12.10.2021

29.09.2021

Gedenken

29. September nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Kyriakos der Einsiedler († 557); hll. Märtt. Dadas und Gobdelas (4. Jh.) u. Kasdoa v. Persien; hl. Theophanes der Barmherzige; hl. Maria von Palästina; sowie hl. Märt. Gudela v. Persien (4. Jh.); 80 hll. Märtt. v. Byzanz (4. Jh.); hl. Kiprian, Abt v. Ustjug (Vologda) († 1276); hl. Märt. Mönch Malachias v. Rhodes († 1500); hl. Onuphrios d. Wundertäter v. Garesja, Georgien (18. Jh.); hl. Hieroneumärt. Ioann (Pommer), Erzbischof v. Riga in Litauen († 1934); hll. Märtt. Triphon, Trophimos u. Dorimedontes sowie 150 Märtt. in Palästina; Überführung d. Gebeine d. hl. Neophytos des Einsiedlers von Zypern († 1214); hl. Märt. Petronia; hl. Auxentios der Wundertäter.

1. Der gottgeweihte Kyriakos der Einsiedler wurde in Korinth geboren. Seine Eltern hießen Johannes und Eudoxia. Sein Vater Johannes war Presbyter, und Petrus, der Bischof von Korinth, war sein Verwandter. Der Bischof weihte Kyriakos in noch jugendlichem Alter zum Lektor in der Kathedralkirche. Beim Lesen der Heiligen Schrift staunte der junge Kyriakos über Gottes Vorsehung: Wie Gott all Seine wahren Diener verherrlicht und die Rettung des Menschengeschlechts eingeri-chtet hat. Im Alter von achtzehn Jahren führte ihn seine Sehnsucht nach dem geistlichen Leben nach Jerusalem. Dort trat er ein in das Kloster eines gottgemäßen Mannes namens Eustorgios, der ihm die erste Unterweisung im mönchischen Leben gab. Danach ging er zum hl. Euthymios, der voraussah, daß aus ihm ein großer geistlicher Vater würde. Er kleidete ihn in das S’chima und sandte ihn zum hl. Gerasimos an den Jordan, wo Kyriakos neun Jahre verbrachte. Nach dem Tod des hl. Gerasimos kehrte er in das Kloster des hl. Euthymios zurück, wo er zehn Jahre lang in der Stille verblieb. Auf der Flucht vor Menschenruhm zog er dann von Ort zu Ort. Schließlich führte er ein asketisches Leben in der Gemeinschaft des hl. Chariton, wo er seinen irdischen Aufenthalt im Alter von 109 Jahren beendete. Kyriakos, der gefeierte Asket und Wundertäter, war von stattlicher Statur und verfügte über große Körperkraft, und so blieb er auch im hohen Alter, trotz des strengen Fastens und der Nachtwachen. In der Wüste aß er manchmal jahrelang nur rohe Pflanzen. Er war voller Eifer für den orthodoxen Glauben, verurteilte alle Häresien, besonders die des Origenes. Er sagte über sich, seit er Mönch geworden war, habe die Sonne ihn nicht essen oder zornig über irgend jemanden gesehen. Gemäß der Regel des hl. Chariton aßen die Mönche nur einmal am Tag nach Sonnen-untergang. Kyriakos war ein großes Licht, eine Säule der Orthodoxie, die Zierde der Mönche, ein machtvoller Heiler der Kranken, ein zartfühlender Tröster der Bekümmerten. Nachdem er zum Nutzen vieler gelebt hatte, nahm er Wohnung in der ewigen Freude des Herrn im Jahr 557.  

2. Die hll. Märtyrer Dadas und Gobdelas. Dadas war ein persischer Adliger und ein Verwandter von König Sapor, und Gobdelas war Sapors Sohn. Als der hl. Dadas seinen Glauben an Christus öffentlich bekannte, befahl König Sapor, ihn grausam zu martern. Während dieser Martern voll-brachte Dadas große Wunder im Namen Christi, und diese beeinflußten Gobdelas so sehr, daß auch er an Christus glaubte. Der heidnische König verschonte nicht einmal seinen eigenen Sohn, sondern unterwarf ihn ebenfalls schweren Martern. Sowohl Dadas als auch Gobdelas verherrlichten Gott mit ihrer Geduld und vielen Wundern und übergaben Gott unter Martern ihre Seelen. Sie litten im vierten Jahrhundert. Gobdelas’ Schwester Kasdoa und Gargal, der Oberpriester, erlitten mit ihnen zusammen das Martyrium, denn auch sie waren zum Glauben an Christus gekommen.
3. Der hl. Theophanes der Barmherzige war ein reicher Einwohner von Gaza. Er war so barm-herzig, daß er selbst verarmte, indem er seinen Besitz an die Armen verteilte. Gegen Ende seines Lebens litt er unter Wassersucht und starb an dieser Krankheit. Danach floß heilendes Myron aus seinem Leib, durch das Kranke geheilt wurden.

4. Die hl. Maria von Palästina. Zuerst war Maria eine Psalmistin in der Auferstehungskirche in Jerusalem. Da sie sehr schön war, wurden viele, die sie anschauten, von unreinen Gedanken ver-sucht. Um nicht länger eine Versuchung für die Männer zu sein, zog sich Maria mit einem Korb voll Bohnen und einem Krug Wasser in die Wüste von Souka zurück. Die hl. Maria lebte in dieser Wüste achtzehn Jahre lang. Durch Gottes Kraft gingen weder die Bohnen noch das Wasser aus. Die Schüler des hl. Kyriakos fanden sie noch lebend und  begruben sie nach ihrem Entschlafen.

Lobeshymne

Die heilige Maria von Palästina

Maria war von großer Schönheit,
Von Geburt an schön;
Doch Maria war Christus treu
Und betete zu Ihm:
„Hilf mir, Herr, einer hilflosen Frau,
Zeige mir, der Niedrigen,
Den Weg zur Rettung.
Mit Deiner Hilfe kämpfe ich,
Nicht zu sündigen,
Doch mein Antlitz ist eine Versuchung
Für die Schwäche anderer.“
Maria fiel mit Tränen nieder
Vor dem Lebendigen Gott,
Und verbarg sich vor den Augen der Menschen.
Maria sprach mit Gott,
Und das war ihr Lohn.
Ihre Seele leuchtete heller als reines Gold,
Ihr Körper verwelkte im Lauf der Jahre,
Und ein Engel erhob
Die himmlische Frau ins Paradies.
Nun freut sie sich,
Leuchtend unter den Engeln,
Und die heilige Maria
Betet zu Gott für uns.


Betrachtung

Viele Menschen unternehmen aus Unwissenheit große Anstrengungen, um die Leiden des hohen Alters und schwere Krankheiten zu umgehen, statt die Qualen der Hölle in jenem anderen Leben nach dem hohen Alter und dem Tod zu vermeiden. Es gab einmal einen unverheirateten Geizhals, der sich Jahr um Jahr bemühte, weiteren überflüssigen Reichtum anzuhäufen. Als er gefragt wurde, welchen Sinn er darin sehe, so viel Mühe für den Erwerb von Gütern aufzuwenden, die für die Zeit seines Lebens zu viel waren, antwortete er: „Ich sammle für die Zeit, wenn ich ins hohe Alter komme. Meine Güter werden mich schützen und ernähren, wenn ich alt und krank bin.“ Seine Vorahnung erfüllte sich bald. Es überkam ihn im Alter eine schwere und langwierige Krankheit. Er verwendete das Geld, das er gespart hatte, um die Ärzte, die ihn heilen sollten, und die Diener zu seiner Pflege und Versorgung zu bezahlen; doch seine Mittel erschöpften sich und die Krankheit blieb. Seine Ärzte und Diener verließen ihn, und er fiel in Verzweiflung. Seine Nachbarn brachten ihm Brot, bis er starb und auf öffentliche Kosten begraben wurde. Welchen Nutzen hatten nun jene Güter, die ihm gegeben worden waren? Gott gewährte ihm seinen Willen und schickte ihm die Krankheit, von der er gesprochen hatte und für die er seinen Besitz aufgespart hatte. Jedoch, all seine Güter konnten seine Leiden in dieser Welt nicht lindern – und wodurch konnten sie in der kommenden Welt gelindert werden? Wodurch, wenn er weder Glauben noch Hoffnung mit sich nahm, noch Werke der Barmherzigkeit, Gebet oder Reue? Es sah jemanden einen verstorbenen Mann in der Herrlichkeit des Paradieses und fragte ihn, wodurch er würdig dieser Herrlichkeit geworden war. Der Mann antwortete: „Ich war in meinem irdischen Leben der Knecht eines Übeltäters, der mir niemals meinen Lohn auszahlte; doch ich ertrug alles und diente ihm bis zum Ende mit Hoffnung auf Gott.“ Dann sah er einen anderen in der ewigen Herrlichkeit und als er ihn fragte, antwortete dieser: „Ich war ein Aussätziger, und bis zum Ende dankte ich Gott dafür.“ Jener jedoch, der für die Krankheit im Alter Reichtum angehäuft hatte, wird niemals von irgend jemandem in der Herrlichkeit des Paradieses in der anderen Welt gesehen werden

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Strafe, mit der Gott König Usija bestrafte (2 Chr 26):
1. Wie sich König Usija in seinem Hochmut dem Altar Gottes mit einem Rauchfaß nahte;
2. Wie plötzlich auf seiner Stirn Aussatz erschien.

Homilie

Über das gegenseitige Erkennen des Vaters und des Sohnes

Gerechter Vater, die Welt hat Dich nicht erkannt; Ich aber habe Dich erkannt. (Jh 17,25)

Man kennt am besten Seinesgleichen. Der Niedrigere kennt den Höheren nicht, noch der Sterbliche den Unsterblichen. Die Propheten des Alten Bundes und einige Weise früherer Zeiten kannten Gott als Schöpfer und Erhalter, doch keiner kannte Ihn als Vater des ewigen Sohnes. Jene, die Ihn im Altertum kannten, kannten Ihn durch die Schöpfung und nicht durch die Geburt. Durch die Schöp-fung wußten sie etwas über die Gerechtigkeit und Weisheit und Macht Gottes, kannten aber nicht Seine Liebe, denn Liebe wird durch Geburt erkannt. Eltern kennen das Mysterium der Geburt, und der Geborene kennt die elterliche Liebe. Die Welt hat Dich nicht erkannt – und die Welt sieht Dich als den Herrn und sich selbst als Knecht an –, Ich aber kenne Dich –, denn Ich sehe Dich als Vater und erfahre Deine unaussprechliche Liebe. Die Welt sieht Dich durch den Vorhang Deiner Werke, Ich aber sehe Dich von Angesicht zu Angesicht in der ewigen Schönheit Deiner Liebe. Der Herr brachte diese Flamme der ewigen väterlichen Liebe und der Liebe des Sohnes unter die Menschen. Mögen die Menschen Gott in diesem Feuer sehen, in diesem neuen und bis dahin unbekannten Licht. Der Herr vertraute dieses neue Erkennen Gottes durch die Liebe Seinen Aposteln an, und sie ist bis zu uns gekommen. O möge dieses Feuer der göttlichen und duldsamen Liebe in uns brennen! Mögen wir Gott auf diese Weise als unseren Vater erkennen und uns selbst als Seine Kinder, die durch das Opfer des einziggeborenen Sohnes adoptiert wurden.
O Gott der Dreieinen Flamme, Vater, Sohn und Heiliger Geist, erleuchte uns, die wir durch die Sünde verfinstert sind, mit dem ewigen Leuchten Deiner Liebe. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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12.10.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).