02.09.2022

20.08.2022

Gedenken

20. August nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Prophet Samuel; hll. Märtyrer Philippos, Bischof von Heraklea, zusammen mit dem Priester Sebiros, dem Diakon Hermes und 38 anderen Christen; sowie hl. Märt. Lukios, Senator von Zypern († ca. 310); hll. Märtt. Heliodoros u. Dosa (Dausa) in Persien († 380); hl. Märt. Photina an d. Tür d. Kirche von Blachernae; hll. Märtt. Orestes u. Reginos v. Zypern; hl. Hieroneumärt. Bischof Varsonofij (Lebedev) († 1918); hl. Oswin, König u. Märtyrer († 651); hl. Philibert von Jumièges und Noirmoutier († 685); [Entschlafen von Priestermönch Seraphim Rose von Platina († 1982)].

1. Der hl. Prophet Samuel war der fünfzehnte und letzte Richter Israels. Er lebte elfhundert Jahre vor Christus. Samuel war aus dem Stamm Levi, seine Eltern hießen Elkana und Hanna, und er wurde in einem Ort geboren, der Ramatha oder Arimathäa hieß, wo später auch der edle Joseph [von Arimathäa] geboren wurde. Die unfruchtbare Hanna erflehte durch ihr Weinen Samuel von Gott und weihte ihn Gott, als er drei Jahre alt war. Als Samuel in Schilo bei der Bundeslade lebte, hatte er in seinem zwölften Lebensjahr eine wahre Offenbarung Gottes, die die Strafen betraf, die dem Haus des Hohenpriesters Eli aufgrund der Vergehen seiner Söhne Hofni und Phineas bevor-standen. Diese Offenbarung verwirklichte sich bald: Die Philister besiegten die Israeliten, töteten die beiden Söhne Elis und raubten die Bundeslade. Als der Bote Eli von dieser Tragödie berichtete, fiel dieser tot zu Boden und gab im Alter von achtundneunzig Jahren seinen Geist auf. Dasselbe geschah mit seiner Schwiegertochter, der Frau des Phineas. Von da an waren die Israeliten zwanzig Jahre lang Sklaven der Philister. Nach dieser Zeitspanne sandte Gott Samuel zu den Menschen, um zu verkünden, daß sie bereuen müßten, wenn sie von Feinden gerettet werden wollen. Die Menschen taten Buße und verwarfen die fremdländischen Götzen, denen sie dienten, und anerkannten Samuel als Propheten, Priester und Richter. Da zog Samuel mit einer Armee gegen die Philister, und mit Gottes Hilfe brachte er sie in Verwirrung, besiegte sie und befreite das Land und das Volk. Danach war Samuel der friedvolle Richter seines Volks bis ins hohe Alter. Als er hochbetagt war, bat ihn das Volk, einen König für sie an seiner Stelle einzusetzen. Vergeblich versuchte Samuel, die Menschen davon abzubringen, wobei er ihnen sagte, Gott sei ihr einziger König; doch die Menschen blieben bei ihrem Begehren. Obwohl diese Forderung Gott nicht wohlgefällig war, befahl Er Samuel, Saul, den Sohn von Kisch aus dem Stamm Benjamin, zum König zu salben. Saul regierte nur kurze Zeit, und Gott verwarf ihn wegen seiner Unverschämtheit und seines Ungehorsams und befahl dann Samuel Jesses Sohn David als König an Sauls Stelle zu salben. Vor seinem Tod versammelte Samuel das ganze Volk und nahm Abschied. Als Samuel starb, trauerte ganz Israel um ihn, und sie begruben ihn ehrenvoll in seinem Haus in Ramatha.

2. Der hl. Hieromärtyrer Philippus, Bischof von Heraklion, zusammen mit dem Priester Severus und dem Diakon Hermes. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren sie Slaven. Sie dienten Gott in Thrakien und wurden dort zuerst um Christi willen Martern überliefert. Als die Heiden zu einer christlichen Kirche eilten, um sie in Brand zu setzen, sagte der mutige Philippus zu deren Anführern: „Denkt ihr etwa, daß Gott in diesen Mauern eingeschlossen ist? Er lebt in unseren Herzen.“ Die Kirche wurde zerstört, alle Bücher verbrannt und die Priester nach Jedrene gebracht, wo sie nach Gefangenschaft und Foltern halb verbrannt in den Fluß Maritsa geworfen wurden. Weitere achtund-dreißig Christen starben ebenso mit ihnen als Märtyrer. Man geht davon aus, daß sie unter Diokle-tian litten und starben.

Lobeshymne

Der heilige Prophet Samuel

Samuel der Gerechte, Knecht des Lebendigen Gottes,
Geliebter Richter seines Volkes –
Er achtete Gott, Gott über allem;
Der Wille Gottes war ihm Befehl.
Durch den Willen Gottes berichtigte er den Willen des Volkes
Und für die Sünden des Volkes bereute er vor Gott.
Priester und Prophet und ein gerechter Richter,
Auf dreierlei Weisen verherrlichte Samuel Gott.
Mit jedem Wort, mit jeder Tat,
Durch Mühe und Gebet und Opfer und Speise –
Mit seinem ganzen Wesen diente er Gott.
Den Herrschern dieser Welt bot er dieses Vorbild:
Keiner tut Gutes für sein Volk,
Der sich vom Gesetz Gottes entfernt,
Wer auf sich und auf das Volk hört, doch nicht auf  Gott,
Fällt in die Tiefen des bodenlosen Abgrunds,
Wie Saul fiel und andere mit ihm,
Alle Komplizen der Sünde des Volkes.
Nur ein Knecht Gottes kann Herrscher sein
Und seinem Volk auf ewig nutzen.
Dies lehrte Samuel in Taten und Worten
Durch die vielen Jahrhunderte hallt seine Lehre wider. 

Betrachtung

Bereue, bevor der Tod die Tür deines Lebens schließt und die Tür des Gerichts öffnet. Bereue vor deinem Tod, und da du nicht die Stunde deines Todes kennst, bereue heute, in diesem Augenblick, und höre auf, die Sünde zu wiederholen. Der hl. Ephrem der Syrer betete folgendes zu Gott:
„Bevor das Rad der Zeit in meinem Leben zum Stehen kommt, erbarme Dich meiner!
Bevor der Wind des Todes bläst, und Krankheit, der Herold des Todes, in meinem Körper erscheint, erbarme Dich meiner!
Bevor die majestätische Sonne in den Höhen für mich dunkel wird, erbarme Dich meiner; und möge Dein Licht für mich vom Himmel herab scheinen und die schreckliche Finsternis meines Geistes vertreiben.
Bevor die Erde zurückkehrt zur Erde und zur Verwesung wird und vor der Zerstörung all ihrer Schönheit, erbarme Dich!
Bevor meine Sünden zu meiner Schande vor dem Richter enthüllt werden, o gnädigster Herr, erbarme Dich meiner!
Bevor die Heerscharen heraustreten und den Sohn des Königs begleiten, um unser elendes Geschlecht vor dem Thron des Richters zusammenzurufen, erbarme Dich!
Bevor die Herolde mit Posaunenstimme Dein Kommen ankündigen, verschone Deinen Knecht und erbarme Dich meiner, o unser Herr Jesus!
Bevor Du Deine Tür vor mir verschließt, und bevor ich dem unauslöschlichen Feuer der Gehenna zur Speise werde, erbarme Dich meiner!“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über Davids wundersamen Sieg über Goliath (1 Sam 17):
1. Wie Goliath, in Waffenrüstung bewehrt und von gewaltiger Körperkraft, das Heer der Israeliten in Furcht versetzte;
2. Wie David, der seine Hoffnung auf Gott setzte, mit einer Schleuder und Steinen hinaustrat;
3. Wie David siegreich war, denn er glaubte, daß es ein Krieg des Herrn war (1 Sam 17,47; 1 Kön 17,47).

Homilie

Über Ägyptens Bekehrung zum Herrn

Der Herr wird Sich den Ägyptern offenbaren, und die Ägypter werden an jenem Tag
 den Herrn erkennen; sie werden Ihm Schlachtopfer und Speiseopfer darbringen,
 sie werden dem Herrn Gelübde ablegen und sie auch erfüllen.
(Jes 19,21)

O wie unbeständig ist das Herz des Menschen! Doch unter allen Wandlungen gibt es eine, die von allen die beschämendste ist: wenn ein Gläubiger zu einem Ungläubigen wird. Und unter allen Wandlungen gibt es eine, die die herrlichste von allen ist. Die erstgenannte Wandlung geschah bei jenen Israeliten, die Christus töteten; die zweite geschah bei den Ägyptern, die zum Glauben an Christus fanden. Ägypten war zu einer bestimmten Zeit der schlimmste Verfolger derer gewesen, die an den Einen, Lebendigen Gott glaubten, denn die Ägypter hatten viele tote Götter, Götzen und andere Dinge, die sie anbeteten. Sie hatten Mythenerzähler und Zauberer, durch die sie getäuscht wurden. Doch hört die Worte des Propheten! Dies ist in der Tat eine wundervolle Vision! [Ungefähr so spricht Jesaja:] „Die Ägypter werden den Einen, Lebendigen Gott in jener Zeit erkennen, in der Er im Fleisch unter den Menschen erscheint. Die Götzen werden zerstört und die Tempel der Dämonen und Tiere niedergerissen; der Altar des Einen, Lebendigen Gottes wird aufgestellt und der Opfer-tisch errichtet. Das blutlose Opfer wird anstelle des blutigen dargebracht, das vernünftige anstelle des vernunftlosen. Hunderte und Tausende von Mönchen werden dort Armut, Gehorsam und Fasten aus Liebe zum Herrn geloben. Die größten Asketen erscheinen in jenem Land, das zuvor mit Finsternis bedeckt war, die mutigsten Märtyrer für Christus den Herrn, die erleuchtetsten Geister, die erstaunlichsten Wundertäter.“ O welch wundervolle Vision! – und wie wundervoll war ihre Verwirklichung! Der hl. Johannes Chrysostomos schreibt: „... auch die Sonne strahlte zusammen mit der Vielzahl der Sterne nicht so prächtig wie die ägyptische Wüste mit ihren Mönchen.“ Alles, was Jesaja, der Sohn des Amoz, der Seher und wahre Prophet, erschaute, geschah tatsächlich.
O Mitleidvoller Herr, Der Du freundlich auf Ägypten geschaut hast, den früheren Verfolger Deiner Gläubigen, und dieses Land mit dem Licht der Wahrheit erleuchtet hast, erleuchte auch uns und stärke uns mit der Gnade Deines Heiligen Geistes und dem Beispiel der großen Christen von Ägypten. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen. 

 

 

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02.09.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).