21.09.2022

08.09.2022

Gedenken

8. September nach dem Kirchenkalender

Gedenken: Geburt der Allheiligen Gottesgebärerin; Fest der Ikone der Allheiligen Gottesmutter von Kališka; Fest der Ikone der Allheiligen Gottesmutter von Počaev; sowie hl. Arsenij, Abt von Konevic († 1447); hl. Sera-pion, Mönch des Spaso-Eleazar Klosters (Pskov, † 1480); hl. Lukian, Abt von Alexandrov († 1654); hl. Neumärt. Athanasios von Thessaloniki († 1774); hl. Bischof Sophronios von Achtalea in Georgien († 1803); hl. Neumärt. Alexander (Jakobson) von Rußland († 1930); König Ina von Wessex und Königin Ethelburga (8. Jh.).

1. Die Geburt der Allheiligen Gottesgebärerin. Als die Heilige Jungfrau geboren wurde, waren ihre Eltern, Joachim und Anna, schon in hohem Alter. Ihr Vater stammte aus Davids Linie, ihre Mutter aus der Linie Aarons. So war sie von väterlicher Seite her von königlicher Herkunft, und von ihrer mütterlichen Seite her aus priesterlichem Stamm. Darin war sie eine Vorabbildung Dessen, Der als König und Hoherpriester aus ihr geboren wurde. Ihre Eltern waren schon sehr alt und hatten keine Kinder. Deswegen waren sie vor den Menschen beschämt und demütig vor Gott. In ihrer Demut beteten sie zu Gott unter Tränen, daß Er ihnen Freude in ihrem hohen Alter schenken möge, indem Er ihnen ein Kind gewähre, wie Er einstmals Abraham und seiner Frau Sarah ebenfalls in hohem Alter Freude bereitet habe, indem Er ihnen Isaak schenkte. Der Allmächtige und Allsehende Gott belohnte sie mit einer Freude, die all ihre Erwartungen und ihre schönsten Träume übertraf. Denn Er gab ihnen nicht nur eine Tochter, sondern die Mutter Gottes. Er erleuchtete sie nicht nur mit einer irdischen Freude, sondern auch mit ewiger Freude. Gott gab ihnen nur eine Tochter, und diese gebar ihnen später nur einen Enkelsohn – doch was für eine Tochter und was für einen Enkelsohn! Maria, voll der Gnaden, gesegnet unter den Frauen, der Tempel des Heiligen Geistes, der Altar des Lebendigen Gottes, der Tisch des himmlischen Brotes, die Arche der Heiligkeit Gottes, der Baum der süßesten Frucht, die Ehre des Menschengeschlechts, das Lob der Weiblichkeit, der Quell der Jungfräulichkeit und Reinheit – dies war die Tochter, die  Gott Joachim und Anna gab. Sie wurde in Nazareth geboren und im Alter von drei Jahren in den Tempel von Jerusalem gebracht. Als junge Frau kehrte sie nach Nazareth zurück und kurz darauf hörte sie die Verkündigung des heiligen Erzengels Gabriel über die Geburt des Sohnes Gottes, des Erlösers der Welt, aus ihrem allerreinsten Leib.

2. Das Fest der Allheiligen Gottesmutter von Kališta. Im Kloster der Allheiligen Gottesgebärerin in der Nähe des Ortes Kališta, westlich von Struga in Makedonien, offenbarte die Allheilige Gottes-mutter ihre Kraft und Barmherzigkeit durch zahlreiche Wunder. Viele der Kranken wurden auf wundersame Weise geheilt, und Diebe, die das Kloster plündern oder entweihen wollten, wurden durch eine unsichtbare Kraft heftig bestraft. Es gibt dort eine wundertätige Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin; daneben gibt es zwei Quellen mit heilendem Wasser: die des hl. Peter und die des hl. Ananias. Die Kapelle des hl. Athanasios befindet sich nicht weit entfernt von der Hauptkirche in einer Höhle.

3. Das Fest der Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin von Počaev. In der Provinz Volhynien, in Počaev, liegt ein berühmtes Kloster der Allheiligen Gottesgebärerin. Die Allheilige Mutter Gottes erschien dort zum ersten Mal im Jahre 1340 einem Mönch, der sich zusammen mit einem anderen dort in einer Höhle in der Askese mühte. Von dieser Zeit an war der Ort ein unerschöpflicher Quell zahlreicher Wunder.

Lobeshymne

Die Geburt der Allheiligen Mutter Gottes

O höchst Ersehnte und lang Erwartete,
O Jungfrau, Du vom Herrn mit Tränen Erworbene!
Ein leiblicher Tempel des Allheiligen Geistes wirst Du sein,
Und Mutter des Ewigen Wortes.

Den Brennenden Dornbusch nannten sie Dich,
Denn Du sollst in Dir das göttliche Feuer empfangen:
Vom Feuer entflammt, doch nicht verzehrt,
Wirst Du die goldene Frucht tragen und der Welt darreichen.

Du wirst Jenen in Dir tragen, Der die Himmel trägt,
Dem alle Himmel Lobpreis darbringen!
Das Wunder der Wunder wird in Dir geschehen,
Denn den Himmel wirst Du, „geräumiger als die Himmel“, tragen.

Du bist uns kostbarer, o Jungfrau, als kostbare Edelsteine,
Denn Du bist die Quelle der Rettung für die Menschheit.
Dafür möge Dich das ganze Universum verherrlichen,
O Allerheiligste Jungfrau, o weiße Taube!

Der König des Himmels wünscht, die Welt zu betreten,
Und eintreten wird Er durch Dich, wundervolle Pforte!
O Jungfrau, zur Frau geworden, sollst Du Christus für uns tragen;
Aus Deinem Leib wird die Sonne aufleuchten.          

Betrachtung

Der hl. Dionysios der Areopagit schreibt über die unermeßliche Freude, das äußere und innere Leuchten und den unbeschreiblichen Duft, den er in der Gegenwart der Allheiligen Mutter Gottes wahrnahm, als er sie in Jerusalem besuchte. In seiner Begeisterung sagte er, wenn er nicht den Einen, Wahren Gott anerkennen würde, so würde er sie, die heilige Jungfrau Maria, als Gott anerkennen. Die Allheilige Jungfrau hinterließ solch einen starken und tiefen Eindruck schon während ihres irdischen Lebens, und sie empfing eine unvergleichlich größere Kraft nach ihrem leiblichen Tod, als sie nach dem Willen Gottes über die Scharen der Engel erhoben wurde. Ihre Kraft kommt aus ihrem unablässigen Gebet zu Gott für die Gläubigen, für alle, die sich an sie wenden, um Hilfe zu erhalten. Der hl. Johannes von Novgorod wußte, als er und sein Volk zu ihr beteten, um Hilfe gegen die feindliche Armee zu erhalten, daß sie in diesem Augenblick zu Gott mit Tränen für sie betete, und Novgorod wurde auf wundersame Weise gerettet. Wie sie während der Kreuzigung ihres Sohnes litt, so leidet sie mit allen Schwachen, die sich an sie um Hilfe wenden. Man kann sagen, daß die ganze Erde durch die Wunder ihres Erbarmens geschützt wird. Es lebt heutzutage in Belgrad der Betreiber eines Cafés, C. J., der im Dorf Labunište in der Nähe von Struga geboren wurde, der erblindet war und dessen Mutter ihn in das Kloster Kališto brachte. Dort hatte der Priester vor der Ikone der Allheiligen Mutter Gottes für ihn gebetet, und er hatte seine Sehkraft wiedererlangt. Der erste Mönch in Počaev sah eine flammende Säule, die sich von der Erde bis zum Himmel erstreckte, und auf dieser flammenden Säule sah er die Allheilige Mutter Gottes. Sie stand auf einem Felsen, und eine heilende Quelle entsprang an dieser Stelle, und bis heute spendet sie vielen Kranken Heilung.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über Gottes wundersame Gabe an Salomo (1 Kön 3):
1. Wie der Herr Salomo in Gibeon erschien und ihn fragte, was er sich wünsche;
2. Wie Salomo um ein „verständiges Herz“ bat, um das Volk zu richten und Gut und Böse zu unterscheiden;
3. Wie ihm Gott gab, was er suchte, und das, was er nicht suchte.

Homilie

Über die Gleichheit des Vaters und des Sohnes

Der Sohn kann nichts von Sich aus tun, sondern nur, wenn Er den Vater etwas tun sieht. (Jh 5,19)

Wie muß man diese Worte verstehen, meine Brüder? Wie sie einige Häretiker verstanden haben: daß der Sohn geringer und schwächer als der Vater wäre? Keineswegs. Der Mund, der die Worte des Herrn auf diese Weise deutet, spricht ehrlos. Wir müssen diese Worte verstehen, wie sie die Heiligen Väter verstanden haben: das heißt, der Sohn ist dem Vater in allen Dingen gleich, und Er kann aufgrund Seiner Gleichheit des Willens, der Liebe und der Weisheit nichts dem Willen, der Liebe oder Weisheit des Vaters Zuwiderlaufendes tun. Auch der Vater kann nichts im Gegensatz zum Sohn tun, noch der Heilige Geist etwas im Gegensatz zum Vater oder dem Sohn. Alles, was der Vater wünscht und will und denkt, wünschen, wollen und denken auch der Sohn und der Heilige Geist. Welche Harmonie ohne gleichen und ungeteilte Einheit, und welches unaussprechliche Wesen! Auf diese Weise wird klar, daß der Sohn weder irgend etwas von Sich aus tun kann oder will, außerhalb der Harmonie und der Einheit mit der Macht und dem Willen des Vaters. Daß dies die korrekte Interpretation ist, wird vom Herrn Selbst bezeugt in diesen weiteren Worten: Wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht der Sohn lebendig, wen Er will. Seht ihr die Gleichheit des Willens und der Macht? Das, was der Vater will, ist auch der Wille des Sohnes; das, was der Vater vollbringen kann, vermag auch der Sohn zu vollbringen. Gott kann nicht geteilt werden; und wer versucht, die Gottheit zu teilen, wobei er die eine Person verringert und die andere größer macht, bringt einen Fluch über sich und kann nicht gerettet werden.
O Allheilige Dreiheit, unser Gott, drei in den Personen und einer im Wesen, Leben, Licht und Liebe, schau auf uns und erbarme Dich unser. Amen.  

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21.09.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).