18.11.2024

05.11.2024

Gedenken

5. November nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. Märtyrer Galaktion und Epistema; hll. Apostel Patrobos, Hermas, Linus, Gaios und Philologos; hl. Jona, Erzbischof von Novgorod († 1570); sowie hl. Gregor, Erzbischof von Alexandria; hll. Märtt. Domnios, Timotheos, Theophilos, Theotimos, Dorotheos, Eupsychios, Karterios, Pamphilios, Agathangelos u. Kastorios v. Palästina († 307); hl. Märt. Silvanus, Bischof von Gaza; hl. Odrada, Jungfrau von Balen, Niederlande (8. Jh.); hl. Cybi, Abt in Cornwall und Wales († 550).

1. Die hll. Märtyrer Galaktion und Epistema wurden beide in der Stadt Edessa in Phönizien geboren. Galaktions Mutter war unfruchtbar, bis sie getauft wurde. Nach ihrer Taufe bekehrte sie ihren Mann [Cleitophon] zum wahren Glauben, taufte ihren Sohn Galaktion und erzog ihn im christlichen Glauben. Als Galaktion das heiratsfähige Alter erreicht hatte, entschlief seine gute Mutter Leukippa, und sein Vater verlobte ihn mit Epistema, die von heidnischer Herkunft war. Galaktion wollte auf keinen Fall die Ehe schließen und überzeugte Epistema davon, sich taufen zu lassen, dann Nonne zu werden, während er die Mönchsweihe erhalten würde. Beide begaben sich zum Berg Publion – Galaktion in ein Männerkloster und Epistema in ein Frauenkloster. Sie erwiesen sich als helle Leuchten in ihren Klöstern. Sie waren die ersten hinsichtlich der Arbeit, die ersten im Gebet, die ersten in der Demut und im Gehorsam, die ersten in der Liebe. Weder verließen sie ihre Klöster noch sahen sie einander wieder bis kurz vor ihrem Tod. Es begann eine grausame Verfol-gung und beide wurden vor Gericht geführt. Als die Heiden Galaktion erbarmungslos auspeitsch-ten, weinte Epistema. Dann peitschten sie sie aus. Danach schnitten sie ihre Hände ab, ihre Füße und ihre Häupter. Ihr Freund Eutolius nahm ihre Leiber und bestattete sie ehrenvoll. Eutolius war ein Sklave von Epistemas Eltern gewesen, dann Mönch bei Galaktion. Er schrieb auch die Lebensbe-schreibung dieser wundervollen Märtyrer Christi auf, die im Jahr 253 litten und ihre Kränze empfingen.

2. Die hll. Apostel Patrobos, Hermas, Linus, Gaios und Philologos aus den Siebzig. Patrobos war Bischof von Neapolis, Hermas von Philippopolis (Röm 16,14), Linus von Rom (2 Tim 4,21), Gaios von Ephesus (Röm 16,23) und Philologos von Synope (Röm 16,15). Sie alle erfüllten in Liebe das Gesetz Christi und nahmen ihre Wohnstätten im Reich Christi ein.

3. Der hl. Jona, Erzbischof von Novgorod, wurde in Novgorod geboren und schon früh Waise. Eine gottesfürchtige Frau nahm ihn auf und erzog ihn. Michail, der Narr in Christo von Klops, sagte zu ihm prophetisch: „Ivanuschka, studiere fließig, denn du wirst Erzbischof in Groß-Novgorod werden.“ Und tatsächlich, nach dem Tod von Erzbischof Euthymios wurde Jona auserwählt und an seiner Stelle geweiht. Jona war fromm und barmherzig in einem für sterbliche Menschen seltenen Maß. Er baute Kirchen und Klöster und sorgte für seine Herde als guter Hirte. Ihm wurde der Metropolitenthron von Moskau angeboten, doch er lehnte ab und entschuldigte sich wegen seines Alters. Er entschlief in Frieden am 5. November 1570 und ging hinüber in die Wohnstätten der Freude. Einhundert Jahre nach seinem Tod gab es ein großes Feuer in Novgorod. Die Reliquien dieses Heiligen brannten in den lodernden Flammen nicht, sondern im Gegenteil, es ging Heilkraft von ihnen aus, und es entströmte ihnen ein wundervoller Duft.         

 

 

 

Lobeshymne

Die heiligen Märtyrer Galaktion und Epistema

Galaktion und mit ihm Epistema
Verließen die Welt des vergänglichen Rauchs,
Kreuzigten die Leidenschaften des Körpers
Und stiegen im Geist in den Himmel hinauf.
Ihre Herzen gedachten Christus mit jedem Schlag,
Und waren gekreuzigt in Liebe zu Ihm.
Dann nahten sich die Folterer.
Galaktion schritt zur Tortur,
Und Epistema eilte ihm nach.
„Langsamer, Bruder“, sagte sie, „eile nicht!
Von deiner Hand ward ich getauft,
Jetzt nimm mich mit zu deinen Martern!
Auch wenn ich unwürdig bin, Bruder,
Bin ich bereit, für meinen Christus zu sterben.“
Galaktion und Epistema mit ihm
Bekannten Christus vor den Ungläubigen,
Und unter grausamen Martern hauchten sie den Geist aus.
Sie gaben Christus ihre Seelen:
Jetzt leben sie mit den Engeln im Paradies –
Galaktion und Epistema.

Betrachtung

Was ein Schatten im Vergleich zur Wirklichkeit ist – und noch weniger –, dies ist die körperliche Liebe im Vergleich zur geistigen. Die Blutsverwandtschaft zwischen Brüdern und Schwestern ist nichts, verglichen mit dem Verhältnis der Brüder und Schwestern im Geist. Galaktion war von seinem Vater mit der Jungfrau Epistema verlobt worden. Er taufte sie, und dann traten die beiden in den monastischen Stand ein. Ihre körperliche Liebe wurde in geistige verwandelt, eine Liebe, so stark wie der Tod. Galaktions geistige Liebe zu Epistema war so groß, daß er sie nicht mit seinen leiblichen Augen sehen mußte; denn für die geistige Liebe sind weder Körper noch Begegnungen nötig. Epistemas geistige Liebe zu Galaktion war so groß, daß sie, als sie erfuhr, daß er zum Martyrium abgeführt wurde, hinter ihm herlief und ihn bat, sie nicht von sich zu stoßen, sondern als ihr geistlicher Vater und Bruder sein Martyrium mit ihr zu teilen. Als die seelenlosen Henker erbarmungslos auf Galaktions nackten Leib peitschten, weinte die hl. Epistema. Als die Henker ihnen beiden um Christi willen die Hände und Füße abschlugen, freuten sie sich und verherrlichten Gott. Solcherart war die Macht ihrer Liebe zu Christus dem Herrn und solcherart war ihre gegenseitige geistige Liebe, mit der sie einander liebten. Wahrlich, körperliche Liebe ist wie ein bunter Schmetterling, der in einem Augenblick vorüberfliegt, doch geistige Liebe ist beständig.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über das wundersame Wirken des Heiligen Geistes (Apg 19):
1. Wie Paulus, als er nach Ephesos kam, Männer sah, die mit der Taufe des Johannes getauft worden waren;
2. Wie er diesen Männern die Hände auflegte und der Heilige Geist auf sie herabkam;
3. Wie sie von Kraft erfüllt wurden, in Zungen sprachen und prophezeiten.

Homilie

Über den durch den auferstandenen Christus erhobenen Menschen

... hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen,
der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen genannt wird.
(Eph 1,21)

Seht die Höhen, auf die Gott das Wesen des Menschen erhebt! Hier wird nicht über die göttliche Natur Christi gesprochen, sondern über Seine menschliche Natur; nicht über das Ewige Wort Gottes, sondern über den Menschen Jesus, den Gott von den Toten auferweckt und nicht nur über die ganze sichtbare und sterbliche Welt erhoben hat, sondern auch über die unsichtbare und unsterbliche, höher als alle Ränge der himmlischen Mächte, höher als die offenbarten und nicht offenbarten wundervollen Hierarchien des Himmels, höher als jedes bekannte oder unbekannte geschaffene Wesen und höher als jeder Name in beiden Welten, in der stofflichen und in der geistigen. Seht ihr, meine Brüder, wie unser ruhmreicher Schöpfer an uns das Versprechen erfüllt, das Er Adam gegeben hat, als Er ihn aus dem Paradies verstieß, ein Versprechen, das Er Abraham auf noch deutlichere Weise und noch einmal deutlicher David und den Propheten gab? Seht ihr, wie der Herr Zebaoth das Menschengeschlecht verherrlicht, indem Er den Menschen Jesus verherrlicht, in dem die Gottheit Gottes, des Sohnes Gottes, inkarniert war? Als ersten der Ehre nach verherrlichte Gott Ihn, und dann, der Reihe nach, all jene, die Ihm zugezählt und durch die Gnade Gottes für die ewige Herrlichkeit gekennzeichnet und ins Buch des Lebens eingeschrieben wurden. Nicht ohne Grund singt die Kirche an die Mutter Gottes: „Die Du geehrter bist als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim“. Dort, wo der auferstandene Herr erhoben wird, dort wird auch Seine Allheilige Mutter erhoben, sowie Seine heiligen Apostel, gemäß Seinen Worten an Seinen himm-lischen Vater: Vater, Ich will, daß alle, die Du Mir gegeben hast, dort bei Mir sind, wo Ich bin. (Jh 17,24)
Dies ist die unendlich weitreichende Folge dessen, daß Gott zur Erde gekommen ist. Solcherart sind die unaussprechlichen Früchte Seines Leidens.
O Herr Jesus Christus, unser Erlöser, einzig gleich Deinem Vater und dem Heiligen Geist; hilf uns, damit wir vor dem Ende uns aus unseren schmutzigen Sünden und unserer törichten Sinnlich-keit befreien können. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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18.11.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).