12.01.2021

30.12.2020

Gedenken

30. Dezember nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Märtyrerin Anysia († 298); hl. Theodora von Konstantinopel († 940); hl. Apostel Timon; hl. Theodora von Cäsarea († 755); hl. Märtyrer Gideon († 1818); sowie hl. Apostel Timon der Diakon (1. Jh.); hl. Märt. Philotheros u. mit ihm sechs Soldaten; hl. Märt. Zotikos von Konstantinopel, Ernährer der Waisen (4. Jh.); hll. Märtt. Magistrianus, Paulinus, Umbrius, Verus, Severus, Kallistratos, Florentius, Arianus, Anthimos, Ubricius, Isidor, Euculos, Sampson, Studios u. Thespesios, die unter Julian dem Apostaten das Martyrium erlitten (4. Jh.); hl. Tryphon, Bischof von Rostov († 1468); hl. Makarij, Metropolit von Moskau († 1563); Erhebung der Reliquien des hl. Daniil v. Perejaslavl’; hl. Egwin, Bischof von Worcester († 717); hl. Archimandrit Leo.

1. Die heilige Märtyrerin Anysia wurde in Thessaloniki geboren von angesehenen und reichen Eltern und im christlichen Glauben erzogen. Sie wurde in jungen Jahren Waise und überließ sich völlig gottgemäßen Gedanken und Gebeten in ihrem eigenen Haus. Glühend in der Liebe zu Christus sagte sie oft: „O wie trügerisch ist das Leben der Jugend, denn entweder verursacht man Ärgernis oder erleidet es. Besser ist das Alter; doch es überkommt mich Kummer über die Länge der Zeit, die mich vom Himmel trennt.“ Sie verkaufte ihren ganzen Besitz, verteilte den Gewinn an die Armen und lebte von der Arbeit ihrer eigenen Hände. Sie hielt ein striktes Fasten, schlief sehr wenig und vergoß ständig Tränen im Gebet. Wenn sie der Schlaf überkam, sagte sie zu sich: „Es ist gefährlich zu schlafen, wenn der Feind wacht.“ Zu jener Zeit gab der boshafte Kaiser Maximian ein Dekret heraus, daß jeder Christen töten dürfe, wann und wo er ihnen begegnete, ohne Gerichts-verhandlung oder Urteil. Diese hl. Jungfrau ging einstmals hinaus in die Straßen, um am Gottes-dienst teilzunehmen. An jenem Tag fand ein heidnisches Sonnenfest statt. Ein Soldat bemerkte ihr schönes Aussehen und nahte sich ihr mit unreiner Begierde. Er fragte sie nach dem Namen. Sie machte das Zeichen des Kreuzes und sagte zu ihm: „Ich bin eine Magd Christi, und ich gehe zur Kirche.“ Als ihr der unverschämte Soldat näherkam und auf sie einzureden begann mit wahnsinniger Begierde, stieß sie ihn fort und spuckte ihm ins Gesicht. Der Soldat schlug sie mit seinem Schwert unterhalb der Rippen und durchbohrte sie. Diese heilige Jungfrau litt im Jahr 298. Sie wurde von Christen ehrenvoll begraben und mit dem Kranz der Herrlichkeit von Gott bekränzt im Himmlischen Reich. Eine Kirche wurde über ihrem Grab errichtet.

2. Die gottgeweihte Theodora von Konstantinopel war eine Nonne und Dienerin des hl. Basileios des Neuen (26. März). Nach ihrem Tod erschien sie dem hl. Gregor, einem Schüler von Basileios, und beschrieb ihm alle zwanzig Zollstationen, die ihre Seele durchlaufen hatte, bis sie durch die Gebete des hl. Basileios in die ewige Ruhe einging. Theodora trat vor den Herrn am 30. Dezember 940.     

3. Der hl. Apostel Timon war einer der Sieben Diakone und einer der Siebzig Apostel (Apg 6,5). Er wurde zum Bischof von Bostra in Arabien ernannt. Dort verkündete er das Evangelium und erlitt viele Mißhandlungen aus der Hand der Heiden. Er wurde ins Feuer geworfen, blieb aber unbeschadet. Schließlich wurde er gekreuzigt, starb und ging ein ins Reich Christi.

4. Die gottgeweihte Theodora von Cäsarea. Nach vielen asketischen Mühen im Kloster der hl. Anna entschlief sie in Frieden im Jahr 755.

5. Der gottgeweihte Märtyrer Gideon war ein Grieche und Kind armer Eltern. In seiner Jugend war er gezwungen, den Islam anzunehmen. Später bereute er und floh auf den Heiligen Berg, wo er die Mönchsweihe empfing im Kloster Karakallou. Er sehnte sich nach dem Martyrium für Christus, empfing den Segen von seinem geistigen Vater und kehrte an denselben Ort zurück, wo er Moslem geworden war. Dort bekannte er vor den Türken offen den christlichen Glauben und klagte Mohammed als falschen Propheten an. Die Türken schoren seinen Kopf, setzten ihn kopfüber auf einen Esel und führten ihn so durch die Stadt. Doch er freute sich über die Verspottung um Christi willen. Dann hackten sie ihm alle Finger und Zehen mit einer Axt ab, wie sie es einstmals beim hl. Jakobus dem Perser getan hatten (27. Nov.). Schließlich warfen sie ihn in eine Grube voller Exkremente, wo er seine heilige Seele Gott in Trnovo in Thrakien übergab. Seine wundertätigen Reliquien werden in der Kirche der Heiligen Apostel in der Ortschaft Trnovo aufbewahrt, und ein anderer Teil davon befindet sich im Kloster Karakallou.

Lobeshymne

Die heilige Märtyrerin Anysia

Die heilige Anysia betet zu Gott;
Immerfort kniet sie und vergießt Tränen:
„O Jesus, Gott und Herr,
Quelle des ewigen Lebens,
Schatz der unvergänglichen Güter:
Hilf mir, o Gott, hilf mir,
Eine Jungfrau zu bleiben bis zum Tod,
Als eine Jungfrau zur ewigen Ruhe einzugehen
Und würdig Deines Reiches zu werden.
Gewähre mir, o Erlöser, Deine Gnade,
Um für Dich leiden zu können,
Um mich für Dich zu opfern.
Ich wünsche, ein Opfer für meinen Gott zu sein –
O hilf mir zu erlangen, was ich ersehne!“
Gott erhörte die Jungfrau Anysia
Und gab ihr Seine Gnade,
Daß sie für Ihn zu leiden vermochte.
Die heilige Anysia, leuchtet jetzt im Paradies
Als ein Stern unter den Sternen,
Leuchtet wie ein Engel unter den Engeln
Und betet für uns zum unsterblichen Christus.
   

Betrachtung

Hier sind zwei weitere Beispiele dafür, wie unser barmherziger Gott jenen hilft, die in ihrer Not auf Ihn mit Glauben hoffen. Die selige Theodora von Cäsarea wurde in ein Adelshaus geboren und in das Kloster der hl. Anna zur Erziehung gegeben. Theodora wurde dort nicht nur erzogen, sondern sie übte sich auch in der Askese, bereitete sich darauf vor, die Weihe zur Nonne zu empfangen. Kaiser Leo der Isaurier holte sie mit Gewalt aus dem Kloster und verlobte sie mit einem seiner Befehlshaber. Theodora leistete aus ganzer Seele gegen diese Heirat Widerstand, war aber so machtlos wie ein Lamm in den Fängen des Wolfs. Sie klagte und betete fortwährend zu Gott in ihrem Herzen, daß Er sie nicht verlassen möge. Am Tag ihrer Hochzeit, während die Gäste schon feierten, traf die Nachricht vom Kaiser ein, daß die Skythen in das Reich eingefallen seien, verbunden mit dem Befehl an den Kommandeur, sich sofort mit der Armee auf den Weg zu machen, um ihnen Widerstand zu leisten. Der Befehlshaber ging fort und kehrte niemals zurück; er fand in der Schlacht den Tod. Somit wurde durch Gottes Hilfe Theodora befreit und kehrte als reine Jungfrau in ihr Kloster zurück, wo sie das Gewand empfing und für ihre außerordentliche Askese bekannt wurde.
Ein zweites Beispiel: Im Kloster der „Nichtschlafenden“ herrschte während eines Hungerjahres große Not. Der hl. Markellos, der Abt, beherbergte eines Tages einige arme Männer und bewirtete sie. Dann wollte er ihnen etwas für ihre Reise geben. Er fragte den Schatzmeister des Klosters, wie viel Geld sie insgesamt besäßen, und dieser erwiderte, sie hätten zehn Silberstücke. Der Abt sagte ihm, er solle alle zehn Silbermünzen den armen Männern geben; doch der Schatzmeister gab ihnen nicht alle. Er gab ihnen neun und behielt eine zurück für die Bedürfnisse des Klosters, da die Lage sehr ernst war. Plötzlich besuchte ein reicher Mann das Kloster und brachte dem Abt neunzig Talente Gold. Da rief der hellsichtige Markellos den Schatzmeister und sagte zu ihm: „Sieh, Gott hatte vorgehabt, uns durch diesen frommen Mann hundert Talente zukommen zu lassen, doch da du mir nicht gehorcht und ein Silberstück zurückbehalten hast, hielt Der, Der für alles vorsieht, auch zehn Talente zurück.“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Versammlung (Chor) der Asketen und Jungfrauen:
1. Wie sie aus Liebe zu Christus der Welt entsagten und freiwillige Leiden auf sich nahmen;
2. Wie sie sich selbst, die Welt und den Teufel durch ihre ausdauernde Langmut besiegten;
3. Wie sie jetzt im Reich Christi singen und uns durch ihre Gebete helfen.

Homilie

Über das Königreich der Heiligen

Das Königtum aber werden die Heiligen des Höchsten erhalten, und sie werden es behalten für immer und ewig.
(Daniel 7,18)

Erniedrigt und bedrängt in den Königreichen dieser Welt, werden die Heiligen auf ewig im himm-lischen Reich herrschen. Auf Erden die Letzten, werden sie voller Freude die Ersten im Himmel sein. Hungrig und durstig und barfuß und schutzlos in vergänglichen Reichen, werden sie als die Söhne des Königs, adoptiert und gekleidet in königliche Gewänder, im bleibenden Reich sein. Fremdlinge im Reich der Verwesung, werden sie Herren im eigenen Reich sein, im Königreich der Unverwes-lichkeit. Dies ist das letzte Königreich, und in Wahrheit das einzige, das man als Königreich bezeichnen kann. Alles andere ist eine vergängliche, zeitliche Schule, voller Täuschung und Eitelkeit. Für das ewige Reich wurden die Heiligen hier auf Erden aus den Einwohnern aller irdischen Reiche im Verlauf der Jahrhunderte rekrutiert. Sie sind die Söhne und Töchter Christi des Erlösers, die Kinder des Lebendigen Gottes. Sie sind jene, die aus diesem Leben ins nächste übergegangen sind. Jetzt herrschen sie. Doch der volle Glanz ihrer Herrschaft und Majestät ist noch nicht offenbar geworden. Dies wird man beim Zweiten Kommen Christi sehen, des Richters über die Lebenden und die Toten. Dann wird die ganze Pracht und Majestät des Königreiches der Heiligen offenbar werden: das ewige Reich Christi unseres Gottes. Dieses Reich wird sich nicht verändern oder enden „in den Ewigkeiten der Ewigkeiten“.
O Herr Jesus, Schöpfer des Reichs der Heiligen, sei uns Sündern gnädig zugeneigt und bereite uns auf das ewige Reich Deiner Heiligen vor. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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12.01.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).