11.05.2024

28.04.2024

Gedenken

28. April nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. Apostel Jason und Sosipater und die Jungfrau Kerkyra; hll. Märtyrer Maximos, Dada und Quintilian; hl. Märtyrer Tibal (Tibals) v. Pannonien († 304); sowie hl. Auxibios, Bischof von Soli auf Zypern († 102 oder 112); hl. Kirill, Bischof v. Turov († 1183); hl. Kiriak, Abt v. Kargopol’ (Vologda) († 1462); hl. Cronan, Abt von Roscrea, Irland (7. Jh.).

1. Die hll. Apostel Jason, Sosipater und die Jungfrau Kerkyra. Die ersten beiden waren aus den Siebzig Aposteln, und die letztere war die Tochter eines Königs von der Insel Korfu. Jason und Sosipater werden vom hl. Paulus als seine Verwandten bezeichnet: Jason und Sosipater, meine Stammverwandten (Röm 16,21). Jason wurde wie der Apostel Paulus in Tarsus geboren, Sosipater in Achäa. Der erste wurde vom Apostel zum Bischof von Tarsus ernannt, und der andere zum Bischof von Ikonium. Die beiden Apostel trafen auf einer ihrer Reisen, auf denen sie das Evangelium verkündigten, auf der Insel Korfu ein, wo es ihnen gelang, eine Kirche zu Ehren des hl. Stefan des Erstmärtyrers zu bauen und einige Heiden für die Kirche zu gewinnen. Der König der Insel warf beide ins Gefängnis, wo auch sieben Diebe einsaßen. Ihre Namen waren: Sagornius, Jakisholos, Faustos, Iannuarios, Marsalios, Euphrasios und Mammios. Die Apostel bekehrten diese sieben zum Glauben an Christus und verwandelten diese Wölfe in Lämmer. Als der König davon hörte, befahl er, diese sieben in siedendem Teer zu töten. So empfingen sie den Kranz der Märtyrer. Als der König die Apostel folterte, beobachtete seine Tochter Kerkyra vom Fenster aus das Leiden dieser Männer Gottes. Sie erfuhr, aus welchem Grund sie gemartert wurden, und erklärte sich ebenso als Christin und verteilte ihre Juwelen an die Armen. Der König erzürnte sich über seine Tochter und schloß sie in einem besonderen Gefängnis ein. Da es ihm nicht gelang, sie durch die Gefangenschaft von Christus abzubringen, befahl er, das Gefängnis zu verbrennen. Das Gefängnis brannte herunter, doch die Jungfrau blieb am Leben. Viele Menschen, die dieses Wunder sahen, ließen sich taufen. Der wutentbrannte König ließ seine Tochter an einen Baum binden, und Kerkyra wurde von Pfeilen durchbohrt. Jene, die an Christus glaubten, flohen vor dem furchtbaren König zur nächstgelegenen Insel und versteckten sich. Der König verfolgte sie mit dem Schiff, um sie festzunehmen; doch das Schiff versank im Meer, und so kam der Gesetzlose um wie einstmals der Pharao. Der neue König empfing den Glauben an Christus, wurde getauft und erhielt den Namen Sebastian. Jason und Sosipater verkündeten frei das Evangelium und stärkten die Kirche Gottes auf Korfu. Sie lebten bis ins hohe Alter, und dort beendeten sie ihr irdisches Leben und nahmen Wohnung in den Wohn-stätten des Herrn.

2. Die hll. Märtyrer Maximos, Dada und Quintilian erlitten das Martyrium unter der Herrschaft des Diokletian. Sie wurden vom Heerführer Tarquinius verhört und gemartert. Nach Kerkerhaft und Marter wurden sie enthauptet.

3. Der hl. Märtyrer Tibal (Tibals) war ein Slave aus Pannonien. Während der Herrschaft des Dio-kletian wurde er brutal gemartert um des Glaubens an Christus willen. Er litt an einem Ort namens Tsibal.      

Lobeshymne

Die heilige Jungfrau Kerkyra

Die Jungfrau Kerkyra, sanft und rein,
Vernahm am Königshof den Namen Christi,
Und dieser heilige Name überwältigte ihr Herz.
Bereit war sie, für Ihn zu leiden.
Der Vater unterweist die Tochter, doch wie? Und wozu?
„Gott ist Einer, Vater, wirf dich nieder vor Ihm!
Durch Christus wurde Seine Liebe offenbart,
Von dieser Liebe bin ich nun ergriffen.
Um mich selbst ist mir nicht leid,
Auch vor den Martern habe ich keine Angst,
So tue, was du willst; vor Gott stehe ich.“
Kerkyra, die Jungfrau, stand in den Flammen,
Still und sanft und leuchtend wie eine Taube.
Eine karmesinrote Flamme lodert auf, der ganze Kerker birst,
Kerkyras Herz schlägt ohne Furcht,
Gebet und Hoffnung nisten darin.
Damit besiegte sie das Feuer und nicht das Feuer sie.
Die Jungfrau, von Pfeilen der göttlichen Liebe durchbohrt,
Trennte sich schnell von der Eitelkeit der Welt.
Ihr Leib war von tödlichen Pfeilen zerfetzt –
Doch die Seele der Jungfrau empfing der Herr unversehrt.

Betrachtung

Das Mysterium unserer Rettung wurde durch das Erscheinen Gottes unter den Menschen im menschlichen Fleisch vollbracht. Der hl. Meliton von Sardis schreibt: „Die Werke, die Christus nach Seiner Taufe vollbrachte, zeigten und bewiesen der Welt, daß in Seinem Leib Seine Gottheit verbor-gen war. Als Gott war Er auch vollkommener Mensch. Er offenbarte uns Seine beiden Naturen: Seine Gottheit durch Seine Wunder, vollbracht in den drei Jahren nach Seiner Taufe, und Seine Menschen-natur durch jene dreißig Jahre, in denen die Gebrechlichkeit des Körpers die Zeichen Seiner Gottheit verbarg, obwohl Er wahrlich der urewige Gott war.“ Die Art und Weise der Verbindung des Göttlichen mit dem Menschlichen ist schwer zu verstehen; doch das Ereignis der Erscheinung Gottes unter den Menschen ist vom Standpunkt der Liebe Gottes für den Menschen aus völlig verständlich. Nicht einmal die Schöpfung der Welt ist als ein Ereignis verständlicher, sondern sogar weniger verständlich als dieses Ereignis über allen Ereignissen – die Inkarnation Gottes.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Himmelfahrt des Herrn Jesus:
1. Wie Er Seine Jünger auf einen Hügel [auf den Ölberg] nahe Bethanien führte;
2. Wie Er sie mit erhobenen Händen segnete.

Homilie

Darüber, Gottes Angesicht zu suchen

Den Herrn will ich suchen!
Laß Dein Antlitz leuchten über Deinem Knecht.
(Ps 26,8; 30,17)

König David suchte, was die einfachen Fischer empfingen, ohne zu suchen. Der König verbeugte sich im Dunklen und sehnte sich danach, das Licht des Angesichts des Herrn zu sehen, das sich den einfachen Fischern in seinem eigenen Licht zeigte. König David gehörte zur Epoche des Wartens, doch die Jünger gehörten zur Epoche des Erfüllens. Damals war es nur eine Vorahnung des Kommens des Herrn, nun aber das Kommen selbst. Damals nur Mutmaßungen und Vorstellungen über das Angesicht Gottes, jetzt – das Licht und die Schönheit dieses Angesichts selbst. Das Ange-sicht Gottes leuchtete vor der Auferstehung, doch wieviel mehr danach! Das unauslöschliche Feuer der Gottheit war hinter der Ikone Seines Leibes verborgen, und es leuchtete durch diese leibliche Ikone. Und die Jünger sahen Ihn, schauten auf Ihn, und sie freuten sich in ihren Herzen. Sie sahen vierzig Tage lang Seinen verherrlichten Leib, und sie freuten sich in ihren Herzen.
O meine Brüder, laßt auch uns das leuchtende Angesicht des Herrn suchen, damit wir die Freude empfinden mögen, von der die Engel im Himmel erfüllt sind. Wenn wir Ihn mit Sehnsucht in diesem Leben suchen, werden wir Ihn im kommenden Leben sehen; doch wenn wir Ihn nicht in diesem Leben suchen, werden wir Ihn weder hier noch dort sehen. Mögen wir uns sehnen nach dem Angesicht Christi, meine Brüder! Jedes Wort von Ihm zeigt uns eine Linie Seines Angesichts. Jeder Seiner Apostel zeigt uns ein Merkmal Seines Angesichts. Jede Seiner Handlungen zeigt uns eine Seite Seines Angesichts. Jeder Seiner Heiligen zeigt uns einen Lichtstrahl Seines Angesichts. Laßt uns das Angesicht Gottes mit Sehnsucht studieren, meine Brüder. Laßt uns Lichtstrahl an Lichtstrahl an-einanderlegen, bis die ganze Sonne offenbart ist. Laßt uns die Sonne in den Tiefen unseres Herzens einschließen, damit sie von innen her Licht in die Höfe unseres Leibes werfe. Laßt uns diesen unaus-sprechlich süßen Weinberg in unseren Herzen bepflanzen, damit wir diesen unsterblichen Trank kosten, von dem die Engel erfüllt sind.   
 O Herr, Du Lichtbringer, laß Dein Angesicht aufleuchten über Deinen Knechten. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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11.05.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).