16.10.2021

03.10.2021

Gedenken

3. Oktober nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Hieromärtyrer Dionysios der Areopagit († 96) und mit ihm die hll. Märtt. Rustikus und Eleutherios; hl. Johannes der Chozebit, Bischof von Cäsarea in Palästina († 532); hl. Dionisij vom Kiever Höhlenkloster (15. Jh.); hl. Hesychios der Chorebit (6. Jh.); sowie hll. Märtt. Theoktistos, Theoteknos und Theogenes; hl. Hieromärt. Dionysios von Alexandria und seine Jünger Faustus, Gaius, Euseb und Chaeremon, Diakone; hl. Hieroneumärt. Agafangel (Preobraženskij), Metropolit von Jaroslavl’ und Rostov († 1928); hl. Hieronymos von Ägina († 1966).

1. Der hl. Hieromärtyrer Dionysios der Areopagit wird unter die Siebzig kleinen Apostel gezählt. Dieser göttliche Mensch war der Sproß einer berühmten heidnischen Familie in Athen. Nachdem er die Schule der Philosophie in Athen abgeschlossen hatte, ging er nach Ägypten, um dort weiterzustudieren. Als sich bei der Kreuzigung Christi die Sonne verfinsterte und in Ägypten eine dreistündige Finsternis herrschte, rief Dionysios aus: „Entweder leidet Gott, der Schöpfer der Welt, oder es ist das Ende der Welt gekommen.“ Nach seiner Rückkehr nach Athen heiratete er eine Frau namens Damaris, die ihm Söhne gebar. Er wurde ein Mitglied der obersten Regierungsbehörde der Griechen, des Areopags. Daher ist er unter dem Namen „Areopagit“ bekannt. Als der Apostel Paulus das Evangelium in Athen verkündete, wurde Dionysios zusammen mit seinem ganzen Haus getauft. Paulus weihte ihn zum Bischof von Athen. Er verließ um Christi willen Frau und Kinder und seine Position. Er reiste lange Zeit zusammen mit Paulus und traf alle anderen Apostel Christi. Er reiste nach Jerusalem, insbesondere, um die Allerheiligste Gottesgebärerin zu sehen und beschrieb seine Begegnung mit ihr in einer seiner Schriften. Er war beim Begräbnis der Allerreinsten zugegen. Als sein Lehrer, der hl. Paulus, das Martyrium erlitt, wünschte Dionysios auch für sich einen solchen Tod. Daher ging er zusammen mit seinem Priester Rustikus und seinem Diakon Eleutherios nach Gallien, um das Evangelium unter den Barbaren zu verkünden. Groß waren seine Leiden, doch er erreichte auch viel. Durch seine Mühen wurden viele Heiden zum christlichen Glauben bekehrt. Dionysios baute eine kleine Kirche in Paris, wo er die Gottesdienste zelebrierte. Als er neunzig Jahre alt war, wurden er, Rustikus und Eleutherios ergriffen und um Christi willen gefoltert; alle drei wurden schließlich enthauptet. Der abgetrennte Kopf des hl. Dionysios rollte weit bis zu den Füßen einer Christin namens Katula, die ihn ehrwürdig zusammen mit seinem Leib begrub. Dionysios erlitt das Martyrium während der Herrschaft des Kaisers Domitian im Jahre 96. Er schrieb berühmte Werke über die Namen Gottes, über die himmlische und die kirchliche Hierarchie, über die mystische Theologie, über die Allheilige Gottesgebärerin.*

2. Der gottgeweihte Johannes der Chozebit war Ägypter. Er führte ein asketisches Leben in der Gemeinschaft von Chozeba während der Zeit der Herrschaft des Kaisers Justinian. Immer wenn er die Liturgie zelebrierte, nahm er ein himmlisches Leuchten im Altarraum wahr. Ananias, ein Altvater, widmete sich nicht weit von ihm entfernt der Askese. Wunderbar war die Demut dieser beiden Heiligen. Ein Mann brachte seinen von einem Dämon besessenen Sohn zu Altvater Ananias, daß dieser ihn heile. Ananias schickte ihn zum hl. Johannes, da dieser größer sei als er selbst. Johannes konnte nicht anders, als dem Altvater zu gehorchen, doch er rief aus: „Im Namen Jesu Christi – es ist Ananias, nicht ich, der dir befiehlt, aus diesem Jüngling auszufahren!“ Und der junge Mann war sofort geheilt.

3. Der gottgeweihte Dionisij vom Kiever Höhlenkloster war Priestermönch und Klausner. Folgendes widerfuhr ihm beim Fest der Auferstehung im Jahre 1463. Mit einem Kreuz und einem Weihrauchfaß besuchte Dionisij die Höhlen, um die Reliquien und Gräber der Heiligen, die dort ruhten, zu beräuchern. Erfüllt von der Freude der Auferstehung rief er, als er zu den Höhlen gelangte: „Heilige Väter und Brüder: Christus ist auferstanden!“ Und eine Stimme kam aus den Gräbern, mächtig wie Donner: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

4. Der hl. Hesychios der Chorebit war zuerst nachlässig gegenüber der Rettung seiner Seele; dann wurde er schwer krank und starb. Doch er kam von den Toten zurück und genas. Dies veränderte ihn völlig. Er schloß sich in einem Kellion [Einsiedlerhütte] des Heiligen Berges ein und sprach zwölf Jahre lang mit niemandem. Vor seinem Tod öffneten die Mönche sein Kellion und baten ihn, ihnen eine Unterweisung zu geben. Er sagte nur: „Wer den Tod betrachtet, kann nicht sündigen.“ Nach Hesychios sind die sogenannten Hesychasten benannt, die die Stille, göttliche Betrachtung und das innere Gebet als die Hauptaufgaben des wahren Mönches ansehen. Auch der hl. Gregor der Theologe habe während der Fastenzeiten hesychastisch gelebt, heißt es. Der hl. Hesychios lebte im 6. Jahrhundert.

Lobeshymne

Der heilige Hieromärtyrer Dionysios der Areopagit

Dionysios, ruhmreicher Heiliger,
Wunderbarer Theologe und lichtvoller Schriftgelehrter!
Den Geist, in seinem Herzen gesammelt, richtete er auf Gott.
Er bezeugte himmlische Mysterien und offenbarte sie uns.
Er schaute die Herrlichkeit der himmlischen Scharen
Und beschrieb die Hierarchie des Himmels:
Fürstentümer, Herrschaften, Mächte, Gewalten,
Wunderbare Throne, Seraphim,
Cherubim und Erzengel,
Golden beschwingte Engel Gottes,
Und die Mutter Gottes. –
Alles erschaute er mit Furcht,
Und auch das, was über dem Staub der Erde leuchtet:
Himmlische Mächte von unendlicher Stärke,
Unsterbliche Sonnen und funkelnde Sterne.
All dessen wurde er Zeuge, verbarg es nicht,
Sondern teilte es der Kirche mit.
So schmückte und bereicherte er die Kirche,
Und was er vollbrachte, wurde vergoldet
Durch seinen blutigen Tod für Christus.
Jetzt leuchtet er im Himmel;
Und die Scharen der Engel, lodernd in Gottes Herrlichkeit
Nennen Dionysios: Bruder.

Betrachtung

Eine Vision des hl. Andreas, des Narren um Christi willen: Der hl. Andreas ging eines Tages durch die Straßen von Konstantinopel und sah eine große und prunkvolle Beerdigung. Ein reicher Mann war gestorben, und es fand eine prächtige Trauerprozession statt. Doch als Andreas genauer hinschaute, sah er eine Schar schwarzer Gestalten, die fröhlich den Leichnam umtanzten. Die eine Gestalt grinste wie eine Dirne, eine andere bellte wie ein Hund, eine dritte grunzte wie ein Schwein, eine vierte goß irgend etwas Schmutziges über den Leichnam. Und sie verspotteten die Sänger und riefen: „Ihr singt über einem Hund!“ Andreas fragte sich erstaunt, was dieser Mann wohl getan habe. Als er sich umwandte, sah er einen herrlichen Jüngling hinter einer Mauer stehen und weinen. „Um des Gottes des Himmels und der Erde willen, sage mir den Grund für deine Tränen“, sagte Andreas. Der Jüngling teilte ihm mit, daß er der Schutzengel des toten Mannes gewesen sei, doch daß der Mann durch seine Sünden Gott sehr gekränkt habe, indem er den Rat des Engels mißachtet und sich völlig den schwarzen Dämonen übergeben habe. Und der Engel sagte, daß dieser Mann ein großer und reueloser Sünder gewesen sei: ein Lügner, ein Menschenhasser, ein Geizhals, ein Meineidiger und Wüstling. Dreihundert Menschenseelen habe er durch Unzucht besudelt. Vergeblich sei er vom Kaiser geehrt und vom Volk geachtet worden. Vergeblich sei sein großes Begräbnis. Der Tod habe ihn erfaßt, ohne daß er bereut habe, und die Zeit der Ernte sei ohne Vorwarnung gekommen.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die wundersame Befreiung Jerusalems von den Assyrern (2 Chr 32):
1. Wie Sanherib mit seiner mächtigen Armee einfiel und die Mauern Jerusalems einriß und den Gott Israels lästerte;
2. Wie Hiskija mit dem Propheten Jesaja inbrünstig zu Gott um Rettung betete;
3. Wie ein Engel 185.000 Assyrer in der Nacht erschlug, Sanherib von seinen Söhnen getötet und Jerusalem gerettet wurde.

Homilie

Über die Furcht Gottes und die Freude in Gott

Dient dem Herrn in Furcht,
und jubelt Ihm zu in Zittern.
(Ps 2,11)

Der Prophet Gottes spricht diese Worte zu den Königen und Richtern der Welt, denn diese sind infolge der ihnen verliehenen Macht und des Reichtums dem Hochmut und der Zügellosigkeit zugeneigt. O ihr Könige und Richter, Staubhaufen unter dem Fuß Gottes, Tagelöhner für einen Tag! Woran denkt der Tagelöhner, der den ganzen Tag lang in den Steinen hackt? An den Lohn, der ihm am Abend gegeben wird. Worauf ist der Tagelöhner stolz? Nicht auf seine Mühen, sondern auf seinen Lohn. Worauf freut sich der Tagelöhner? Über seine Mühen und seinen Schweiß oder über seinen Lohn? Über seinen Lohn natürlich. Und euer Dienst, ihr Könige und Richter, ist wie der eines Tagelöhners auf den Feldern dieser Welt. Daher dient eurem König, der euch angestellt hat, mit Furcht, denn ihr wißt nicht, wie der Herr am Ende euren Dienst bewerten und wie euer Lohn sein wird. Dient mit großer Demut und sprecht zu euch selbst: Unnütze Knechte sind wir. Es ist ungewiß, ob ihr Belohnung oder Strafe empfangen werdet, wenn ihr hinunter ins Grab geht und vor den König und Richter tretet. Daher muß Furcht euren Dienst an all euren Tagen erfüllen.
Jubelt Ihm zu in Zittern. Freut euch mit einer reinen und heiligen Freude, wie sich die Engel an dem Lebendigen und unfaßbaren Gott freuen. Die Freude des Paradieses duftet in Reinheit und Heiligkeit; doch die böse Freude der Unterwelt wird von zügellosem Lachen begleitet. Daher ist die Freude des Paradieses beständig, während sich das Gelächter der Unterwelt in die Wut und das Heulen des Jammers verwandelt.
Dient mit Furcht, denn der Herr ist gerecht; freut euch mit Zittern, denn der Herr ist erhaben und heilig. O Herr, unser Gott, gerecht und erhaben, furchtbar und heilig, unser ganzes Leben auf der Erde ist ein Dienst für Dich und eine Freude in Dir. Wenn wir Dir nicht dienen, dienen wir unserer eigenen Zerstörung; und wenn wir uns an Dir nicht freuen, dann freuen wir uns über unsere eigenen dunklen Taten. Wir beten Dich an und wir beten zu Dir: Hilf uns, unseren Dienst zu erfüllen in Deiner Furcht, und reinige unsere Freude durch das Zittern vor Dir. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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16.10.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).