01.09.2022

19.08.2022

Gedenken

19. August nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. Märtt. Andreas Stratilates (Heerführer) u. mit ihm 2593 Soldaten in Kilikien; hl. Theophanes, Neuer Wundertäter von Makedonien (15. Jh.); hll. Märtt. Timotheos, Agapios und Thekla; sowie hl. Pitirim, Bischof von Perm († 1455); Erhebung der Gebeine d. hl. Gennadij, Abt v. Kostroma (1565).

1. Der hl. Märtyrer Andreas Stratilates [der Heerführer] war ein Offizier, Tribun, in der römischen Armee unter Kaiser Maximian. Er war von Geburt Syrer und diente in Syrien. Als die Perser durch ihre Streitmacht das Römische Reich bedrohten, erhielt Andreas den Befehl, mit einem Heer gegen den Feind zu kämpfen. Dabei wurde Andreas zum Heerführer – Stratilates – erhoben. Obwohl Andreas noch nicht getauft war, war er insgeheim ein Christ und vertraute auf den Lebendigen Gott und nahm von den vielen Soldaten nur die besten, mit denen er in die Schlacht zog. Er sagte zu seinen Soldaten vor der Schlacht, wenn sie die Hilfe des Einen Wahren Gottes, des Herrn Christus, anriefen, würden sich ihre Feinde wie Staub vor ihnen zerstreuen. Tatsächlich waren alle Soldaten von Begeisterung über Andreas und seinen Glauben erfüllt und riefen Christus um Hilfe an. Sie überfielen die persische Armee und besiegten sie völlig. Als der siegreiche Andreas nach Antiochia zurückkehrte, klagten ihn einige Neider an, daß er Christ sei, und der kaiserliche Statthalter holte ihn vor Gericht. Andreas bekannte offen seinen unerschütterlichen Glauben an Christus. Nach grausamen Martern warf der Statthalter Andreas ins Gefängnis und schrieb an den Kaiser in Rom. Da er Andreas Ansehen unter dem Volk und in der Armee kannte, befahl der Kaiser dem Statthalter, Andreas freizulassen und eine andere Gelegenheit und einen anderen Grund (nicht seinen Glauben) zu suchen, um ihn zu töten. Durch Gottes Offenbarung erfuhr Andreas von dem Befehl des Kaisers und brach mit seinen treuen Soldaten, 2593 an der Zahl, nach Tarsus in Kilikien auf, wo alle von Bischof Peter getauft wurden. Auch dort von den kaiserlichen Oberen verfolgt, zog sich Andreas mit seiner Garnison tiefer nach Armenien zurück, auf den Berg Tavros. Dort wurden sie in einer Schlucht im Gebet von der römischen Armee gefangengenommen und enthauptet. Nicht einer von ihnen wollte sich verteidigen, sondern sie wünschten alle, für Christus den Märtyrertod zu sterben. An jener Stelle, wo ein Strom von Märtyrerblut floß, brach eine Quelle mit heilendem Wasser hervor, die viele von jeder Krankheit heilte. Bischof Peter kam insgeheim mit seinen Leuten und begrub ehrenvoll die Leiber der Märtyrer. Nachdem sie in Ehren gestorben waren, wurden sie alle mit der Krone der Herrlichkeit gekrönt und nahmen Wohnung im Reich Christi des Herrn.

2. Der gottgeweihte Theophanes wurde in Ioannina geboren, verließ als junger Mann alles und ging auf den Berg Athos, wo er im Kloster Dochiariou zum Mönch geweiht wurde. Er war ein Vorbild für alle Mönche im Fasten, Gebet, Nachtwachen und in Enthaltsamkeit von allem Unnötigen. Nach einiger Zeit wurde er deswegen zum Abt gewählt. Später verließ er aufgrund einiger Mißverständ-nisse mit den Mönchen den Berg Athos und ging mit seinem Neffen nach Berea in Makedonien, wo sie ein Kloster zu Ehren der Allheiligen Gottesgebärerin errichteten. Als dieses Kloster im geistlichen Leben erblühte, vertraute Theophanes seinem Neffen die Leitung an und ging nach Naousa, wo er ein weiteres Kloster zu Ehren der Heiligen Erzengel gründete. Theophanes starb in Frieden im fünfzehnten Jahrhundert. Seine wundertätigen Reliquien ruhen auch jetzt noch in Naousa und bekunden die große Kraft Gottes.

3. Die hll. Märtyrer Timotheos, Agapios und Thekla. Sie alle erlitten das Martyrium um Christi willen unter der Herrschaft des boshaften Kaisers Diokletian. Timotheos wurde lebendig verbrannt, und Agapios und Thekla wurden den wilden Tieren vorgeworfen.   

Lobeshymne

Der heilige Märtyrer Andreas Stratilates

Das Lied der Natur in der Bergwelt des Tavros
Hallte wider, ohne daß laute menschliche Antwort erscholl.
Bis eines Tages der Berg bebte,
Ein neues Echo hallte, durch die Berge getragen,
Und der Berg hielt sein ewiges Echo zurück,
Um das neue zu hören, das in den Äonen nie gehörte.
Dort war das Ende der tapferen Garnison des Andreas;
Dort schlachteten die Wölfe die unschuldigen Lämmer.
Andreas hatte vor den Persern das Römische Reich gerettet,
Und jetzt brüllte gegen Andreas das römische Heer.
Mit zweitausend Kameraden kniete Andreas auf der Erde.
Guten Rat gab er seinen Kameraden:
„Jetzt ist die herrliche Stunde gekommen, der Tag der Rettung,
Unsere Trennung vom irdischen Leben.
Laßt uns vor Gott demütig auf die Knie fallen
Und für all das Gute Ihm von Herzen danken,
Und am meisten, Brüder, für den Märtyrertod –
Ohne Zorn und Geschrei gegen die Mörderhände.“
So sprach Andreas. Und sie fielen auf die Knie,
Zweitausend Mann; sie begannen zu beten.
Die Schwerter der grausamen Verfolger blitzten auf,
Über dem Berg leuchteten Chöre der Engel,
Die Tore des Paradieses im Himmel öffneten sich
Für den heiligen Andreas, den glorreichen Stratilates,
Und seine Armee, die das Böse besiegten
Und für ihren Christus ehrbares Blut vergossen.

Betrachtung

Wenn über uns ohne eigenes Verschulden irgendein Unglück hereinbricht, sollten wir nicht sogleich die Tatsache beweinen, sondern versuchen, Gottes Vorsehung darin zu entdecken, die uns durch diese Schwierigkeiten etwas Neues und Hilfreiches bringen kann. Der große Theophanes, Abt des Klosters Dochiariou, empfing eines Tages die erschreckende Nachricht, daß die Türken den Sohn seiner Schwester gefangengenommen und ihn gezwungen hätten, zum Islam überzutreten. Dann hätten sie ihn mitgenommen nach Konstantinopel. Theophanes ging sogleich selbst nach Konstan-tinopel, und es gelang ihm mit Gottes Hilfe, seinen Neffen ausfindig zu machen und im geheimen in sein Kloster auf dem Heiligen Berg mitzunehmen. Dort brachte er ihn zum christlichen Glauben zurück und weihte ihn zum Mönch. Doch die Brüder murrten gegen ihren Abt und seinen Neffen aus Furcht vor den Türken, denn sie hatten Angst, daß die Türken davon erführen und kämen, um das Kloster zu zerstören. Da Theophanes nichts Besseres einfiel, nahm er seinen Neffen und verließ insgeheim nicht nur das Kloster, sondern sogar den Heiligen Berg und ging nach Berea. Seine späteren Tätigkeiten in Berea und Naousa bewiesen, wie nützlich solches Unglück für die Kirche sein kann. Das, was Theophanes niemals auf dem Heiligen Berg hätte erreichen können, gelang ihm an diesen anderen Orten, zu denen er floh: Er gründete zwei Klöster, in denen im Laufe der Zeit viele Mönche Rettung und zahlreiche Menschen Trost fanden. Außerdem wurden seine heiligen Reliquien zu einer Quelle der Heilungen und der Stärkung des Glaubens bei Ungläubigen und Kleingläubigen. Auf diese Weise führt Gott das Schicksal der Menschen durch unerwartete Un-glücksfälle, die den Menschen zunächst als zerstörerisch erscheinen.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über Gottes wundervolle Vorsehung im Leben Davids (1 Sam 16):
1. Wie der Geist Gottes Saul verließ aufgrund seiner Sünde;
2. Wie ein böser Geist über Saul kam und er einen Harfenspieler zur Beruhigung suchte;
3. Wie der Diener des Königs David fand und ihn zum König brachte, um ihn mit seiner Harfe zu beruhigen.

Homilie

Über die Stärke des Herrn und die Schwäche der Götzen

Seht, der Herr fährt auf einer leichten Wolke daher; er kommt nach Ägypten.
Vor Seinem Angesicht zittern die Götter Ägyptens.
(Jes 19,1)

Auf der Flucht vor Herodes, dem „Pharao“ von Jerusalem, kam der Herr nach Ägypten. Das wahre Israel wird nicht durch den Ort bestimmt, sondern durch den Geist und die Werke. Zur Zeit der Geburt des Herrn war die Bosheit des Königs in Jerusalem sogar noch größer, als sie jemals im Ägypten der Pharaonen war, wie das so häufig bei Gläubigen geschieht, die vom Glauben abfallen und dann schlechter werden als Ungläubige, die niemals den Glauben kennengelernt haben. Und so war Ägypten für den Erlöser zu jener Zeit ein freundlicherer und einladenderer Ort als Jerusalem. Vergleicht diese Worte des Propheten mit jenen, die der Engel im Traum zum gerechten Joseph sprach: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten (Mt 2,13), und es wird euch sofort klar sein, daß Jesaja über keinen anderen als den Herrn Christus sprach. Und noch überzeu-gender wird dies für euch sein, wenn ihr einen anderen Propheten vernehmt, der sagt: Aus Ägypten rief Ich Meinen Sohn (Hos 11,1).
Was bedeutet die leichte Wolke, auf der der Herr nach Ägypten kommt? Sie bedeutet den Leib des Herrn, in den Er Seine Gottheit hüllte, denn der Körper des Menschen ist wie eine dichte Wolke, in die die Seele eingehüllt ist. Dies ist daher eine prophetische Vision des menschgewordenen Herrn. Einige Kommentatoren denken, daß sich die leichte Wolke auch auf die Allerreinste Gottesgebärerin bezieht, die durch langes Fasten, Gebet und andere Askese ihren Körper so leicht wie eine Wolke machte. Diese Wolke – der Leib der Gottesmutter – war insbesondere in jener Hinsicht leicht, daß die Leidenschaften, die die Körper der Menschen beschweren, in ihr besiegt waren.
O Barmherzigster Herr, Der Du die Rettung aller Menschen wünschst und nicht darauf achtest, ob der Mensch ein Hebräer oder ein Ägypter ist, rette uns alle und erbarme Dich unser, denn wir hoffen immerdar auf Deinen Namen. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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01.09.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).