23.05.2020

10.05.2020

Gedenken

10. Mai nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Apostel Simon der Zelot; hll. Märtyrer Alphäus, Philadelphus und Kyprian und andere auf Sizilien (Auffindung der Reliquien 1517); hl. Isidora, Närrin in Christo († ca. 365); hl. Thaïs von Ägypten (5. Jh.); sowie hl. Märt. Hesychios v. Antiochia (4. Jh.); hl. Lautios in Ägypten; hl. Laurentios, Mönch, v. Ägypten (6. Jh.); hl. Simon, Bischof v. Vladimir u. Suzdal’ (Kiever Höhlenkl.) († 1226); hl. Simon v. Jur’ev, Narr in Christo († 1584); Überführung der Gebeine (1670) d. hl. Märt. Vasilij v. Magnesia (Sibirien) († 1602); hl. Sinesij v. Irkutsk, Freund d. hl. Sophronij († 1787); hl. Conleth, Einsiedler und Bischof von Kildare († ca. 520); hl. Comgal, Gründer des Klosters Bangor in Irland († 601).

1. Der hl. Apostel Simon der Zelot war einer der Zwölf Großen Apostel. Er wurde in Kana in Galiläa geboren. Der Herr Jesus kam mit Seiner Mutter und Seinen Jüngern zu seinem Hochzeitsfest. Als der Wein ausging, verwandelte der Herr Wasser in Wein (Jh 2,1-11). Als der Bräutigam Simon Zeuge dieses Wunders wurde, verließ er sein Heim, seine Eltern und die Braut und folgte Christus nach. Zelot bedeutet Eiferer. Simon wurde Zelot genannt wegen seines großen und feurigen Eifers für den Erlöser und Sein Evangelium. Nachdem er die Gabe des Heiligen Geistes erhalten hatte, ging Simon daran, das Evangelium in Mauretanien in Afrika zu verkünden. Da es ihm gelang, viele zum Glauben an Christus zu bekehren, wurde er gemartert und schließlich gekreuzigt wie sein Herr, Der für ihn einen Kranz der Herrlichkeit im ewigen Reich bereitet hatte.

2. Die hll. Märtyrer Alphäus, Philadelphus und Kyprian waren Brüder und Söhne des Fürsten Vitalis in Süditalien. Sie waren Männer aus dem Adel und stark im Glauben. Verurteilt für ihren Glauben an Christus wurden sie von einem Richter zum nächsten gebracht, von einem Folterer zum nächsten. Dann brachte man sie nach Sizilien, wo sie unter der Herrschaft des Kaisers Licinius getötet wurden. Alphäus’ Zunge wurde abgeschnitten, und er starb durch den starken Blutverlust. Philadelphus wurde auf einem eisernen Feuerrost verbrannt und Kyprian im Feuer. Ihre unverwe-sten Reliquien wurden im Jahr 1517 entdeckt. Die drei Brüder erschienen der hl. Euthalia (2. März).

3. Die gottgeweihte Isidora, Närrin in Christo, lebte im fünften Jahrhundert und war eine Nonne in einem Kloster in Tabennisi. Sie gab vor, geistesgestört zu sein, um ihre Tugenden und ihre Askese zu verbergen. Isidora erfüllte die niedrigsten Arbeiten, ernährte sich von den Essensresten auf den Tellern, diente allen und jedem und wurde von allen und jedem verachtet. Zu jener Zeit offenbarte ein Engel Gottes dem großen Asketen Pitirim Isidoras Geheimnis. Pitirim kam in das Kloster, und als er Isidora sah, verbeugte er sich tief bis auf den Boden vor ihr – und sie ebenso vor ihm. Die Schwestern teilten Pitirim mit, sie sei verrückt. „Ihr seid alle verrückt“, erwiderte Pitirim, „und diese ist größer vor dem Herrn als ich und ihr alle; ich bete nur zu Gott, daß Er mir gewähren möge, was für sie bestimmt ist beim Furchtbaren Gericht!“ Da wurden die Schwestern beschämt und baten sowohl Pitirim als auch Isidora um Vergebung. Von da an begannen alle, Isidora große Achtung zu erweisen. Und sie, um der Ehre der Menschen zu entgehen, entfloh aus dem Kloster zu einem unbekannten Ort und starb dort im Jahr 365.

4. Die sel. Thaïs war eine reiche Christin in Ägypten. Sie entschied, nicht zu heiraten, und verteilte ihren Besitz unter den Mönchen der Wüste. Als sie ihren ganzen Besitz ausgegeben hatte, begann sie ein lasterhaftes Leben zu führen. Als die Einsiedler davon erfuhren, baten sie Abba Johannes Kolobos zu ihr nach Alexandria zu gehen. Als er ihr begegnete, begann er vor ihr zu weinen. Als sie vernahm, daß der Altvater wegen ihrer Sünden weinte, bereute sie augenblicklich, verließ das Haus und alles, was sie besaß, und ging zusammen mit dem Heiligen in die Wüste. Eines Nachts, als Thaïs schlief und Johannes im Gebet stand, sah er Engel, die mit einem großen Licht aufstiegen und Thaïs’ Seele mitnahmen. Johannes erfuhr, daß ihre kurze, aber inbrünstige Reue Gott wohlgefälliger war als die langen Jahre äußerlicher Reue vieler Eremiten.

Lobeshymne

Der gottgeweihte Pitirim

In der Wüste betete der Asket Pitirim
Zu Gott und fragte sich:
„In der Welt, gibt es da jemanden, der mir gleicht?“
Da erschien ein Engel Gottes
Und tadelte Pitirim auf sanfte Weise:
„In deinen Gedanken rühmst du dich, Altvater,
Als gäbe es in der Welt keinen Besseren.
Komm, folge mir, Altvater Pitirim,
Komm, folge mir, um eine betagte Frau zu sehen.
Isidora machte sich zur ‚Närrin in Christ’.
Sieh sie an und staune:
Ihr Herz entfernt sie nie von Gott,
All ihre Gedanken bindet sie an Gott,
Und nicht wie du, der du im Leib hier bist
Und in Gedanken an den Enden der Welt!
Und durch all ihre asketischen Werke, die du siehst,
Mögest du, zu deiner Schande, durch diese Frau beschämt sein!
Und Gottes Weisheit verherrliche,
Die im Unkraut die Rosen speist!“

Betrachtung

Der hl. Ephrem der Syrer wendet sich in einem seiner Gebete mit folgenden Worten an Gott: „An jenem furchtbaren und entsetzlichen Tag wirst Du, o Herr, zu uns Sündern sagen: ‚Ihr Menschen wißt sehr gut, was Ich für euch erduldet habe. Was habt ihr für Mich erduldet?’ Was werde ich, ein Büßer zwar, doch böse, sündig und besudelt, antworten? Die Märtyrer werden auf ihre Wunden, ihr Leiden, die abgetrennten Teile ihrer Leiber und auf ihre Beharrlichkeit bis zum Ende zeigen. Die Asketen werden auf ihre Askese, auf ihr langes Fasten, ihre Nachtwachen, auf ihre Freigebigkeit, ihre Tränen und ihre Beharrlichkeit bis zum Ende zeigen. Doch ich, träge, sündig, gesetzlos, wie ich bin, worauf werde ich zeigen können? Verschone mich, Herr! Verschone mich, o Barmherziger! Verschone mich, o Du Menschenliebender!“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über das Wirken des Heiligen Geistes in den Aposteln:
1. Wie Gott der Heilige Geist aus den Geringen Große macht;
2. Wie Er aus Furchtsamen Furchtlose macht.

Homilie

Darüber, wie die Gerechten Hohn erdulden um des Wortes Gottes willen

Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn.
(Jer 20, 8)

Wer tadelt den Propheten Gottes, den Träger des Wortes Gottes, den Träger der Kraft und Weisheit Gottes? Sein Volk tadelt ihn und sagt zu ihm: „Einen steilen Weg verkündigst du uns. Auch wenn er von Gott ist, werden wir ihn nicht gehen; er ist für uns zu steil.“
Wer tadelt den Trompeter der Stimme Gottes, wenn er Alarm bläst für das Feuer, das in der Ferne schon raucht und sich der Stadt nähert? Die Ältesten des Volkes tadeln ihn und sagen zu ihm: „Warum hältst du nicht den Mund? Das wäre besser für dich und für uns. Das ist kein Feuer, wie du meinst, sondern der Tau von den Bergen!“
Wer tadelt und verhöhnt den Mann Gottes, der von Gott kommt und Seinen Willen verkündet? Seine Frau tadelt ihn und seine Brüder verhöhnen ihn. Sie sagen zu ihm: „Du unterläßt deine Arbeit, die dich ernährt, statt dessen machst du dich an eine fremde Arbeit, die dich demütigt.“
Das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn – so konnte der Prophet sprechen, so auch die Apostel, die Märtyrer, jeder, der voller Eifer für das Wort Gottes und für das Gesetz Gottes ist. Doch keiner von ihnen fürchtete den Tadel oder den Hohn, noch unterließ er es, Zeugnis abzulegen, noch verließ er den Pfad, um sich auf eigensinnige Wege zu begeben. Die ganze sichtbare Welt tadelte sie und schüttete ihren Hohn über ihnen aus; doch Gott stärkte sie und schenkte ihnen innere Freude. Wie der Herr der Welt widerstand, so widerstanden alle Heiligen jenen, die sie tadelten und verhöhnten.
O Allgütiger Herr, stärke uns im Inneren unseres Herzens, damit uns der Tadel nicht beunruhigt und uns der Spott um Deines Namens willen nicht behindert. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

<
23.05.2020
>
Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).