14.09.2021

01.09.2021

Gedenken

1. September nach dem Kirchenkalender

Gedenken: Beginn des Kirchenjahres (Indiktion); hl. Symeon Stylites (d. Ältere, † 459) und seine Mutter, die hl. Martha; ger. Josua (Joshua), Sohn des Nun († ca. 1440 v. Chr.); sowie hl. Märtyrer Aithales von Persien; hll. 40 Märtyrerinnen und Ammon d. Diakon u. ihr Lehrer in Herakles in Thrakien; hl. Märt. Kallista u. ihre Brüder Evodios u. Hermogenes in Nikomedia; hl. Meletios d. Jüngere v. Griechenland; hl. Neumärt. Angelis von Konstantinopel († 1680); Gedenken des großen Feuers von Konstantinopel (ca. 470); hl. Evanthia; hl. Nikolaos v. Kreta († 1670); hl. Verena v. Zurzach (Schweiz) († ca. 350); hl. Haido v. Stanos († 1820-21). Synaxis der Allheiligen Gottesmutter in Miasena; „Černigov-Gethsemane”-Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin.

1. Der Beginn des Kirchenjahres [Indiktion]. Das Erste Ökumenische Konzil [Nikäa 325 n.Chr.] bestimmte, daß das Kirchenjahr am 1. September beginnen sollte. Der Monat September war für die Hebräer der Beginn der bürgerlichen Jahresrechnung (Ex 23,16); der Monat, an dem man die Ernte einbrachte und Gott dafür dankte. Zu diesem Fest betrat Jesus die Synagoge von Nazareth (Lk 4,16-21), öffnete das Buch des Propheten Jesaja und las die Worte: Der Geist des Herrn ruht auf Mir, denn der Herr hat Mich gesalbt. Er hat Mich gesandt, damit Ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit Ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit Ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe (Jes 61,1-2). Der Monat September ist auch wichtig für die Geschichte des Christentums, denn Kaiser Konstantin der Große siegte im September über Maxentius, den Feind des christlichen Glaubens. Nach diesem Sieg gewährte Konstantin im ganzen Römischen Reich den Christen das freie Bekenntnis ihres Glaubens. Für lange Zeit folgte der bürgerliche Jahresbeginn dem Kirchenjahr; er fiel gleichfalls auf den 1. September. Der bürgerliche Jahresbeginn wurde später auf den 1. Januar verlegt. Dies geschah zuerst in Westeuropa und später in Rußland unter Peter dem Großen.        

2. Der gottgeweihte Symeon der Stylit [Säulensteher] wurde in Syrien geboren. Seine Eltern waren Bauern. Im Alter von achtzehn Jahren floh er und wurde Mönch. Er übergab sich der strengsten Askese, manchmal fastete er vierzig Tage lang. Danach nahm er eine besondere Askese auf sich, die bis dahin unbekannt war: Er stand Tag und Nacht auf einer Säule im unablässigen Gebet. Seine Säule war zuerst drei Meter hoch, dann wurde eine von sechs Metern Höhe für ihn erbaut, dann elf, achtzehn und schließlich zwanzig. Seine Mutter Martha kam zweimal, um ihn zu sehen; doch er empfing sie nicht, sondern rief ihr von der Säule herab zu: „Störe mich jetzt nicht, meine liebe Mutter. Wenn wir dessen würdig werden, so werden wir uns in der nächsten Welt sehen.“ Der hl. Symeon ertrug unzählige Angriffe von den Dämonen und überwand sie alle durch das Gebet. Er wirkte große Wunder, heilte die Kranken durch seine Gebete und Worte. Von allen Seiten war seine Säule von Menschen umringt: Reiche und Arme, Könige und Knechte. Er half ihnen allen; bei den einen stellte er die körperliche Gesundheit wieder her, tröstete und unterwies andere und tadelte einige, die einem häretischen Glauben anhingen. Kaiserin Eudokia wurde auf diese Weise von der eutychianischen Häresie zur Orthodoxie zurückgebracht. Symeon lebte seine Askese während der Regentschaft der Kaiser Theodosios des Jüngeren, Markian und Leo des Großen. Der hl. Symeon, dieser erste christliche Stylit und große Wundertäter, lebte siebzig Jahre und ging am 1. September 459 in die Ruhe des Herrn ein. Seine Reliquien wurden nach Antiochia in die Kirche, die seinem Andenken gewidmet ist, gebracht.

3. Der hl. Josua, Sohn des Nun, war der Anführer des hebräischen Volkes nach dem Tod des Moses. Von den mehreren hunderttausend Israeliten, die Ägypten verlassen hatten, betraten nur er und Kaleb das Verheißene Land. Josua wurde 110 Jahre alt und starb ungefähr 1440 Jahre v. Chr.. (Seine Treue zu Gott, seine Werke und Wunder sind im Buch Josua verzeichnet.)

Lobeshymne

Der gottgeweihte Symeon der Stylit

Symeon der Stylit, der erste der Säulensteher,
Ein erleuchteter Altvater, strahlend wie ein Unsterblicher,
Band sich an die Säule als ein freiwilliges Opfer;
Er lebte völlig dem Himmel, der Erde war er gänzlich erstorben.
Fasten und Gebet und Nachtwachen –
Auf diesem harten Pfad suchte er Erlösung.
Eines Morgens in der Frühe kam seine Mutter zu ihm:
„O Sohn, komm herunter und laß deine Mutter dich sehen!“
So sprach sie, doch Symeon schwieg.
Die Mutter wiederholte ihr Flehen wieder und wieder...
Zuletzt erwiderte Symeon seiner Mutter:
„Ich bin im Dienst des himmlischen Königs.
Dieses Leben ist ein Kampf und eine Vorbereitung.
Es ist keine Zeit für nichtige Gespräche hier.
Doch gehe, Mutter, und wähle den reinen Pfad –
Sorge dich um deine Seele und lebe Christus gemäß!
Nach dem gegenwärtigen Kampf kommt die andere Welt;
Wenn uns Christus würdig befindet,
Werden wir uns dort sehen, Mutter,
Und dein Sohn wird sich am Antlitz seiner Mutter erfreuen.“ 

Betrachtung

Solange wir in dieser Welt sind, müssen wir von all dem Gebrauch machen, was uns für die Erbauung unserer Seele zur Verfügung steht, denn wenn uns der Tod abberuft, können wir nichts anderes in die andere Welt mitnehmen als unsere Seele in dem Zustand, den sie in dieser Welt erlangt hat. Der hl. Symeon der Stylit (Säulensteher) fiel eines Tages, als er noch ein junger Mann von achtzehn Jahren war, zu Boden, berührte mit dem Gesicht die Erde und stieß ein Gebet zu Gott aus, worin er Ihn bat, Er möge ihm den Weg zur Rettung zeigen. Lange lag er so im Gebet, dann hatte er die folgende Vision: Er hob einen Graben aus, der das Fundament für irgendein Bauwerk sein sollte, und hörte dann auf zu graben, um sich auszuruhen. In diesem Augenblick hörte er eine Stimme: „Grab tiefer!“ Er begann sich zu bemühen, tiefer zu graben, doch wieder kam die Stimme: „Grab tiefer!“, und er versuchte sich noch mehr anzustrengen. Die Stimme sprach daraufhin: „Halt inne; das ist genug. Nun baue, was du zu bauen wünschst; doch ohne Mühe wirst du nichts erreichen.“ Diejenigen, die wenig Mühe auf sich nehmen und das Leben ihrer Seele auf sinnliche Untiefen errichten, bauen ihr Haus auf Sand, und ein solches Gebäude kann in dieser vorübergehenden Welt keinen Bestand haben – und noch weniger in der unvergänglichen Welt.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über Davids Verfehlungen (2 Sam 11):
1. Wie David mit Batseba, der Frau des Urija, Ehebruch beging, als Urija fort war im Krieg;
2. Wie David Urijas Tod herbeiführte;
3. Wie der Zorn Gottes gegen David entbrannte.

Homilie

Über das Wort, den Sohn Gottes

Im Anfang war das Wort. (Jh 1,1)

Der Logos – das logoshafte, sinnhaltige Wort – war im Anfang. Dies bezieht sich auf die göttliche Natur Jesu Christi. Im Anfang – verleitet uns dies dazu, meine Brüder, zu denken, es gäbe irgend-einen Anfang des Wortes Gottes, oder der Sohn Gottes wäre zu einem bestimmten Zeitpunkt von Gott dem Vater geboren worden? Keineswegs, denn die Geburt des Sohnes kann weder Datum noch Beginn haben. Zeit ist eine Bedingung einzig der temporären Welt, und daher berührt sie weder den ewigen Gott, noch bedingt sie irgend etwas, das von Gott kommt. Kann das Licht der Sonne von der Sonne getrennt werden und die Sonne noch Sonne bleiben? Kann der Geist des Menschen von ihm getrennt werden, und bleibt er dann noch Mensch? Kann man die Süße vom Honig nehmen, und bleibt er dann noch Honig? Das kann man nicht. Noch weniger kann man Gott von Seinem Wort getrennt denken, Seiner logoshaften Rede, Seinem Sinn, Seiner Weisheit – den ewigen Vater getrennt von Seinem mitewigen Sohn.
In dieser Stelle der Heiligen Schrift, meine Brüder, geht es nicht um den Anfang des Sohnes Gottes aus Gott dem Vater, sondern um den Beginn der Geschichte der geschaffenen Welt und der Rettung der Menschen. Dieser Anfang ist das Wort Gottes. Es begann die Schöpfung der Welt und ihre Rettung. Wer auch immer über die geschaffene und ungeschaffene Welt oder über die Erlösung der Menschheit sprechen möchte, muß mit dem Anfang beginnen. Dieser Anfang ist das Wort (der Logos) Gottes, die Weisheit Gottes, der Sohn Gottes. Wenn jemand eine Erzählung über ein Boot auf einem See erzählt und folgendermaßen beginnt: „Am Anfang war dort ein See und ein weißes Boot darauf...“, würde kein vernünftiger Mensch die Worte „Am Anfang war dort ein See...“ so verstehen, daß dieser See in genau diesem Augenblick der Erzählung zu existieren begann. Also kann kein vernünftiger Mensch die Worte des Evangeliums Im Anfang war das Wort in der Weise verstehen, daß das Wort Gottes von Gott zu Beginn der Welt gezeugt wurde. Wie der See schon Tausende von Jahren existierte, bevor die Erzählung mit dem Boot einsetzt, so war das Wort Gottes schon eine ganze Ewigkeit vor dem Beginn der Schöpfung.
O Sohn Gottes, mitewig mit dem Vater und dem Geist, erleuchte und rette uns! Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).