22.06.2022

09.06.2022

Gedenken

9. Juni nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Kyrillos, Erzbischof  von Alexandria († 444); hl. Kirill von Belozersk († 1429); sowie fünf hll. Märtt., in Persien enthauptete Nonnen: Thekla, Mariamne, Martha, Maria und Enmatha († 346); hl. Johannes v. Shavtel-Gaenati, Georgien (13. Jh.); hl. Alexander, Abt v. Kušta (Vologda) († 1439); hl. Kirill v. Vel’sk od. Važesk (Vologda) (15. Jh.); hl. Alexij Mečev, Priester in Moskau († 1922); hl. Hieromärt. Alexander v. Prusa; hll. Märtt. Orest, Diomid u. Rhodon; hl. Kyros; drei jungfr. Märtt. auf Chios; hl. Kolumba von Iona († 597); hl. Baithene v. Tiree († 600).

1. Der hl. Kyrillos, Erzbischof v. Alexandria. Kyrillos war von adliger Geburt und ein naher Verwandter von Theophilos, dem Patriarchen von Alexandria, nach dessen Tod er zum Patriarchen geweiht wurde. Im Lauf seines Lebens führte er drei bittere Kämpfe: mit den novatianischen Häretikern, dem Häretiker Nestorios und mit den Hebräern in Alexandria. Die Novatianer hatten ihren Ursprung in Rom und waren nach dem Priester Novatian benannt, dem Anführer der Häresie. Sie waren stolz auf ihre Tugenden, gingen in weißen Gewändern gekleidet umher, verboten eine zweite Ehe, waren der Auffassung, daß man für jemanden, der eine Todsünde begangen hat, nicht beten solle und auch jene nicht in die Kirche wiederaufnehmen sollte, die von der Kirche abgefallen waren, auch wenn sie bitter bereuten. Kyrillos besiegte sie und verwies sie zusammen mit ihrem Bischof aus Alexandria. Der Kampf mit den Hebräern war schwieriger und blutiger. Da Alexander der Große diese Stadt gegründet hatte, wurden die Hebräer von Anfang an sehr stark in Alexandria. Sie hatten einen bösartigen und wahnsinnigen Haß auf die Christen. Sie töteten Christen durch Verrat, Vergiften und Kreuzigen. Nach einem langen und schwierigen Kampf gelang es Kyrillos zusammen mit Kaiser Theodosios dem Jüngeren, die Hebräer aus Alexandria zu vertreiben. Sein Kampf gegen Nestorios jedoch, den Patriarchen von Konstantinopel, wurde auf dem Dritten Ökumenischen Konzil [Ephesos 431 A.D.] gelöst. Kyrillos selbst hatte den Vorsitz auf dem Konzil inne, während Cölestin den Papst von Rom auf dessen Bitte hin vertrat, da der Papst aufgrund seines hohen Alters nicht am Konzil teilnehmen konnte. Nestorios wurde verurteilt, anathematisiert und vom Kaiser an die östlichen Grenzen des Reiches verbannt, wo er eines schrecklichen Todes starb (Würmer fraßen seine Zunge auf, durch die er die Allheilige Gottesgebärerin gelästert hatte, indem er sie Christusgebärerin nannte). Nach Beendigung dieses Kampfes lebte Kyrillos in Frieden und sorgte voller Eifer für Christi Herde. Er trat vor den Herrn im Jahr 444. Es heißt, daß er das Gebet verfaßt hat: „Gottesgebärerin Jungfrau, freue Dich!“

2. Der gottgeweihte Kirill vom weißen See (Belozersk). Kirill wurde in Moskau in einer aristokratischen Familie geboren und erzogen. Er wurde zum Mönch geweiht im Simonov-Kloster, wo er zum Erstaunen der anderen Mönche ein streng asketisches Leben führte. Um seine Tugenden zu verbergen, gab er vor, wahnsinnig zu sein. Er sprach persönlich mit dem hl. Sergij von Radonež und erhielt von ihm viele nützliche Unterweisungen. Gegen seinen Wunsch wurde er zum Abt des Simonov-Klosters geweiht. Er betete ständig zur Allheiligsten Gottesgebärerin, ihm den Weg zu zeigen, bei dem er in Stille sein asketisches Leben führen könnte. Eines Nachts sah er ein großes Licht und hörte eine Stimme: „Kirill, geh fort von hier und geh zum Weißen See!“ Und tatsächlich verließ er das Simonov-Kloster mit einem Begleiter und ging in die Umgebung des Weißen Sees. Dort, im dichten Pinienwald, begann er von neuem sein asketisches Leben. Im Lauf der Zeit wurde der Wald in ein großes Kloster verwandelt. Der hl. Kirill empfing vom Herrn die Gabe der Wundertätigkeit im reichen Maß, heilte die Kranken und wirkte viele andere Wunder. Er entschlief im Jahr 1429 in seinem neunzigsten Jahr und nahm Wohnung beim Herrn, Den er sein ganzes Leben lang innig geliebt hatte.

Lobeshymne

Der hl. Kyrillos von Alexandria

Der heilige Kyrillos, unerschütterlich
In seinem Glauben, versetzt die Welt in Erstaunen.
Mit dem ehrwürdigen Kreuz wappnete sich der Held
Gegen die Feinde der Kirche,
Gegen die Hebräer, die Erzfeinde des Kreuzes,
Und griff die Novatianer an,
Die auf sich selbst stolz waren,
Der Barmherzigkeit aber Grenzen setzten,
Sünder verdammten noch vor dem Gericht,
Und verleugneten Wunder durch Gottes Kraft.
Doch das Größte gelang Kyrillos,
Als er aufstand gegen Nestorios,
Den Zerstörer des orthodoxen Glaubens,
Den Lästerer der Mutter Gottes.
Sie selbst, die Gottesmutter, half Kyrillos,
So überwand er jede dämonische Kraft,
Reinigte die Heilige Kirche von der Spreu,
Und mit Hilfe der jungfräulichen Mutter Gottes
War Kyrillos der Ritter der Rechtgläubigkeit.
Deshalb verherrlicht die Kirche Kyrillos
Und betet zu ihm ohne Unterlaß
Uns vor dämonischen Anschlägen zu schützen.
O Kyrillos, Stern unter den Sternen,
Durch Deine Gebete – hilf uns.

Betrachtung

Wir sündigen, wenn wir meinen, daß wir es unseren Verwandten schuldig seien, jene auch zu hassen, die sie hassen. Solch ein Haß wird auf uns wie eine Erbkrankheit übertragen. Wie wir die Liebe unserer Verwandten übernehmen, so geht auch ihr Haß auf uns über. Sogar große Riesen des Geistes waren manchmal dieser Schwäche ausgesetzt. Patriarch Theophilos konnte den hl. Johannes Chrysostomos nicht ertragen und blieb sein erbittertster Gegner bis zum Ende seiner Tage. Der hl. Kyrillos, sein Verwandter und Erbe auf dem Thron von Alexandria, erbte seinen Haß gegenüber dem hl. Johannes und hegte ihn lange Zeit. Der hl. Isidor von Pelusium ermahnte ihn vergeblich, seinen Sinn über Chrysostomos zu ändern und ihn in die Diptychen der Heiligen einzuschreiben, doch Kyrillos konnte sein böses Blut nicht überwinden. Dann erschien ihm die heilige Mutter Gottes, für deren Ehre und Verherrlichung der hl. Kyrillos so kraftvoll gegen Nestorios gekämpft hatte, in einer Vision, umgeben von Engeln und begleitet vom hl. Johannes Chrysostomos in großer Herrlich-keit. Die Allheilige und Allerreinste bat den hl. Johannes, Kyrillos zu vergeben und ihn zu umarmen. Diese Vision warf Kyrillos’ Haltung gegenüber Chrysostomos völlig um, und er bereute mit Scham, daß er ihn so gehaßt hatte. Danach tat er für den Rest seines Lebens sein Möglichstes, um ihn als großen Heiligen Gottes zu verherrlichen.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die wundervolle Heilung des stummen Mannes, der von einem Dämon besessen war (Mt 9,32):
1. Wie der Herr den Dämon aus ihm austrieb und der Stumme zu sprechen begann;
2. Wie der Teufel mit all seiner Macht danach strebt, meine Seele stumm zu machen und mich daran zu hindern, Gott zu verherrlichen;
3. Wie der Herr den bösen Geist aus mir austreiben kann, wenn ich dies wünsche, und mich zu einer Harfe für den Lobpreis Gottes machen kann.

Homilie

Über jene, die den Tod lieben

Alle, die Mich hassen, lieben den Tod.
(Sprichwörter 8,36)

So spricht der Herr, der Schöpfer des Himmels und der Erde durch Seinen Propheten. Wer die Weisheit Gottes haßt, haßt Gott, und wer Gott haßt, was kann er sonst noch lieben außer den Tod? Ist nicht alles außerhalb des Herrn Tod? Die Sonne und die Sterne, das Meer und die Berge, die Tiere und Pflanzen – was sind sie alle anderes als toter Staub, geformt und lebendig gemacht durch die Kraft Gottes, das Wort Gottes und die Weisheit Gottes? Wer Gott nicht liebt, liebt nicht nur Ihn nicht, sondern liebt nichts, das von Gott ist; weder die Schönheit der Sterne, noch die Ordnungen der Meere und Berge, noch die Lebenskraft, die in den Tieren und Pflanzen ist. Wer Gott nicht liebt, entfernt und beseitigt Gott aus der Natur. Was bleibt dann? Nur toter, formloser, dunkler Staub – nur Tod. Doch sogar der Staub ist von Gott geschaffen, und ein Mensch, der Gott haßt, muß sogar diesen Staub Gott zurückgeben, und was dann noch übrigbleibt, das kann er lieben. Und was bleibt übrig? Nur das, was nichts mit Gott zu tun hat – Tod, Sünde und der Teufel. Jeder Mensch, der Gott haßt, ist ein Spielzeug des Teufels, die Frucht der Sünde und ein Unterpfand des Todes.
Wenn wir Dich hassen, o Gott der Liebe, haben wir keinen und nichts zu lieben, denn alles, was wir auf Erden lieben, lieben wir um Deinetwillen, und die Fähigkeit zu lieben ist Deine Gabe. Ein Narr ist, wer die Sonnenstrahlen liebt und die Sonne haßt; der einen Schluck Wasser liebt und die Quelle haßt, aus der er stammt. Entflamme uns mit der lebenschaffenden Liebe zu Dir, Du unser all-liebender Herr. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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22.06.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).