13.08.2020

31.07.2020

Gedenken

31. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Eudokimos (9. Jh.), hl. Märtyrerin Julitta († 303); hl. Joseph von Arimathäa; hl. Johannes, Exarch von Bulgarien (Anfang 10. Jh.); sowie hl. Germanus, Bischof v. Auxerre († 448); hl. Arsenios, Bischof von Ninotsminda, Georgien († 1082); hl. Neumärt. Dionysios v. Vatopedi, Berg Athos († 1822); hl. Neumärt. Venjamin, Metropolit v. Petrograd und jene mit ihm: Archimandrit Sergij und Georg u. Ioann v. Petrograd († 1922); hl. Neumärt. Bischof Vasilij von Kinešma († 1945); hl. Neot, Eremit in Cornwall († ca. 877); Weihe der Kirche d. Allheiligsten Gottesmutter v. Blachernae; Überführung der Gebeine d. Apostels Philipp nach Zypern.

1. Der hl. Eudokimos wurde von frommen Eltern namens Basileios und Eudokia in Kappadokien geboren. Unter Kaiser Theophilos (829-842) war Eudokimos ein junger Offizier in der Armee. Sogar als Offizier setzte er alle Anstrengung daran, gemäß den Geboten des Heiligen Evangeliums zu leben. Er bewahrte seine Reinheit unbefleckt, vermied das Gespräch mit jeder Frau, abgesehen von seiner Mutter. Er war barmherzig gegenüber den Unglücklichen und Bedürftigen, gewissenhaft in der Lektüre heiliger Bücher und noch gewissenhafter in seinen Gebeten zu Gott. Er vermied eitle Versammlungen und Geschwätzigkeit. „Inmitten der Menschenmengen und weltlicher Eitelkeit war er wie eine Lilie unter Dornen und wie Gold im Feuer.“ Aufgrund seiner ungewöhnlich guten Werke ernannte ihn der Kaiser zum Befehlshaber von Kappadokien. In seiner hohen Stellung strebte Eudokimos danach, gerecht vor Gott und den Menschen zu sein. Gemäß der Vorsehung Gottes starb er in frühem Alter, in seinem dreiunddreißigsten Jahr. Seine Reliquien erwiesen sich als heilkräftig. Ein Wahnsinniger berührte sein Grab und wurde sogleich gesund; ein Kind berührte ebenfalls sein Grab und genas. Nach achtzehn Monaten öffnete die Mutter des hl. Eudokimos dessen Sarg und fand seinen Leib wie noch lebendig vor, ohne jedes Anzeichen von Zersetzung oder Verwesung. Ein wundervoller Duft entströmte dem Leib des Heiligen. Seine Reliquien wurden später nach Konstantinopel überführt und in der neuen Kirche der Allheiligsten Gottesgebärerin beigesetzt, die die Eltern des gerechten Eudokimos bauten.

2. Die hl. Märtyrerin Julitta stammte aus Caesarea in Kappadokien. Sie hatte einen Streit mit ihrer Nachbarin über einen Besitz. Die Nachbarin zog vor Gericht und berichtete, daß Julitta eine Christin sei, was zu jener Zeit bedeutete, außerhalb des staatlichen Schutzes zu stehen. Die hl. Julitta trennte sich mit Freude eher von ihrem Besitz als von ihrem Glauben. Doch auch noch danach ließen sie die boshaften Heiden nicht in Frieden, sondern folterten sie und verbrannten sie schließlich lebendig. Dies geschah im Jahr 303. So opferte diese Nachfolgerin Christi ihren Besitz und ihren Leib um der ewigen Rettung ihrer Seele willen.

3. Der hl. Joseph von Arimathäa. Der edle Joseph, ein reicher Mann und Mitglied des jüdischen Hohen Rats, war insgeheim ein Anhänger Christi. Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Joseph; auch er war ein Jünger Christi (Mt 27,57). Joseph aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen (Jh 19,38). Zusammen mit Nikodemus nahm Joseph den Leib Christi vom Kreuz und legte ihn in sein Grab. Deswegen wurde er von den Hebräern in Fesseln gelegt und ins Gefängnis geworfen. Doch der auferstandene Herr erschien ihm und überzeugte ihn von Seiner Auferstehung. Danach entließen ihn die Hebräer aus dem Gefängnis und verbannten ihn aus seiner Heimat. Er durchreiste die Welt und verkündete das Heilige Evangelium Christi, und diese „Gute Nachricht“ brachte er auch nach England, wo er entschlief.

4. Der hl. Johannes der Exarch war ein angesehener bulgarischer Priester und Theologe während der Zeit des Kaisers Symeon (892-896). Er übersetzte das „Haexemeron“ („Sechs-Tage-Werk“) des hl. Basileios des Großen und die „Darlegung des orthodoxen Glaubens“ vom hl. Johannes Damaskenos. Er entschlief in Frieden im Herrn.

Lobeshymne

Der heilige Joseph von Arimathäa

Joseph, ein adliger und reicher Mann,
Nahm kein Ärgernis an Christus dem Gekreuzigten,
Sondern ging zu Pilatus, als sich die Sonne verfinsterte
Und die Erde erschüttert ward, und brachte ihm die Nachricht,
Daß der Herr gestorben war, der Lebenspendende Herr,
Und so wurde der verborgene Jünger öffentlich,
Als sich der Öffentliche verbarg, wurde der Verborgene öffentlich,
Und so wurde Joseph, der Weise, an einem einzigen Tag berühmt.
Und zusammen mit Nikodemus legte er den Leib Christi
In seinem Garten in ein neues Grab.
Die hebräischen Spitzel hörten davon, berichteten es
Und legten den gerechten Joseph in Ketten.
Im dunklen Kerker schmachtete Joseph,
Als sein Herr im Hades erstrahlte.
Joseph durchforschte sein Gedächtnis nach Christus,
Erinnerte sich an Seine wunderbaren Werke,
Wunder und Worte und viele Prophezeiungen,
Vor Ihm stand er in Gottes Gegenwart –
Jetzt aber war Finsternis überall, außen wie innen,
Dunkle Tage, Nächte, Abende und Morgen.
Nach einem glühenden Blitz, der aus der Sonne aufstrahlte,
Nun verzweifelte Finsternis, dunkler als Hades?!
Doch siehe, plötzliche Dämmerung im Kerker:
Der Auferstandene erschien dem gefesselten Knecht.
O Joseph, tapfer und edel,
Auch am Auferstandenen nahmst du kein Ärgernis.
Über den toten Christus sprachst du zu Pilatus
Und anerkanntest und verherrlichtest den Auferstandenen.
Möge das Land Britannien dich ehrenvoll verherrlichen,
Denn du pflanztest den ersten Samen der Rettung dort ein. 

Betrachtung

Die Asketen in der Wüste bemühen sich, ihren eigenen Willen zu brechen und gemäß dem Willen Gottes zu leben. Manche meinen fälschlicherweise, ein Einsiedler würde völlig allein leben. Aber so etwas denkt kein Einsiedler. Er lebt in der Gemeinschaft mit Gott und mit Seinen Engeln und den entschlafenen Heiligen. Wo der Geist des Menschen ist, dort ist sein Leben. Der Geist des Einsiedlers ist auf die höchste, reinste und umfassendste Gemeinschaft gerichtet, in der sich ein Mensch befinden kann. Einmal tadelte Altvater Markos den hl. Arsenios den Einsiedler: „Aus welchem Grund fliehst du unsere Gesellschaft und das Gespräch mit uns?“ Arsenios erwiderte: „Gott weiß, daß ich euch liebe, aber ich kann nicht zugleich bei Gott und bei den Menschen sein. Die Tausende und Zehntausende oben haben einen einzigen Willen, die Menschen aber viele Willensneigungen. Ich kann also nicht Gott verlassen und zu den Menschen kommen.“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Strafe, die Gott über Abimelech und die Einwohner von Sichem kommen ließ (Richter 9):
1. Wie Abimelech mit Hilfe der Männer von Sichem siebzig seiner Brüder ermordete;
2. Wie Abimelech selbst dann die Männer von Sichem tötete, die Stadt umpflügte und sie mit Salz besäte;
3. Wie Abimelech nach vielen Siegen von einer Frau getötet wurde, die ein Stück Mühlstein von einem Turm herunter auf seinen Kopf warf;
4. Wie der Fluch von Jotham, dem Sohn Gideons, auf Abimelech und die Männer von Sichem kam.

Homilie

Über die letzte Erwartung

Weil ihr das erwartet, liebe Brüder, bemüht euch darum, von Ihm
ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.
(2 Petr 3,14)

Was ist unsere letzte Erwartung, meine Brüder? In der Nacht erwarten wir den Tag; am Tag erwarten wir die Nacht, und wieder den Tag, und wieder die Nacht. Doch diese Erwartungen sind nicht unsere letzte Erwartung. Was ist unsere letzte Erwartung, meine Brüder? In der Freude erwarten wir bangend das Leid, im Leid erwarten wir mit Hoffnung die Freude, und wieder Kummer, und wieder Freude. Doch diese Erwartung ist nicht unsere letzte Erwartung. Unsere letzte Erwartung, meine Brüder, ist die Erwartung von Gottes Gericht. Wenn das Gericht Gottes kommt, jener schreckliche Tag, „der wie ein Feuerofen glüht“, dann werdet ihr erhalten, was ihr verdient: für einige ein Tag, dem keine Nacht mehr folgen wird, für andere eine Nacht, der kein Tag mehr folgen wird; für einige eine Freude, die sich nicht mehr in Leid verwandelt, für andere ein Leid, aus dem keine Freude mehr entsteht. Dies, meine Brüder, ist die letzte Erwartung des Menschengeschlechts, ob es dies nun weiß oder nicht, ob es nun darüber nachdenkt oder nicht.
Ihr aber, die Gläubigen, ihr müßt dies wissen und darüber nachdenken. Möge dieses Wissen der Gipfel eures ganzen Wissens sein, und möge dieser Gedanke alle eure anderen Gedanken leiten. Durch das Wissen und das Nachdenken darüber fügt ihr auch das Wichtigste hinzu: euer Streben, ohne Makel und Fehler und in Frieden zu sein. Strebt danach, ohne Flecken im Geist und Herzen zu sein, makellos im Gewissen und in Frieden mit Gott. Nur so wird die letzte Erwartung nicht unerwartet über euch kommen, noch wird sie euch in eine Nacht ohne Tag und in ein Leid ohne Freude werfen. Wie alles im Leben des Herrn Jesus für die Menschen unerwartet geschah, so wird Sein zweites Kommen in Macht und Herrlichkeit unerwartet geschehen. Seine Geburt aus der allreinen Jungfrau geschah unerwartet, wie auch Seine Armut, Seine Wunder, jede Handlung und jedes Seiner Worte, Seine Erniedrigung, Sein freiwilliger Tod, Seine Auferstehung und Himmelfahrt, die Kirche und die Verbreitung des Glaubens an Ihn – all dies geschah unerwartet. Sein zweites Kommen wird unerwartet geschehen, noch unerwarteter als alles andere.
O Herr, gerechter Richter, wie können wir Dir begegnen, solange wir nicht in Reinheit und Makellosigkeit und in Frieden gekleidet sind? Hilf uns, Herr; hilf uns, daß wir uns soweit wie möglich auf die furchtbare Begegnung mit Dir vorbereiten. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

<
13.08.2020
>
Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).