26.10.2021

13.10.2021

Gedenken

13. Oktober nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. Märtyrer Karpos und Papylos († 251), außerdem Agathodoros und Agathonika; hl. Märtyrer Benjamin der Diakon von Persien († 412); hl. Märtyrerin Zlata (Chrysa) von Meglin († 1796); sowie hl. Märt. Florentios von Thessaloniki (1. bis 2. Jh.); hl. Vanantius von Tours, Gallien († 400); hl. Niketas der Bekenner von Paphlagonien († 838); h. Venjamin vom Kiever Höhlenkloster (14. Jh); hl. Antonios, Metropolit von Chklondidi, Georgien († 1815) und sein Schüler Priestermönch Joseph.

1. Die hll. Märtyrer Karpos und Papylos. Karpos war Bischof von Thyateira und Papylos Diakon. Sie waren beide in Pergamon geboren, wo sie schließlich für den christlichen Glauben aus der Hand des bösen Prokonsuls Valerius unter der Herrschaft des Decius litten. Valerius band sie an Pferde und zog sie nach Sardis, wo sie furchtbaren Torturen unterworfen wurden. Da erschien ihnen ein Engel Gottes, heilte ihre Wunden und stärkte sie. Agathodoros, der Diener Karpos’, folgte seinem Herrn unter großem Schmerz. Valerius verurteilte ihn ebenfalls zur Folter. Wiederum wurden die Heiligen an Pferde gebunden und von Sardis nach Pergamon gezogen. Dort banden sie den hl. Karpos an einen Baum und peitschten ihn so lange, bis sein Leib von Wunden bedeckt war und sein Blut in Strömen floß und den Boden tränkte. Doch Karpos lächelte inmitten dieser schrecklichen Torturen. Als sie ihn fragten, warum er lächle, antwortete der hl. Märtyrer, er sähe die Himmel geöffnet und den Herrn auf Seinem Thron sitzend, umgeben von Cherubim und Seraphim. Als Papylos gemartert wurde, heilte er durch sein Gebet einen Mann, dessen Auge erblindet war, und viele kamen zum Glauben an den Herrn Christus. Den wilden Tieren vorgeworfen, blieben die Märtyrer unversehrt. Dann wurden sie in einen feurigen Ofen geworfen. Karpos’ Schwester sprang auch in das Feuer, doch es verbrannte sie nicht. Schließlich wurden alle mit dem Schwert im Jahre 251 enthauptet. So empfingen sie nach gerechtem Kampf die Krone der Herrlichkeit im Reich Gottes.

2. Der hl. Hieromärtyrer Benjamin der Diakon, dieser Soldat Christi, war ein Perser, der voller Eifer das Evangelium predigte und viele Heiden – Perser wie Griechen – zum christlichen Glauben brachte. Er erlitt das Martyrium während der Herrschaft des persischen Königs Yezdegeherd um das Jahr 412. Als er ins Gefängnis geworfen wurde, verteidigte ihn einer der Edelleute des Königs vor diesem. Der König entließ ihn daraufhin unter der Bedingung, daß er nicht länger Christus den Menschen verkündigen dürfe. Benjamin erwiderte voller Mut: „Dies kann ich nicht aufgeben. Denn wer das Talent, das er empfangen hat, versteckt, wird in große Qual geworfen“, und er fuhr fort, den Glauben zu verbreiten. Der König ergriff ihn und befahl, Dornen unter seine Nägel zu treiben. Dann unterzog man ihn weiteren Torturen, und er übergab seine Seele Gott.

3. Die hl. Großmärtyrerin Zlata (Chrysa) von Meglin war ein Kind armer Bauern (die noch drei andere Töchter hatten) im Dorf Slatina in der Provinz Meglin. Sie war ein sanftes und frommes Mädchen, weise in der Weisheit Christi und golden – nicht nur im Namen (zlato: golden), sondern auch in ihrem gottesfürchtigen Herzen. Einmal, als sie hinausging, um Wasser zu holen, ergriffen sie einige schamlose Türken und nahmen sie mit zu sich nach Hause. Als einer von ihnen sie bedrängte, Muslimin und seine Frau zu werden, erwiderte Zlata furchtlos: „Ich glaube an Christus, und Ihn allein kenne ich als meinen Bräutigam. Niemals werde ich Ihn verleugnen, auch nicht, wenn ihr mich tausend Foltern unterwerft und in Stücke schneidet.“ Als ihre Eltern und Schwestern sie fanden, sagten ihre Eltern zu ihr: „O Tocher, hab Erbarmen mit dir und mit uns, deinen Eltern und Schwestern; verleugne Christus nur in Worten, so daß wir alle glücklich sein können, denn Christus ist barmherzig. Er wird eine solche Sünde vergeben, die aufgrund der Notwendigkeiten des Lebens begangen wird.“ Ihre armen Eltern, Schwestern und Verwandten weinten bitter. Doch die edle Seele der hl. Zlata widerstand solch einer teuflischen Falle. Sie antwortete ihnen: „Wenn ihr mir ratet, ich solle Christus, den wahren Herrn, verleugnen, seid ihr nicht länger meine Eltern oder Schwestern. Ich habe den Herrn Jesus Christus als meinen Vater, die Gottesgebärerin als meine Mutter und die Heiligen als meine Brüder und Schwestern.“ Die  Türken warfen sie daraufhin drei Monate lang ins Gefängnis, peitschten sie jeden Tag aus, bis ihr Blut den Boden tränkte. Schließlich hängten sie sie kopfüber auf und entzündeten ein Feuer unter ihr, um sie mit dem Rauch zu ersticken. Doch Gott war bei Zlata und gab ihr in ihrem Leiden Kraft. Zuletzt hängten sie sie an einen Baum und schnitten sie in kleine Stücke. Auf diese Weise übergab im Jahre 1796 diese mutige Jungfrau Gott ihre Seele und ging ein ins Paradies. Teile ihrer Reliquien wurden von Christen als Segensgabe in ihre Häuser mitgenommen. 

Lobeshymne

Die heilige Großmärtyrerin Zlata von Meglin

Die Türken marterten die heilige Zlata vom goldenen Herzen,
Folterten sie zu Tode um Christi, des Lebendigen Gottes willen.
Die goldene Zlata weinte nicht, noch schwankte sie,
Sondern übergab ihr ganzes Herz dem Herrn des Himmels.
Die Tränen der Eltern und Schwestern waren vergeblich:
Zlata suchte die Freude durch das Leiden, die wahre Freude –
Die Freude, die Christus für weise Jungfrauen vorbereitet,
Die Freude, die der Bräutigam treuen Bräuten gewährt.
Zerstört wurde die Höhle – der Leib der goldenen Zlata,
Doch ihre Seele wurde befreit aus dem zerbrechlichen Gefängnis.
Zlata erhob sich ins Paradies, freudig in der Seele,
Und nahm ihren Platz ein unter den königlichen, heiligen Engeln.
Die hl. Zlata, einst ein armes Bauernmädchen,
Wird jetzt im Paradies verherrlicht wie eine Königin.

Betrachtung

Es gibt nichts Erbärmlicheres als einen Menschen, der in der Stunde der Not die Hoffnung auf Gott aufgibt und zu Mitteln Zuflucht nimmt, um Sicherheit zu erlangen, die im Gegensatz zum Gesetz Gottes stehen. Es wird einem solchen Menschen nicht nur nicht gelingen, sich zu retten und seine äußeren Umstände zu ordnen, er wird auch noch seine Seele verlieren. Dies widerfuhr dem Kaiser Michael Paleologos. Um sein Reich zu sichern, das von den Serben und Bulgaren bedroht wurde, suchte er Hilfe beim Papst und schloß mit ihm eine Union im Jahre 1274. Was wurde dadurch gewonnen? Das Reich wurde nicht gerettet, und er vollbrachte zahlreiche böse Taten, wobei er bald darauf im Feldzug gegen Fürst Dukas von Epiros im Jahre 1282 ein unglückliches Ende fand. Die Orthodoxen hatten ihm gegenüber eine derart schlechte Einstellung, daß es sein Sohn Andronikos nicht wagte, ihn öffentlich zu beerdigen, sondern ihn in der Nacht ohne Gottesdienst und Gebete begrub. Er wurde von der Orthodoxen Kirche zurückgewiesen und von den Römern nicht aufgenommen, und so starb Michael außerhalb der Kirche Gottes. Seine Gemahlin, die Kaiserin, veröffentlichte nach seinem Tod folgende Erklärung: „Meine kaiserliche Majestät haßt und betrachtet als abscheulich diese Handlung (die Union), die vor kurzem über die Kirche gekommen ist und so viel Zwietracht verursacht hat... Da die heilige Kirche Gottes bestimmt hat, keinerlei offizielles Gedenken meines verstorbenen Gemahls, unseres Herrn und Kaisers, zu segnen, so beugt sich auch meine Majestät aufgrund seiner früheren Handlungen und Intrigen in allen Dingen der Furcht Gottes und unterwirft sich der Heiligen Kirche, billigt ihren Erlaß und erkennt ihn an und wird sich niemals erlauben, der Seele meines Herrn und Gemahls auf irgendeine Weise zu gedenken.“

Zum Nachdenken

Laßt uns über die wundersame Strafe nachdenken, mit der der Apostel Petrus Hananias bestrafte (Apg 5):
1. Wie Hananis und dann seine Frau Saphira logen und Geld zurückbehielten;
2. Wie der Apostel Petrus sie anklagte und beide – zuerst der eine, dann die andere – zu Boden stürzten und starben.

Homilie

Über die Last der Sünde und die Befreiung von ihr

Selig, denen das Unrecht erlassen
und denen die Sünden bedeckt sind!
(Ps 31,1)

Aus der Sünde werden Furcht und Verwirrung und Schwäche und Krankheit und die Verfinsterung des Geistes geboren. Durch die Sünde bringt der Mensch andere Menschen gegen sich auf, verwirrt sein eigenes Gewissen, sammelt Dämonen um sich und gibt ihnen Waffen, mit denen sie ihn schlagen. Durch die Sünde trennt sich der Mensch von Gott, entfernt sich von seinem Schutzengel und schottet sich gegen die Quelle alles Guten ab. Begangene Sünde bedeutet eine Kriegserklärung gegen Gott und die göttlichen Mächte. Dies ist unglaublicher, als würde ein Herbstblatt Krieg gegen den Wind erklären. Es ist eine unglaubliche Sache für einen Menschen, gegen Gott den Krieg zu erklären. Diese Erklärung bedeutet baldige Niederlage und Zerstörung, wenn der Mensch nicht zu sich kommt, bereut und zu Gott flieht, um Erbarmen zu erlangen.
Der große König David war sich gut dieser schrecklichen Situation bewußt, in der sich ein Sünder befindet, und er beschrieb sie selbst. Er empfand große Furcht und Not, Schwäche und Einsamkeit; er spürte die Pfeile der Menschen und Dämonen. Doch David, seines schrecklichen Zustandes bewußt, erkannte seine Sünde an, warf sich in Asche vor Gott nieder, bewässerte den Boden mit Tränen der Reue, mit Worten der Qual, die wie Feuer brannten, und flehte den barmherzigen Gott an, ihm zu vergeben. Als ihm alles vergeben war, empfand er eine unbeschreib-liche Seligkeit. Er konnte keine Worte finden, um diese Seligkeit der Seele, der vergeben wurde, zu beschreiben. Er konnte nur die Bestandteile seiner Erfahrung beider Zustände verkünden, herausar-beiten und bestätigen: Selig, denen das Unrecht erlassen und denen die Sünden bedeckt sind! Was für eine Seligkeit ist dies? Freiheit und Mut und unbeschreibliche Freude, Stärke und Gesundheit, Klarheit des Denkens und ein ruhiges Gewissen, Hingabe und Danksagung an Gott, Liebe zum Nächsten und ein Empfinden von Lebendigkeit. Kurz: Licht, Freude, Stärke – das sind die Segnungen. Dies sind die Seligkeiten, die derjenige, dessen Sünde vergeben ist, auf Erden empfindet. Doch welche Seligkeiten erwarten ihn im Himmel, die das Auge nicht gesehen, noch das Ohr gehört hat, und die nicht in das Herz des Menschen gedrungen sind (1 Kor 2,9)?
O Herr, unser Gott, vergib unsere Ungerechtigkeit und bedecke unsere Sünde in Deinem endlo-sen Erbarmen. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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26.10.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).