22.09.2022

09.09.2022

Gedenken

9. September nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. u. gerechte Gottesahnen Joachim und Anna; Gedenken des Dritten Ökumenischen Konzils; hl. Märt. Severian von Sebaste († 320); hl. Theophan, Bekenner und Faster († 299); hl. Niketas, der Mann Gottes (der Verborgene von Konstantinopel, 12. Jh.); sowie hl. Iosif, Abt von Volokolamsk (oder Volock, † 1515); hl. Ioakim, Abt von Pskov († 1550); Erhebung der Gebeine des hl. Feodosij (Theodosios), Erzbischof von Černigov (1896); hl. Hieroneumärt. Sacharij, Erzbischof v. Voronež († 1937); hl. Kiaran von Clonmacnois, Irland († ca. 545); hl. Omer, Bischof von Therouanne (Flandern) († 670).

1. Die hll. Joachim und Anna. Der hl. Joachim war aus dem Stamm Juda und Nachkomme des Königs David. Die hl. Anna war die Tochter des Priesters Matthan aus dem Stamm Levi wie Aaron, der Hohepriester. Dieser Matthan hatte drei Töchter: Maria, Zoja und Anna. Maria war in Bethlehem verheiratet und gebar Salome; Zoja war auch in Bethlehem verheiratet und gebar die hl. Elisabeth, die Mutter des hl. Johannes des Vorläufers; und Anna war in Nazareth mit Joachim verheiratet, und im hohen Alter gebar sie Maria, die Allerheiligste Mutter Gottes. Joachim und Anna waren seit fünfzig Jahren verheiratet und kinderlos. Sie lebten fromm und still, verwendeten nur ein Drittel ihres Einkommens für sich selbst und gaben ein Drittel den Armen und ein Drittel dem Tempel, und sie litten daher keine Not. Als sie einmal im hohen Alter nach Jerusalem kamen, um Gott ein Opfer darzubringen, tadelte Isachar, der Hohepriester, Joachim: „Du bist nicht würdig, mit deinen kinderlosen Händen Opfer darzubringen.“ Andere, die Kinder hatten, verspotteten Joachim und mieden ihn, da sie ihn als unwürdig ansahen. Dies bekümmerte diese beiden alten Seelen zutiefst, und sie kehrten schweren Herzens nach Hause zurück. Sie übergaben sich dem Gebet an Gott, daß Er das Wunder an ihnen vollbringen möge, das Er Abraham und Sarah gewährt hatte, und ihnen ein Kind im hohen Alter geben möge. Gott sandte ihnen Seinen Engel, der ihnen die Nachricht über die Geburt einer höchst gesegneten Tochter brachte, „durch die alle Völker der Erde Segen erhalten werden und durch die die Rettung der Welt kommen wird“. Anna empfing sogleich, und im neunten Monat gebar sie die heilige Jungfrau Maria. Der hl. Joachim lebte achtzig Jahre und Anna neunundsiebzig, und sie beide gingen ein in das Reich Gottes.

2. Gedenken des Dritten Ökumenischen Konzils. Dieses Konzil trat im Jahre 431 in Ephesos zusammen in der Zeit des Kaisers Theodosios des Jüngeren. Zweihundert Väter versammelten sich auf diesem Konzil. Es verurteilte Nestorios, den Patriarchen von Konstantinopel, für seine häretische Lehre über die Heilige Jungfrau Maria und die Geburt des Herrn. Nestorios wollte sie nicht die Allheilige Mutter Gottes nennen, sondern nur „Mutter Christi“. Indem die Heiligen Väter die Lehre des Nestorios verurteilten, bestätigten sie zugleich, daß die Heilige Jungfrau als „Mutter Gottes“ zu bezeichnen sei. Außerdem bestätigten sie die Entscheidungen des Ersten und Zweiten Konzils, besonders des Glaubensbekenntnisses von Nikäa und Konstantinopel, wobei sie festsetzten, daß keiner etwas hinzufügen oder von diesem Glaubensbekenntnis wegnehmen dürfe.

3. Der hl. Märtyrer Severian war ein Adliger in Sebaste. Als die Vierzig Märtyrer von Sebaste (9. März) ihr Martyrium erlitten, stand er ihnen im Gefängnis bei, ermutigte sie und diente ihnen. Nach ihrem ruhmreichen Tod, wurde er ebenfalls um Christi willen verhaftet, ausgepeitscht und gemartert. Schließlich wurde er mit einem schweren Stein um den Hals kopfüber an einem Baum aufgehängt. Er pries Gott für alles und übergab Gott seine Seele unter Kaiser Likinius im Jahre 320.

4. Der hl. Theophan, Bekenner und Faster. Nach einem gottgefälligen Leben, in dem er um Christi willen vieles erlitt, entschlief er in Frieden im Herrn im Jahre 299.

5. Der hl. Niketas, der Mann Gottes, lebte im zwölften Jahrhundert in Konstantinopel. Sein Leben war so gottgefällig, daß sich die Türen der Kirche von selbst vor ihm öffneten und sich die Lampaden vor den Ikonen von allein entzündeten. Als Sozon, ein Diakon, seinen Wunsch äußerte, einen Priester, mit dem er im Streit auseinandergegangen war und der dann starb, wiederzusehen, erschien dieser auf Niketas Gebete hin aus der anderen Welt. Zuerst erschien eine Reihe von Priestern, in weiße Gewänder gekleidet, dann eine Reihe in roten Gewändern. Sozon erkannte seinen Gegner unter ihnen und schloß Frieden mit ihm. Dies geschah in der Kirche zu Blachernae.

Lobeshymne

Die heiligen Joachim und Anna

Freue dich, du Unfruchtbare;
Freue dich, betagte Anna.
Du wirst empfangen und gebären
Ein wundervolles Kind, ein auserwähltes –

Wie einst die betagte Sarah
Und Samsons Mutter
Und Samuels Mutter
Und die Mutter des Johannes;

Doch du wirst ruhmreicher sein als alle,
Denn aus deinem Schoß wird hervorgehen
Die wundervolle Jungfrau, die einzig
Wundervolle Mutter des Allerhöchsten Königs.

Freue dich, Joachim,
Vater der einzigartigen Mutter,
Aus der der Schöpfer wünscht
Mit Herrlichkeit umkleidet zu werden.

Das Gesetz verliert seine Macht
Wann und wo Gott es will.
Wer kann Gott widerstreiten?
Kann es mit Gott irgendeinen Streit geben?

Nicht durch Wortgefechte, sondern durch Liebe
Verändert Gott Seine Gesetze.
Vor der Liebe sind alle Gesetze
Als gäbe es sie nicht.

Wenn es den Menschen hungert,
Macht der Herr das trockene Feld fruchtbar;
Und wegen des geistigen Hungers der Welt
Macht er die Unfruchtbare fruchtbar.

Für die Rettung der Menschen
Richtet Gott alles zum Besten ein.

Deshalb ruft die ganze Kirche der Heiligen
Ihm zu: Ehre! Ehre!  

Betrachtung

Man muß Almosen geben, aber nicht im stolzen Sinn, sondern mit Demut, und jene, denen man gibt für besser halten als sich selbst. Sagt nicht der Herr selbst: Was ihr für einen Meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan (Mt 25,40)? Theophan der Bekenner hatte, als er noch ein Jüngling war, bereits einen durch das Licht Christi erleuchteten Geist. Er ging in einer der Straßen, als er ein nacktes Kind frierend am Straßenrand sah. Er legte rasch seine eigenen Kleider ab und hüllte das Kind in sie ein, und auf diese Weise wärmte er es und brachte es zum Leben zurück. Er kehrte nackt zurück nach Hause, und seine erstaunten Eltern fragten ihn, wo seine Kleider seien. Theophan antwortete: „Sie bekleiden Christus!“ Ihm wurde die Gnade Christi verliehen, und später wurde er ein großer Asket, ein Bekenner des Glaubens und ein Wundertäter.
Wenn wir Almosen geben, sei es im Namen eines anderen Menschen oder im eigenen, aber nicht im Namen Christi, können wir nicht dem Stolz entfliehen, der, sobald er im Herzen erscheint, alle guten Werke, die wir getan haben, zunichte macht. Wenn wir einem Bettler als einem Bettler und nicht um Christi willen geben, können wir weder dem Stolz noch der Verachtung entfliehen. Was ist aber Gutes daran, Barmherzigkeit zu üben und dabei den eigenen Hochmut zu nähren und die Geringschätzung anderer? Eine Tugend ist keine Tugend, wenn sie mit Sünde vermischt ist, wie Milch keine Milch ist, wenn sie mit Petroleum oder Essig gemischt ist.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Weisheit Salomos (1 Kön 3):
1. Wie zwei Frauen über ein Kind stritten, wobei jede behauptete, es sei das ihre;
2. Wie Salomo befahl, das Kind in zwei Hälften zu schneiden und jeder Frau eine Hälfte zu geben;
3. Wie die wirkliche Mutter des Kindes deswegen aufschrie und so die Wahrheit bekannt wurde.

Homilie

Über Gottes Zeugnis über Sich selbst

Wenn Ich über Mich Selbst Zeugnis ablege, ist Mein Zeugnis nicht gültig. (Jh 5,31)

So sprach der Herr zu einem falschen und lügnerischen Volk. Er sprach diese Worte zu den Ältesten des hebräischen Volkes, nicht als Lehre, sondern als Entlarvung. Sie glaubten einem Menschen nicht, wenn er für sich selbst sprach, sondern suchten nach zwei Zeugen. Denkt nicht, meine Brüder, daß das, was der Herr über Sich sagte, nicht wahr sei, sondern daß die Hebräer es nicht für wahr hielten. Von daher muß man nach der Deutung der Heiligen Väter die Worte Mein Zeugnis ist nicht wahr so verstehen, daß dieses Zeugnis in den Augen der Hebräer nicht wahr war. Daß jedes Wort, das der Herr über Sich Selbst spricht, wahr ist, bekundet Er an anderer Stelle, indem Er sagt: Auch wenn Ich über Mich Selbst Zeugnis ablege, ist Mein Zeugnis gültig (Jh 8,14). Hier lehrt der Herr; dort entlarvt Er. Hier bestätigt Er, wie es sich in Wirklichkeit verhält, dort, was die Hebräer daraus gemacht haben. Die Hebräer glaubten nicht Seinem Zeugnis über Sich Selbst, sondern suchten andere Zeugen. Er führte drei Zeugen an: Zuerst das Zeugnis Seiner eigenen Werke: Die Werke... legen Zeugnis für Mich ab (Jh 5,36). Zweitens das Zeugnis Seines himmlischen Vaters, der Ihn als Seinen Sohn am Jordan und auf dem Thabor bestätigte: Auch der Vater Selbst, Der Mich gesandt hat, hat über Mich Zeugnis abge-legt (Jh 5,37). Schließlich das dritte Zeugnis, das der Heiligen Schrift: Ihr erforscht die Schriften ... gerade sie legen Zeugnis über Mich ab (Jh 5,39). Welches weitere Zeugnis ist für einen Menschen nötig, der auch nur über einen Hauch von Verstand verfügt? Doch der Geist der hebräischen Ältesten war in einem solchen Maß verfinstert, daß sie nicht sehen konnten und nichts verstanden. Als der Herr, der Menschenliebende, alles Nötige getan hatte, um die Ältesten der Hebräer zu retten, und als sie alle Zeugnisse über Ihn abgelehnt hatten (und dadurch auch ihre Rettung ablehnten), sprach Er zu ihnen: Wenn ich über Mich Selbst Zeugnis ablege, ist Mein Zeugnis nicht gültig.    
O meine Brüder, laßt uns nicht steinernen Herzens sein wie jene blinden Ältesten, und laßt uns nicht unsere einzige Rettung ablehnen. Laßt uns nicht nach irgendwelchen anderen Zeugen suchen, sondern das glauben, was der Herr über Sich Selbst spricht. Er sprach über Sich, daß Er die Wahrheit ist, und wir werden durch diese Wahrheit genährt und gerettet.
O Herr Jesus, Lebendige Wahrheit, Ewige Wahrheit, verlasse uns nicht, sondern erleuchte und rette uns. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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22.09.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).