühe vollbringe unter den Menschen, wenn du von Mir gekrönt werden willst.“ Kurz darauf wurde er durch Gottes wundersame Vorsehung zum Erzbischof der Stadt Myra in Lykien gewählt. Barmherzig, weise und furchtlos, war Nikolaus ein wahrer Hirte seiner Herde. Während der Christenverfolgungen unter Diokletian und Maximian wurde er ins Gefängnis geworfen, doch selbst dort unterwies er die Menschen im Gesetz Gottes. Er war beim ersten Ökumenischen Konzil in Nikäa [325] zugegen, und aus großem Eifer für die Wahrheit versetzte er dort dem Häretiker Arius mit seiner Hand einen Schlag. Für diese Tat wurde er aus dem Konzil ausgeschlossen; ihm wurde außerdem verboten, sein Amt als Erzbischof auszuüben. Doch dann erschienen der Herr Christus Selbst und Seine Allheilige Mutter mehreren der wichtigsten Hierarchen und taten kund, daß sie Nikolaus’ Tat billigten. Als mutiger Verteidiger von Gottes Wahrheit war der hl. Nikolaus genauso mutig als Verteidiger der Gerechtigkeit unter den Menschen. Zweimal rettete er drei Männer vor der unverdienten Todesstrafe. Barmherzig, wahrheitsliebend, gerechtigkeitsliebend wandelte er unter den Menschen wie ein Engel Gottes. Schon zu Lebzeiten hielten ihn die Menschen für einen Heiligen und riefen seine Hilfe in Notlagen und Verzweiflung an. Er erschien den Menschen, die ihn anriefen, sowohl in Träumen als auch persönlich, und er half ihnen – waren sie nah oder weit entfernt – leicht und schnell. Sein Antlitz leuchtete wie das des Moses, und allein durch seine Präsenz brachte er Trost, Frieden und guten Willen unter die Menschen. Im hohen Alter erlitt er eine kurze Krankheit und entschlief nach einem Leben voller Arbeit und fruchtbaren Mühen in Frieden zum Herrn, um sich der ewigen Freude im Reich des Himmels zu erfreuen. Weiter half und hilft er den Gläubigen auf Erden durch seine Wunder und verherrlicht seinen Gott. Er entschlief am 6. Dezember 343.

2. Der hl. Nikolaos, Bischof von Patara, war der Onkel des großen hl. Nikolaus, und er war es, der ihn ins geistliche Leben einführte und zum Priester weihte.

3. Der hl. Märtyrer Nikolaos von Karamanos wurde in Smyrna im Jahr 1657 für den christlichen Glauben von den Türken grausam gefoltert und gehängt.

4. Der hl. Theophilos, Bischof von Antiochia, war ein in der griechischen Philosophie hochgebil-deter Mann. Nach der Lektüre der Heiligen Schrift wurde er getauft und wurde ein großer Vertei-diger des christlichen Glaubens. Sein Werk „Über den Glauben“ ist bis heute erhalten geblieben. Er leitete die Kirche von Antiochia dreizehn Jahre lang und entschlief in Frieden im Jahr 181.

Lobeshymne

Der heilige Nikolaus, Wundertäter, Erzbischof von Myra in Lykien

Heiliger Vater Nikolaus,
Die vier Enden der Welt verherrlichen dich
Als Ritter des machtvollen Glaubens,
Des Glaubens Gottes, des wahren Glaubens.

Von der Wiege an warst du Gott geweiht,
Von der Wiege bis zum Ende;
Und Gott verherrlichte dich –
Seinen treuen Nikolaus.

Berühmt sein ganzes Leben hindurch,
Und noch berühmter nach dem Tod;
Mächtig auf Erden war er,
Und noch mächtiger ist er im Himmel.

Glühender Geist, reines Herz,
Ein Tempel des lebendigen Gottes;
Dafür verherrlichen ihn die Menschen
Als wunderbaren Heiligen.

Nikolaus, reich an Herrlichkeit,
Liebt jene, die ihn als ihren „Krsna Slava“* ehren;
Vor Gottes ewigem Thron
Betet er für ihr Wohlergehen.

O Nikolaus, segne uns,
Segne dein Volk,
Das vor Gott und vor dir
Demütig steht im Gebet.

Betrachtung

Auf Ikonen des hl. Nikolaus kann man oft auf der einen Seite unseren Herrn und Retter mit einem Evangelium in der Hand sehen, und die Allheilige Mutter Gottes mit einem bischöflichen Omophorion auf der anderen Seite. Dies hat eine zweifache historische Bedeutung: Sie betrifft erstens die Berufung des hl. Nikolaus zum bischöflichen Dienst und zweitens seine Rechtfertigung und Wiedereinsetzung, die der Bestrafung für die Ohrfeige, die er Arius verabreicht hatte, folgte. Der hl. Methodios, der Patriarch von Konstantinopel, schreibt: „Eines Nachts sah der hl. Nikolaus unseren Erlöser in Herrlichkeit neben ihm stehend, und Er hielt ihm das mit Gold und Perlen geschmückte Evangelium hin, und die Mutter Gottes stand auf der anderen Seite und legte ihm ein bischöfliches Omophorion um die Schultern. Kurz nach dieser Vision starb Johannes, der damalige Erzbischof von Myra, und Nikolaus wurde als Erzbischof dieser Stadt eingesetzt.“ Das war das erste Ereignis. Das zweite geschah zur Zeit des Ersten Ökumenischen Konzils in Nikäa. Unfähig, durch Argumentieren der unsinnigen Blasphemie des Arius gegen den Sohn Gottes und Seine Allreine Mutter Einhalt zu gebieten, schlug der hl. Nikolaus Arius ins Gesicht. Die heiligen Väter des Konzils mißbilligten solches Verhalten heftig, und sie verbannten den hl. Nikolaus vom Konzil und entklei-deten ihn der Abzeichen seines bischöflichen Ranges. In derselben Nacht hatten einige der Väter dieselbe Vision: Sie sahen, wie der Herr auf der einen Seite von Nikolaus stand mit dem Evangelium und die Mutter Gottes auf der anderen Seite mit einem Omophorion und dem Heiligen die Abzeichen des bischöflichen Ranges anboten, derer sie ihn entkleidet hatten. Als die Väter das sahen, waren sie erstaunt, und schnell gaben sie Nikolaus zurück, was sie von ihm genommen hatten. Sie begannen von dieser Zeit an, ihn als großen Mann zu achten und sein Verhalten gegenüber Arius nicht als sinnlose Wut zu verurteilen, sondern als Ausdruck seines großen Eifers für Gottes Wahrheit zu sehen.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über den Sündenfall von Adam und Eva (Gen 3):
1. Wie Gott die Schlange verfluchte;
2. Wie Er Eva den Schmerz des Gebärens auferlegte und Adam die Mühe der Arbeit;
3. Wie Er den Ackerboden wegen der Tat des Menschen verfluchte;
4. Wie Er die Erde nicht an sich verfluchte, sondern nur um der Tat des Menschen willen.

Homilie

Über die Abwesenheit der Sünde in den Werken Gottes

Und Gott sah, daß es gut war.
(Gen 1)

Alles, meine Brüder, was der reine und sündenlose Herr schafft, ist rein und sündenlos. Alles von Gott Geschaffene ist rein und sündenlos, solange es auf Ihn hin ausgerichtet ist, weder getrennt von Ihm noch im Gegensatz zu Ihm. Alles preist und verherrlicht Gott, solange es rein und sündenlos ist. Daher singt der Psalmist: Alles was Atem hat, preise den Herrn. Alleluja. (Ps 150). Jedes vernunftbegabte Wesen Gottes empfindet es als seinen natürlichen, primären Drang, den Herrn zu preisen. Da dies so ist, fragen sich die Menschen: „Wie kommt das Böse in die Welt?“ Es kommt von der Sünde, und allein von der Sünde. Die Sünde verwandelt einen Engel des Lichtes in einen Teufel. Durch seine eigene Tat machte sich der Teufel zu einem Gefäß der Sünde und war dann voller Ungeduld, andere Geschöpfe Gottes zu ähnlichen Gefäßen zu machen. Andere Engel Gottes traten durch ihre eigene freie Wahl in die Sünde mit dem Teufel ein, und daraufhin auch die ersten Menschen – Adam und Eva. Von daher stammt diese Mischung aus Gut und Böse in der Welt; doch was von Gott kommt, bleibt gut, wie es war im Anfang. Aus der Sünde entsteht Gift, denn die Sünde ist tatsächlich Gift, das schlimmste Gift, das es gibt. Die Sünde brachte den Fluch hervor, die Verfinsterung des Verstandes, rief den Kampf der Geschöpfe gegen ihren Schöpfer hervor und schuf eine Distanz zwischen Gott und dem Menschen, zwischen den Menschen, und zwischen der Natur und dem Menschen.
O meine Brüder, alles Gute kommt von Gott und alles Böse von der Sünde. Nichts Böses gibt es in bezug auf Gott; keine Art von Bösem gibt es, das nicht mit der Sünde in Beziehung steht. Viele Philosophen haben versucht, das Wesen des Bösen zu definieren, und wegen der Grobheit des menschlichen Geistes haben sie erklärt, daß das Böse die Materie und die Materie böse sei. Doch nur wir Christen wissen, daß die Sünde das Wesen des Bösen ist und daß es keine andere Substanz außer der Sünde besitzt. Daher ist es klar, wenn wir wünschen, uns vor dem Bösen zu bewahren, daß wir uns vor aller Sünde bewahren müssen.
O sündeloser Gott, gewähre uns Deine Hilfe, um uns vor der Sünde und dem sündigen Verder-ben zu bewahren. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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19.12.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).