05.08.2022

23.07.2022

Gedenken

23. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. Märtt. Trophimos und Theophil († 308) und dreizehn andere mit ihnen; hl. Märt. Apollinarius, Bischof von Ravenna, Schüler des hl. Apostels Petrus († 75); ger. Anna (Hannah), Mutter des Propheten Samuel; Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin v. Počaev, Gedenken der wundersamen Erscheinung d. Gottesmutter v. Počaev, die das Kloster vor dem Angriff d. Tataren u. Türken rettete (1675); Überführung d. Gebeine d. hl. German (Hermann), Erzbischof v. Kazan’; hl. Neumärt. Nektarij (Trezvinskij), Bischof v. Jaransk, Rußl.; 250 Märtt., von d. Bulgaren getötet († 802-811); acht Märtt. v. Karthago; hl. Anna v. Leukadia († 919); hl. Märt. Apollonios; hl. Märt. Vitalis, Bischof v. Ravenna; hl. Tirs (Theis) v. Zypern. Ikone d. Allheiligen Gottesmutter “Freude aller Trauernden” in Petersburg.

1. Die hll. Märtyrer Trophimos und Theophil und dreizehn andere mit ihnen. Sie alle erlitten das Martyrium unter Kaiser Diokletian. Da sie auf keine Weise Christus verleugnen noch den Götzen Opfer darbringen wollten, wurden sie verschiedenen Martern unterworfen: Sie wurden mit Steinen geschlagen; zerfetzt mit Eisenkrallen; ihre Knie wurden gebrochen; und schließlich, nach diesen Torturen mehr tot als lebendig, wurden sie ins Feuer geworfen. Gottes Kraft bewahrte sie, und sie blieben unverletzt. Sie wurden herausgeholt und enthauptet. Der Herr verherrlichte sie beide auf Erden und in Seinem himmlischen Reich. Sie litten ehrenvoll in Lykien im Jahr 308.

2. Der hl. Hieromärtyrer Apollinarius war ein Schüler des Apostels Petrus. Er wurde in der Stadt Antiochia geboren. Der hl. Petrus nahm Apollinarius von Antiochia nach Rom mit und weihte ihn in Rom zum Bischof von Ravenna. Als Apollinarius in Ravenna eintraf, ging er in das Haus des Solda-ten Irenäus, heilte dessen blinden Sohn, so daß er sehen konnte, und bekehrte dadurch das ganze Haus zum Glauben an Christus. Er heilte auch die Frau des militärischen Befehlshabers von Ravenna von einer schrecklichen Krankheit und taufte das ganze Haus. Auf den Wunsch des Befehlshabers blieb Apollinarius bei ihm zu Hause. Sie bauten auch eine kleine Hauskapelle. Apollinarius blieb dort zwölf Jahre und verkündete die Gute Botschaft und taufte Ungläubige. Von den Ältesten der Heiden wurde er viele Male grausam gemartert, doch die allmächtige Rechte des Herrn erhielt ihn und rettete ihn. Schließlich wurde er ins Exil nach Illyrien auf dem Balkan verbannt. Das Schiff, mit dem Apollinarius reiste, erlitt im Sturm Schiffbruch und sank mit allen Passagieren an Bord, nur Apollinarius zusammen mit zwei Soldaten und drei seiner Kleriker wurden gerettet. Nach dieser wundersamen Rettung kamen die Soldaten zum Glauben an die Kraft des Gottes des Apollinarius und wurden getauft. Apollinarius ging dann, um das Heilige Evangelium auf dem Balkan zu verkünden, und wurde wieder nach Italien verbannt. Er traf in Ravenna ein, wo alle Gläubigen in großer Freude über seine Rückkehr waren. Als der Anführer der Heiden davon erfuhr, schrieb er an Kaiser Vespasian über Apollinarius, er sei ein Zauberer, und fragte ihn, ob sie ihn als Feind ihrer Götter dem Tod übergeben sollten. Der Kaiser antwortete, sie sollten ihn nicht töten, sondern ihn nur ersuchen, den Göttern Opfer darzubringen, oder ihn aus der Stadt verbannen; denn, so sagte der Kaiser: „Es ist nicht würdig, wegen der Götter an irgend jemandem Vergeltung zu üben, denn sie selbst können sich an ihren eigenen Feinden rächen, wenn sie erzürnt werden“. Trotz dieser Anordnung vom Kaiser griffen die Heiden Apollinarius an und durchstachen ihn mit Messern. Dieser Knecht Gottes starb an den tiefen Wunden und wurde ins Reich Gottes aufgenommen. Die Reliquien des hl. Apollinarius ruhen in der Kirche in Ravenna, die ihm geweiht ist.  

Lobeshymne

Der heilige Apollinarius

Um Christi, Gottes, willen
Erduldete Apollinarius Leiden, viele und große,
Ohne irgendeinen Zorn, ohne Überraschung;
Denn er wußte, daß es keine Rettung ohne Leiden gibt.
Er wußte, daß der Herr nicht ohne Leiden kommt
Und sah des Petrus durchbohrte Hände.
Er kannte viele, geschlachtet wie Lämmer
Und durch das Schwert ins Gottesreich geschickt,
Und seine Seele war bereit und willig
Für den Lebendigen Christus öffentlich Schande zu erdulden,
Und alles, was die Mächte des Hades vorbereiteten
Für die Martern der Gläubigen, dies alles
Erduldete der Heilige und ertrug es mit Glauben,
Und wurde älter und älter unter der grausamen Tortur,
Und auch als er alt war, hörten die Martern nicht auf,
Und er starb unter grausamen Martern für Christus.
Durch sein Heldentum erstaunte er viele Generationen,
Und er starb nicht, sondern ging fort, um ewig zu leben.   

Betrachtung

Die größten Lehrer der Kirche bemühten sich darum, den Menschen große Wahrheiten nicht nur durch Worte, sondern auch durch sichtbare Beispiele zu vermitteln. So wollte Abba Isaiah die Mönche lehren, daß keiner eine Belohnung von Gott empfangen wird, der sich in diesem Leben nicht um Ihn bemüht, und führte seine Schüler zu einem Platz, an dem Weizen gedroschen wurde und ein Arbeiter das gedroschene Getreide sammelte. „Gib mir etwas von dem Weizen!“, sagte Isaiah zu dem Arbeiter. „Hast du ihn auch geschnitten, Vater?“ „Nein, das habe ich nicht“, erwiderte der Altvater. „Wie kannst du dann erwarten, Weizen zu bekommen, wenn du keinen geerntet hast?“ Darauf sagte der Altvater: „Gibt es keinen Weizen für denjenigen, der keinen geerntet hat?“ „Nein“, antwortete der Arbeiter. Als er diese Antwort vernahm, ging der Altvater schweigend fort. Als seine Schüler ihn baten, ihnen seine Handlungen zu erklären, sprach er: „Ich tat dies mit Absicht, um euch zu zeigen, daß keiner von Gott Lohn empfangen wird, der sich nicht in der Askese gemüht hat.“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Leiden des ganzen Volkes aufgrund der Sünden eines einzigen Menschen (Jos 7,9):
1. Wie den Israeliten von Gott verboten wurde, irgendwelche Besitztümer der besiegten Bewoh-ner von Jericho an sich zu nehmen;
2. Wie ein Mann etwas von diesem Besitz nahm und als Folge davon die Israeliten durch die Männer von Ai besiegt wurden;
3. Wie auch heutzutage viele leiden, wenn ein einzelner das Gesetz Gottes übertritt.

Homilie

Über wasserlose Quellen

Diese Menschen sind Quellen ohne Wasser, sie sind Wolken, die der Sturm
vor sich herjagt; für sie ist die dunkelste Finsternis bestimmt.
(2 Petr 2,17)

Der Apostel nennt die Unreinen „wasserlose Quellen“, diejenigen, die nach dem Fleisch leben in unreiner Begierde und jede Herrschaft verachten; sie sind frech und eigensinnig und schrecken nicht davor zurück, himmlische Mächte zu lästern (2 Petr 2,10); sie sind wie unvernünftige Tiere und lästern über Dinge, die sie nicht verstehen (2 Petr 2,12). O wasserlose Quellen, reichlich geschmückt und doch kein Wasser spendend – warum nennt man euch Quellen, wenn ihr doch nichts als Durst hervorbringt? O Wolken und Nebel, die ihr so stolz auf eure Kraft seid, als könntet ihr die ganze Welt mit einer Flut überschwemmen. Und doch enthaltet ihr nicht einen einzigen Wassertropfen: ihr Wolken, die ein einziger Hauch des Heiligen Geistes in einem einzigen schrecklichen Augenblick ins Nichts verstreuen wird! Ihr seid nicht um Reinheit besorgt, deshalb werdet ihr von den unreinen Begierden umhergetrieben; ihr bemüht euch nicht um Ordnung, deshalb verachtet ihr die rechtmäßige Herrschaft; ihr seid nicht um euren Ruf bekümmert, deshalb seid ihr frech und eigensinnig; Gottes Wahrheit ist nicht in euch, denn ihr sprecht Böses über die Dinge, die zu verstehen ihr euch nicht einmal bemüht habt. Für euch ist die tiefste Finsternis auf ewig bestimmt. Dies ist nicht der Wille Gottes, sondern der eure. Gott ist gerecht und begeht keine Sünde, sondern Er wird sich jedem Menschen gegenüber gemäß dessen Sünde und dessen reulosen Herzens verhalten.
Was, meine Brüder, sind die fleischlichen Begierden anderes als wasserlose Quellen und trok-kene Wolken? Welche andere Frucht geht aus ihnen hervor und reift von ihnen – als Dornen und Disteln, die keinen Regen benötigen. Menschen mit fleischlichen Begierden sind nicht besser als ihre Begierden; durch sie sind sie sich selbst gegenüber blind und werden ihnen entsprechend gerichtet.
O Herr, Schöpfer der Seelen und Leiber, gewähre uns die Gnade Deines Heiligen Geistes, damit wir unsere Leiber und Seelen in Reinheit bewahren können und sie Dir, ihrem Schöpfer und Gott, am Tag des Gerichtes in Reinheit übergeben. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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05.08.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).