31.10.2021

18.10.2021

Gedenken

18. Oktober nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Apostel und Evangelist Lukas; hl. Petar von Cetinje, Metropolit von Montenegro († 1830); hll. Julian und Didymus der Blinde (4. Jh.); sowie hl. Märt. Marinus, der Ältere in Anazarbus (4. Jh.); hl. Josif von Volokolamsk († 1515); hl. David, Abt von Serpuchov († 1520); hll. Neumärtyrer Gabriel und Kirmidolis von Ägypten († 1522); hll. Symeon, Theodor und die hl. Euphrosyna, die die Ikone der Gottesmutter in der Großen Höhle auf dem Peloponnes fanden.

1. Der hl. Apostel und Evangelist Lukas wurde in Antiochia geboren. In seiner Jugend widmete er sich dem Studium der griechischen Philosophie, Medizin und Kunst. Während des Wirkens des Herrn auf der Erde kam Lukas nach Jerusalem, wo er den Erlöser von Angesicht zu Angesicht sah, Seine rettende Lehre vernahm und Zeuge Seiner wundersamen Werke wurde. Nachdem er zum Glauben an den Herrn gelangt war, wurde er den Siebzig Aposteln zugezählt und ausgesandt, um zu verkündigen. Mit Kleopas sah er den Auferstandenen Herrn auf dem Weg nach Emmaus (Lk 24). Nach dem Herabkommen des Heiligen Geistes kehrte Lukas nach Antiochia zurück und wurde dort zum Mitarbeiter des Apostels Paulus. Mit ihm zusammen reiste er nach Rom und bekehrte Hebräer und Heiden zum christlichen Glauben. Auch der Arzt Lukas, unser lieber Freund, grüßt euch, schreibt der Apostel Paulus an die Kolosser (4,14). Auf Ersuchen der Christen schrieb er sein Evangelium um das Jahr 60. Nach dem Martyrium des großen Apostels Paulus verkündigte der hl. Lukas das Evangelium in Italien, Dalmatien, Makedonien und anderen Gegenden. Er malte Ikonen der Allheili-gen Gottesgebärerin – nicht nur eine, sondern drei – und der hll. Apostel Petrus und Paulus. Somit sieht man den hl. Lukas als den Urheber der christlichen Ikonographie an. Im hohen Alter besuchte er Libyen und Oberägypten. Von Ägypten aus kehrte er nach Griechenland zurück, wo er weiterhin das Evangelium verkündigte und viele trotz seines hohen Alters mit großem Eifer zum Glauben führte. Zusätzlich zu seinem Evangelium schrieb der hl. Lukas die Apostelgeschichte und widmete beide Werke Theophilus, dem Gouverneur von Achaia. Lukas war vierundachtzig Jahre alt, als ruchlose Götzenanbeter ihn um Christi willen marterten und ihn an einem Olivenbaum in Theben in Böotien erhängten. Die wundertätigen Reliquien dieses wunderbaren Heiligen wurden in der Zeit des Kaisers Konstantius, Konstantins Sohn,  nach Konstantinopel überführt.

2. Der hl. Petar von Cetinje, Metropolit von Montenegro, wurde am 1. April 1749 im Ort Njegu geboren. Er begann bereits mit 12 Jahren das Mönchsleben. Nach dem Tod des Metropoliten Sava im Jahre 1782 wurde er Metropolit und Regent von Montenegro. Dieser ruhmreiche Mann widmete sein ganzes heiliges Leben dem Volk. Er arbeitete mit all seiner Kraft daran, die einander bekämpfenden Clans von Montenegro zu versöhnen und strebte unermüdlich danach, das Land und das Volk gegen habgierige Aggressoren zu verteidigen. Er hatte in beiden Aufgaben Erfolg. Besonders wird er für seinen Sieg über Napoleons Armee in Boka und Dalmatien gepriesen. Er war sehr streng sich selbst gegenüber, doch mit jedem anderen verfuhr er gerecht und nachgiebig. Petar lebte in einer kleinen Zelle wie ein einfacher Mönch, obwohl er der Herrscher über das Volk war. Er entschlief am 18. Oktober 1830. Seine wundertätigen Reliquien ruhen unverwest im Kloster Cetinje. Der Herr verherrlichte ihn in den Himmeln und auf Erden als Seinen treuen und langmütigen Knecht.

3. Die hll. Julian und Didymos der Blinde. Der hl. Julian, genannt „der Eremit“, war ein Perser und ungebildeter Bauer, doch aufgrund der Reinheit seines Herzens war er ein Gefäß der Gnade des Heiligen Geistes. Er führte ein asketisches Leben am Fluß Euphrat in Mesopotamien und besaß die Gabe der Hellsichtigkeit. In jenem Augenblick, als Julian der Apostat starb, nahm dies der hl. Julian im Geist wahr und berichtete es seinen Schülern. Der hl. Didymos der Blinde war sein Zeitgenosse. Er lebte in Alexandria und nahm gleichfalls im Geist Julians Tod wahr. Der hl. Didymos war während der Nacht im Gebet, als eine Stimme aus dem Himmel kam, die sprach: „Heute hat Kaiser Julian sein Ende gefunden, teile dies Patriarch Athanasios mit.“ Der hl. Antonios der Große achtete diesen wunderbaren Blinden sehr, der den Geist der Unterscheidung hatte. Immer, wenn er aus der Wüste nach Alexandria kam, blieb er bei ihm und betete mit ihm zu Gott. Die beiden, diese wundervollen Knechte Gottes, die hll. Julian und Didymos, entschliefen bald nach dem Jahr 362. 

Lobeshymne

Der heilige Apostel und Evangelist Lukas

Der göttliche Lukas, weise und gelehrt,
Wurde freiwillig gemartert für den Herrn.
Er hätte Hohn und Folter vermeiden können,
Doch dann hätte die Welt den großen Lukas nicht gehabt.
Der junge Lukas erblickte Gottes Wahrheit
Und unterwarf sein Herz dem Sohn Gottes.
Er hörte auf seinen Lehrer, sah den Wundertäter
Und erkannte in Ihm den unsterblichen Schöpfer.
Er sah den Auferstandenen und sprach mit Ihm
Und vollbrachte Wunder in Seinem Namen.
Christus wurde seine einzige Freude,
Und Lukas opferte Ihm seinen Geist, seinen Reichtum, seine Jugend.
Als Lukas alt wurde, war er jung in Christus
Und gab der Welt, was er vom Herrn empfangen hatte.
Und als er der Welt alles gegeben hatte, was er konnte,
Vergalt ihm die Welt gemäß der Schrift mit Haß.
An einen alten Olivenbaum hängten sie den betagten Lukas,
Auf seinem Antlitz ein Lächeln, die Arme kreuzweise gefaltet.
Und Christi Hand kam vom Himmel herab
Und empfing die Seele Seines Evangelisten.
Jetzt im leuchtenden Paradies mit den anderen Aposteln
Betet der hl. Lukas für die Heilige Kirche.

Betrachtung

Kann ein Sünder im Verlauf von zehn Tagen vollständig Buße für seine Sünden tun? Durch die unermeßliche Gnade Gottes vermag er es. In der Zeit des Kaisers Mauritios gab es einen berüchtig-ten Räuber in der Umgebung von Konstantinopel. Auf dem Land wie in der Hauptstadt löste er Furcht und Zittern aus. Da sandte ihm der Kaiser selbst ein Kreuz als Unterpfand dessen, daß er ihn nicht bestrafen würde, wenn er sich stellen würde. Der Räuber nahm das Kreuz und stellte sich tatsächlich. Angekommen in Konstantinopel, fiel er dem Kaiser zu Füßen und bat um Vergebung. Der Kaiser hielt sein Wort, hatte Erbarmen mit ihm und ließ ihn frei. Sogleich danach erkrankte der Räuber schwer und fühlte, daß sein Ende nahte. Er begann bitterlich all seine Sünden zu bereuen und bat Gott unter Tränen, ihm zu vergeben, wie es der Kaiser getan hatte. Er vergoß viele Tränen im Gebet, so daß das Taschentuch, mit dem er sie abtrocknete, ganz durchnäßt war, und er starb nach zehn Tagen, die unter Gebet und Weinen vergangen waren. In der Nacht seines Todes hatte der Arzt, der ihn behandelte, eine seltsame Vision in einem Traum: Als der Räuber auf dem Bett seine Seele aushauchte, umringte ihn eine Anzahl schwarzer Gestalten und schwenkte Papiere, auf denen seine Sünden verzeichnet waren. Auch zwei herrliche Engel erschienen. Eine Waage wurde in die Mitte gestellt, und die schwarzen Gestalten legten frohlockend die vielen Papiere in die eine Waag-schale, die daraufhin voll beladen war, während die andere leer blieb. „Was können wir hinein-legen?“, fragten die Engel einander. „Laßt uns nach etwas Gutem in seinem Leben Ausschau halten.“ Da erschien in der Hand des einen Engels das mit Tränen der Reue getränkte Taschentuch. Rasch legten es die Engel in die Waagschale auf ihrer Seite, und sogleich überwog es die andere Seite mit all den Papieren. Daraufhin flohen die schwarzen Gestalten unter gequältem Geheul; doch die Engel nahmen die Seele des Menschen und trugen sie ins Paradies, wobei sie Gottes Menschenliebe priesen.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über das Wunder, das dem Apostel Philippus mit dem Eunuchen widerfuhr (Apg 8):
1. Wie der Engel Philippus von Samaria herbeiführte und ihn an der Straße nach Gaza absetzte;
2. Wie Philippus den Eunuchen der Königin Kandake sah, ihm eine Prophezeiung des Prophe-ten Jesaja auslegte und ihn taufte;
3. Wie ein Engel Philippus nahm, ihn für den Eunuchen unsichtbar machte und ihn in einem Augenblick nach Asdod brachte.

Homilie

Über Sünden der Zunge

Ich sprach: „Aufpassen will ich auf meine Wege,
daß ich nicht sündige mit meiner Zunge.“
(Ps 38,2)

Sünden der Zunge sind die häufigsten und leichtfertigsten Sünden. Wer sich in seinen Worten nicht verfehlt, ist ein vollkommener Mann, sagt der Apostel Jakobus (3,2). Wenn ein reuiger Mensch Gottes Pfad betritt, wenn er gemäß den Geboten Gottes zu leben beginnt, möge er zuerst danach streben, nicht mit seiner Zunge zu sündigen. Dies war die Regel, die sich der reuige David auferlegte. Er entschied, besonders gegenüber seinen Feinden zu schweigen: Ich setzte vor meinen Mund eine Wache, als sich der Sünder vor mir erhob. Dies ist eine wunderbare Regel für einen Menschen, der sich im Prozeß der Heilung von der Sünde befindet. Wenn er angeklagt wird, gibt er keine Antwort; wenn er verleumdet wird, bewahrt er Stillschweigen. Wahrlich, welcher Nutzen besteht darin, mit einem ungerechten Menschen zu sprechen, wenn er voller Zorn ist? Wenn du zu ihm über das Böse sprichst, wird er noch mehr in Wut geraten; wenn du vom Guten sprichst, bringst du ihn nur dazu, die heiligen Dinge zu verspotten. Christus schwieg vor Pilatus (Mt 27,12). Warum gibst Du mir keine Antwort?, fragte Pilatus. Welche Antwort hätte Er ihm geben können, der weder Ohren hatte, um zu hören, noch Einsicht, um zu verstehen? Siehe, das Schweigen des Gerechten vor dem Ungerechten kann auf diesen den größten Eindruck machen. Der Ungerechte, dem es überlassen ist, das Schwei-gen für sich zu deuten, kann es auf eine Weise deuten, die für seine Seele hilfreich ist, während jede Antwort, sei sie gut oder schlecht, im Sinne des Bösen gedeutet wird, zur Verurteilung des anderen und zu seiner eigenen Rechtfertigung. Selig sind, die gelernt haben, ihre Zunge zu beherrschen.
O Herr Jesus Christus, unser Gott, Der Du uns ein Beispiel dafür gegeben hast, wie und wann man spricht und wann man schweigt, hilf uns durch Deinen Heiligen Geist, nicht mit unseren Zungen zu sündigen. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen. 

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31.10.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).