23.09.2022

10.09.2022

Gedenken

10. September nach dem Kirchekalender

Gedenken: hll. Märtyrerinnen Menodora, Metrodora und Nymphodora (Anfang 4. Jh.); hl. Pulcheria, Kaiserin von Byzanz († 453); hll. Apelles, Lukios und Klemens von den Siebzig; die drei heiligen Frauen von Konstantinopel; sowie hl. Märt. Barypsabas von Dalmatien (2. Jh.); hl. Salvius, Bischof von Albi (Gallien, † 584); hl. Theodaard von Maastrich (Niederlande, † 668); hll. Petros († 826) und Paulos (9. Jh.), Bischöfe von Nikäa; hl. Pavel der Gehorsame vom Kiever Höhlenkloster (13. Jh.); hl. Ioasaf, Mönch von Kubensk, Vologda († 1453); hl. Kassian, Abt vom Spaso-Kamennyj-Kloster und vom Kloster des hl. Kirill vom Weißen See († 1469); hl. Finian von Ulster (Irland), Abt († 579).

1. Die hll. Märtyrerinnen Menodora, Metrodora und Nymphodora waren leibliche Schwestern und wuchsen in Bithynien (Kleinasien) auf. Im Geist des Christentums erzogen, zogen sie sich aus der Stadt in die Wüste zurück, da sie ihren Geist zu Gott erheben und sich von allem in dieser trügerischen Welt befreien wollten. Sie wünschten, dieses Leben in Reinheit und Jungfräulichkeit als wahre Bräute Christi zu leben. Sie widmeten sich diesem großen Werk, fasteten und beteten, und Gott schmückte sie mit der Gabe der Wundertätigkeit. Als die Menschen begannen, ihnen die Kranken zur Heilung zu bringen, wurden sie gegen ihren Willen bekannt. Ein gewisser Gouverneur namens Fronton hörte von ihnen und brachte sie vor das Gericht. Als er sie sah, war der Gouverneur verwundert über die Schönheit ihrer Gesichter. Denn obgleich sie sich in strengem Fasten übten und ihre Körper verdorrt waren, leuchteten doch ihre Gesichter. Sie strahlten im Licht des inneren Friedens und der Gnade Gottes. Zuerst schmeichelte ihnen der Gouverneur und versprach ihnen, sie zum Kaiser zu senden, der sie unter seinem Adel verheiraten würde. Doch als er überzeugt war, daß all seine Schmeicheleien und seine Versprechen auf diese Bräute Christi keine Wirkung ausübten, befahl er, daß Menodora als erste gemartert werde und man ihre Schwestern ins Gefängnis werfe. Nach grausamen Foltern schrie der Gouverneur Menodora, die voller Wunden und Blut war, an: „Bringe den Göttern Opfer dar!“ Darauf erwiderte die heilige Märtyrerin: „Siehst du nicht, daß ich mein ganzes Selbst Gott zum Opfer bringe?“ Als die hl. Menodora von den Folterknechten erschlagen wurde, führte der Gouverneur die anderen beiden Schwestern vor Menodoras Leichnam. Er zeigte auf den Leib ihrer Schwester und riet ihnen, Christus zu verleugnen. Da sie standhaft blieben, tötete er sie durch grausame Foltern. Doch in diesem Augenblick kam ein Blitz vom Himmel und erschlug den blutrünstigen Fronton und seine Knechte. Die Leiber dieser heiligen Märtyrerin-nen Gottes wurden ehrenvoll von Christen bestattet. Sie erlitten das Martyrium zwischen den Jahren 305 und 311 während der Herrschaft des Maximian Galerius und fanden Ruhe im Reich Gottes.

2. Die hl. Pulcheria die Kaiserin war die Tochter des Kaisers Arkadios. Sie gelobte, lebenslang Jungfrau zu bleiben, und als Zeichen ihres Gelübdes ließ sie einen Altar aus Gold und Edelsteinen in der Kathedralkirche bauen. Sie regierte mit ihrem Bruder, Theodosios dem Jüngeren. Pulcheria war voller Eifer für den orthodoxen Glauben. Auf ihr Drängen wurde das Dritte Ökumenische Konzil in Ephesos zusammengerufen, das die Häresie des Nestorios verurteilte. Sie baute die berühmte Kirche der Allheiligen Gottesgebärerin in Blachernae in Konstantinopel. Nach dem Tod des Theodosios heiratete sie Markianos, den designierten Kaiser, doch sie lebte mit ihm wie mit einem Bruder. Sie entdeckte die Reliquien der Vierzig Märtyrer von Sebaste. Sie entschlief im Herrn am 10. September 453 im Alter von fünfundfünfzig Jahren.

3. Die hll. Apostel Apelles, Lukios und Klemens gehörten zu den Siebzig Aposteln. Apelles (Apg 18,24-25) war Bischof in Smyrna vor dem hl. Polykarp. Der hl. Lukios (Röm 16,21) war Bischof in Laodizea. Der hl. Klemens war Bischof in Sardis.

4. Die Drei heiligen Frauen. Eine Adlige aus Konstantinopel mit ihren beiden Dienerinnen verach-tete die Eitelkeit der Welt und zog sich in die Einsamkeit zurück, wo sie nach elf Jahren der Askese im Herrn entschlief.

Lobeshymne

Die hll. Märtyrerinnen Menodora, Metrodora und Nymphodora

Drei Jungfrauen, leibliche Schwestern,
Drei glorreiche Märtyrerinnen Christi,
Verherrlichten Christus vor Fronton.
Durch ihre Furchtlosigkeit erschreckten sie den Gouverneur;
Und Gouverneur Fronton, arm an Weisheit,
Dachte wie viele andere,
Daß durch Gewalt, Feuer und Galgen
Sie ihre christliche Gesinnung rasch ändern würden.
Der Gouverneur dachte: „Alle Frauen sind sich ähnlich;
Sie werden schnell ihren Glauben ändern!“
Doch der Gouverneur hatte sich bitter getäuscht
Und wurde durch diese christlichen Frauen beschämt.
Christus unterscheidet nicht zwischen Frauen und Männern –
Er gibt allen Stärke, die Ihm dienen:
Die wundersame Kraft von Glaube und Hoffnung,
Die Kraft des Leidens, ohne bittere Klagen.
Diese Macht überlebte das Reich,
Und wurde Tausende von Jahren verwendet –
Man verwendete sie, doch sie blieb ganz –
Und alles ist vor ihr schwach wie Lehm.
Menodora und mit ihr Metrodora
Und die jüngste Schwester Nymphodora
Besiegten den Gouverneur durch Gottes Kraft.
Sie gaben ihr Leben und verherrlichten Christus;
Sie gaben ihr Leben und erhielten das Leben.

Betrachtung

Die Beispiele an Mut und Ausdauer, die uns von den christlichen Märtyrern gezeigt werden – Tausende und Abertausende von ihnen – leuchten mit strahlendem Glanz durch jede Seite der Geschichte der christlichen Kirche. Doch wie uns die Beispiele der freiwilligen Märtyrer in Erstaunen versetzen, so auch (und in nicht geringerem Maß) die Beispiele der Asketen, der bekannten wie der unbekannten, denn Askese ist nichts anderes als ein sich über lange Zeit erstreckendes Martyrium. Pavlos, der Bischof von Monemvasia, hat der Nachwelt ein lehrreiches Beispiel hinterlassen, indem er über eine Gruppe von Asketinnen berichtete. Als er noch ein Laie und Steuereintreiber war, geschah es, daß er in einem Kloster Aufenthalt nahm. Als er sah, wie sich Raben über die Frucht-bäume hermachten, Früchte stahlen und sie forttrugen, wurde er neugierig und zusammen mit den Mönchen folgte er ihnen, um zu sehen, wohin sie die Früchte brachten. Auf diese Weise gelangten sie zu einem undurchdringlichen Wald, in dessen Innerem die Raben verschwanden, ihre gestohlenen Früchte hinterließen und schnell zurückkehrten. Als sie weiter vordrangen, entdeckten sie eine Höhle und drei Nonnen darin. Die älteste von ihnen erzählte ihnen ihr Leben: Sie war eine adlige Frau aus Konstantinopel, deren Mann gestorben war und die ein anderer Adliger mit Gewalt zur Frau nehmen wollte. Doch sie hatte nach dem Tod ihres Mannes entschieden, den Rest ihres Lebens in Jungfräulichkeit zu verbringen. Aus diesem Grund hatte sie ihren Besitz den Armen gegeben und war mit zwei Dienerinnen an diesen abgelegenen Ort geflohen. Sie hatten dort elf Jahre in Fasten und Gebet verbracht, währenddessen sie niemanden sahen, und sie waren auch von niemandem außer Gott gesehen worden. Er hatte es in Seiner Vorsehung so eingerichtet, daß Vögel ihnen Früchte zum Essen brachten. Sie baten dann den Abt, ihnen die Heiligen Gaben zu bringen. Nachdem sie die Heilige Kommunion empfangen hatten, entschliefen nach drei Tagen alle drei heiligen Frauen, und die Mönche bestatteten sie.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über den Reichtum und die Herrlichkeit Salomos (1 Kön 4,10):
1. Wie Salomo zuerst einen prächtigen Tempel, und daraufhin Städte und Schiffe baute;
2. Wie die Herrscher der benachbarten Länder Salomo bewunderten; wie Hiram ihm diente und die Königin von Saba kam, um ihn zu besuchen;
3. Wie Salomo in all seiner Pracht nicht gekleidet war wie eine Lilie auf dem Felde (Mt 6,29).

Homilie

Wie Sünder bereitwilliger Übeltäter aufnehmen als Wohltäter

Ich bin im Namen Meines Vaters gekommen, und doch lehnt ihr Mich ab.
Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, dann werdet ihr ihn anerkennen. (Jh 5,43)

Wer ist dieser andere, der in seinem eigenen Namen kommen wird, und den die sündigen Menschen bereitwilliger empfangen werden als Christus den Herrn? Es ist derjenige, der sein Kreuz nicht aufnehmen und den schmalen Pfad nicht gehen will; der nicht ein Menschenliebender, sondern ein Menschenhasser ist; der nicht gegen die Sünde sondern für die Sünde kämpft; der die Unreinheit wünscht und verbreitet; der ein Soldat des ewigen Todes und nicht des ewigen Lebens ist; der den Heiden schmeichelt und gegenüber jeder Leidenschaft und jedem Laster freundlich ist – das bedeutet: der Antichrist. Er wird in seinem eigenen Namen kommen und nicht im Namen Gottes, und all jene, die Christus nicht anerkennen, werden ihn anerkennen. Er wird ihnen willkommen sein, denn er wird nachgiebig gegenüber allen krummen Wegen der Sünder sein. Er wird ihnen willkommener sein als Christus, denn er wird als Alternative zum harten Pfad Christi einen weichen Weg bereiten, und wie auf Eis werden die Menschen darauf leicht dahingleiten – ohne einen Gedanken an den Untergang, zu dem er führt. Der Herr Christus kam im Namen der ewigen Rettung des Menschen, des ewigen Lebens, der ewigen Weisheit und Gerechtigkeit; doch der Antichrist wird in seinem eigenen Namen kommen, im Namen des ewigen Todes, der Zerstörung, der Lüge und Ungerechtigkeit. Wenn der Antichrist zu den Seinen kommt, so werden die Seinen ihn mit Freude empfangen; all jene, für die Christus zu schwer ist, werden den Antichrist voller Freude empfangen, denn sowohl er als auch sein Weg werden einfach für sie sein. Wenn es zu spät ist, werden die Toren sehen, daß sie getäuscht wurden und daß es keine Rettung für sie gibt. Wenn sie in die ewige Nacht gleiten, in den Rachen der abscheulichen Schlange, dann wird es zu spät sein – die Reue wird nicht mehr zu ihnen kommen, und es wird keine Rettung mehr geben. Die Hochzeit des Antichristen mit den Sündern auf Erden wird geschehen, und das Haus der unreinen Ehe wird sich in ein Gefängnis des Ekels und der Bitterkeit verwandeln, ohne Ausweg. Dann aber wird es zu spät sein.
O Herr, Du Menschenliebender, einziger Menschenfreund, Dich allein kennen wir, und Dich allein anerkennen wir. Dich und Dich allein empfangen wir als unseren Herrn und unsere Erlösung. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

<
23.09.2020
>
Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).