21.06.2022

08.06.2022

Gedenken

8. Juni nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Ephrem, Patriarch von Antiochia († 540); hl. Zosima von Phönizien (Syrien) († 6. Jh.); hl. Großmärtyrer Theodor Stratilates; sowie hll. Märtt. Nikander und Markian in Dorostulum in Moesia († 303); hl. Atres v. Nitrien in Ägypten; hl. Medardus, Bischof (Niederlande)  († 560); hl. Pavlos der Bekenner von Kaiuma in Konstantinopel († 766); hl. Naukratios, Abt v. Nitrien in Ägypten; hl. Naukratios, Abt v. Studion († 838); hl. Feodor, Bischof v. Rostov und Suzdal († 1023); Auffindung der Reliquien (1501) d. hll. Vasilij († 1249) u. Konstantin († 1257), Fürsten v. Jaroslavl’; hl. Feofil v. Luga und Omuc († 1412), Schüler d. hl. Arsenij v. Valaam; hl. Neumärt. Theophanes in Konstantinopel († 1559); hl. Hieromärt. Theodor v. Quelta, Georgien († 1609); hl. Hieroneumärt. Erzb. Varlaam († 1942) u. s. Bruder Bischof German (Riašentsev) († 1937); Synaxis d. Kirche des Kreuzes in Mts’chet, Georgien; hl. Melania die Ältere.

1. Der hl. Ephrem, Patriarch von Antiochia. Unter dem byzantinischen Kaiser Anastasios war Ephrem der Befehlshaber der östlichen Regionen. Er war für seine große Frömmigkeit und Freige-bigkeit bekannt und deswegen hoch geachtet. Ephrem erfüllte seine Pflicht mit Eifer und Liebe. Unter den gewöhnlichen Maurern befand sich ein Bischof, der aus unbekannten Gründen seinen Bischofssitz verlassen hatte und als gewöhnlicher Arbeiter arbeitete, wobei keiner wußte, daß es sich um einen Bischof handelte. Eines Tages legte sich dieser mit den anderen Arbeitern zur Ruhe, um sich von der ermüdenden Arbeit zu erholen, und schlief ein. Der Befehlshaber Ephrem schaute auf ihn und sah eine feurige Säule von diesem Mann bis in den Himmel aufsteigen. Erstaunt und von Furcht erfüllt, ließ Ephrem diesen Mann zu sich kommen und beschwor ihn, zu sagen, wer er sei. Der Mann zögerte, doch schließlich gab er kund, er sei ein Bischof. Er prophezeite Ephrem, daß dieser bald für den Thron des Patriarchen von Antiochia geweiht werden würde, der frei geworden war, da der betagte Patriarch Euphrasios bei einem Erdbeben umgekommen war. In der Tat wurde Ephrem gewählt und zum Bischof geweiht. Aufgrund seiner Güte, Reinheit und seines Eifers für die Orthodoxie verlieh ihm Gott die Gabe der Wundertätigkeit. Als er einmal einen Häretiker von der Wahrheit der Orthodoxie überzeugen wollte, legte er sein Omophor ins Feuer und betete zu Gott. Sein Omophor blieb drei Stunden im Feuer, ohne Schaden zu nehmen. Als der Häretiker dies sah, war er erstaunt und verwarf seine Häresie. Der hl. Ephrem entschlief in Frieden im Jahr 540 und nahm Wohnung im Reich Gottes.

2. Der gottgeweihte Zosima von Phönizien wurde in der Ortschaft Synda geboren im Hinterland der Stadt Tyr. Dort widmete er sich dem asketischen Leben in seinem Kloster. Da sein Gewissen von keiner Wolke beschattet wurde, konnte er hellsichtig Fernes erkennen und wissen, was in der Welt geschah. Auf diese Weise sah er die Zerstörung von Antiochia durch ein Erdbeben voraus und schaute sie im Geist, und warf sich bitter weinend auf den Boden und betete zu Gott, daß diese Stadt nicht völlig der Zerstörung anheimfallen möchte. Einmal geschah es, daß auf der Straße ein Löwe seinen Esel tötete und verschlang. Der Heilige befahl dem Löwen, ihm anstelle des Esels zu dienen und seine Last zu tragen. Der Löwe erwies sich sanft wie ein Lamm vor dem Heiligen, nahm die Last an und trug sie bis zum Tor von Cäsarea, wo ihn Zosima in die Freiheit entließ. Der hl. Zosima entschlief im Frieden im sechsten Jahrhundert.

3. Der hl. Großmärtyrer Theodor Stratilates. Dieser Heilige wird am 8. Februar kommemoriert, und an diesem Tag wird sein Leben geschildert. Am 8. Juni jedoch wird der Überführung seiner Reliquien von Heraklion nach Euchaita gedacht. Vor seinem Martyrium hinterließ der hl. Theodor Varus, seinem Diener, in seinem Testament folgende Anweisungen: „Begrab meinen Leib in Euchaita, auf dem Anwesen meiner Vorfahren.“ Der hl. Anastasios von Sinai schrieb über das Wunder der Ikone des hl. Theodor: In der Stadt Karsat bei Damaskus gab es eine Kirche, die dem hl. Theodor Stratilates geweiht war. Als die Sarazenen Damaskus eroberten, ließ sich eine Gruppe von Sarazenen in dieser Kirche mit ihren Frauen und Kindern nieder. Es gab dort an der Wand ein Fresko mit dem Bild des hl. Theodor. Einer der Sarazenen schoß auf das Bild einen Pfeil ab, der das Gesicht des Heiligen traf. Sogleich floß Blut aus dem Bild. Kurz darauf starb die ganze Gruppe der Sarazenen in der Kirche. Der hl. Anastasios sagte, er sei persönlich in der Kirche gewesen, habe das Bild des Heiligen an der Wand und Spuren von geronnenem Blut gesehen.


Lobeshymne

Der hl. Ephrem

Der heilige Ephrem, randvoll mit Frömmigkeit,
War ein Kämpfer gegen Übeltäter,
Gegen sündige Häresien und Dummheit,
Doch für die Kirche, die Christus erwarb
Durch das Blut, am Kreuz vergossen,
Durch das Blut auf ewig verherrlicht.
Ephrem hütet die Herde vor Wölfen,
Doch das Spinnennetz zerstört er.
Heiliger Ephrem, Auserwählter Gottes,
War in Antiochia ein Licht.
Die Kirche erwies sich durch seinen Mund,
Wie in der Zeit des glorreichen Chrysostomos.
Gott verherrlicht, die Ihn verherrlichen,
Durch wundersam heilende Kraft.
Ephrem, der Stern in der glorreichen Vergangenheit,
Ephrem, der Ruhm der Orthodoxen Kirche.

Betrachtung

Furcht im Leiden und Furcht davor, nicht zu leiden – dies ist ein und dieselbe Furcht; es ist die Furcht eines geistlichen Menschen davor, daß Gott ihn verlassen könnte. Als die hl. Katharina viele schreckliche Foltern durchlitt, erschien ihr der Herr, und sie fragte Ihn: „Wo warst Du, Herr, bis jetzt, um mich in meinen großen Leiden zu trösten?“ Der Herr antwortete ihr: „Ich war hier, in deinem Herzen.“ Doch eine genauso große Furcht kann über einen geistlichen Menschen kommen, wenn ihm längere Zeit keine Leiden widerfahren. Ein Mönch kam zu einer Kirche in Alexandria und sah eine Frau vor einer Ikone des Erlösers knien. Sie weinte und rief zu Gott: „Du hast mich verlassen, o Herr; erbarme Dich meiner, o Barmherziger.“ Als sie ihr Gebet beendet hatte, fragte der Mönch die Frau: „Wer hat dir Böses angetan, so daß du so bitterlich zu Gott klagst?“ Die Frau antwortete: „Bis jetzt hat mir keiner etwas Böses angetan, und genau deshalb weine ich, denn Gott hat mich verlassen und mich seit drei Jahren mit keinerlei Leiden heimgesucht. Während dieser Zeit sind weder ich noch mein Sohn krank gewesen, noch hat mein Vieh oder mein Geflügel irgendeinen Schaden erlitten.“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die wundersame Heilung der beiden blinden Männer (Mt  9,27):
1. Wie die blinden Männer zum Herrn schrien, Er möge ihnen die Augen öffnen;
2. Wie der Herr ihre Augen berührte und ihnen gemäß ihrem Glauben tat und sie sahen;
3. Wie der Herr meine blinde Seele berühren und mein geistiges Sehvermögen wiederherstellen kann, wenn ich zu Ihm mit Glauben rufe.

Homilie

Über den König der Könige

Durch Mich regieren die Könige und entscheiden die Machthaber, wie es Recht ist;
 durch Mich versehen die Herrscher ihr Amt, die Vornehmen und alle Verwalter des Rechts.
(Sprichwörter 8, 15-16)

Kein König möge denken, er herrsche durch seine eigene Macht und Weisheit, denn er wird des Spotts durch Schwache und Törichte ausgesetzt sein. Möge kein Herrscher denken, er schaffe Gerechtigkeit unter den Menschen durch seine eigene Intelligenz und seinen eigenen Willen; möge er so etwas Törichtes nicht denken, das sogar Kinder absurd finden. Mögen Fürsten und Volksführer nicht denken, sie würden auf irgendeine andere Weise ihre Macht ausüben als durch Gottes Macht und Barmherzigkeit, denn sie werden schweren Schaden auf dem Eis erleiden, wenn sie ausgleiten – sie und all jene, die Gott vergessen.
„Ich liebe jene, die Mich lieben“, sagt der Herr. Dies spricht der Herr an erster Stelle zu Königen, Fürsten und Richtern; wenn diese den Herrn lieben, sind sie auch Ihm sehr lieb. Wenn sie den Herrn lieben, lieben sie sowohl Ihn als auch die Nationen, die sie regieren und richten. Und wenn die Nationen den Herrn lieben, werden sie auch ihre Könige und Fürsten und Richter lieben.
In dem Maß, in dem ein Mensch über das Volk in Macht und Ehre erhoben ist, in demselben Maß muß er Gott näher stehen als das Volk, über das er erhoben ist.
O meine Brüder, der Herr wurde für uns gekreuzigt und zeigte uns dadurch Seine Liebe zu uns. Wer für uns gekreuzigt wurde, muß uns tatsächlich mehr lieben als jener, der sich mit uns an der Tafel vergnügt. Und wenn wir schon so viel Liebe für unsere Freunde haben, die an der Tafel mit uns sind, wie können wir Ihn nicht lieben, der aus Liebe zu uns ans Kreuz geschlagen wurde?
O Gesegneter Herr, öffne uns unsere geistigen Augen, damit wir die unermeßlichen Tiefen Deiner Liebe sehen und mit Liebe zu Dir entzündet werden mögen. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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21.06.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).