24.06.2022

11.06.2022

Gedenken

11. Juni nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Apostel Bartholomäus; hl. Apostel Barnabas, einer der Siebzig; Fest der Ikone „Axion Estin“ („Es ist wahrhaft würdig...“); sowie hl. Märt. Theopemptos u. vier mit ihm; hl. Mönch Barnabas v. Zypern; Erhebung der Gebeine (1572) des hl. Efrem, des Abtes von Novotoržok († 1053); Überführung der Gebeine des hl. Arkadij v. Vjazma und Novotoržok (1077); hl. Varnava, Abt von Vetluga († 1445); hl. Hieromärt. Mitrofan, der erste chinesische Priester, und die anderen 221 chin. Neumärtt. des Boxeraufstands in Peking u. anderen Orten (1900).

1. Der hl. Apostel Bartholomäus war einer der Zwölf Großen Apostel. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind Bartholomäus und Nathanael ein und dieselbe Person. Er war ein Gefährte des Apostels Philippus und von Philippus’ Schwester, der Jungfrau Mariamne, sowie ein zeitweiliger Gefährte des hl. Johannes des Theologen. Bartholomäus verkündete das Evangelium in ganz Asia und danach in Indien und schließlich in Armenien, wo er den Märtyrertod starb. In Hierapolis bewirkten diese heiligen Apostel [Philippus und Bartholomäus] durch ihr Gebet den Tod einer großen Schlange, die die Heiden in ihrem Tempel hielten und anbeteten. In derselben Stadt gaben sie durch ihr Gebet einem Mann namens Stachius das Sehvermögen zurück, der vierzig Jahre lang blind gewesen war. Dort erhob sich die Menschenmenge gegen sie und kreuzigten Philippus und Bartholomäus (Bartholomäus wurde mit dem Kopf nach unten gekreuzigt). Da geschah ein Erdbeben, in dem die bösartigen Richter und viele andere Menschen umkamen. Viele spürten nun, daß dies eine Strafe Gottes war, und eilten, um die Apostel von den Kreuzen zu nehmen, doch Philippus war schon tot, während Bartholomäus noch lebte. Danach ging Bartholomäus nach Indien, wo er predigte und das Evangelium des hl. Matthäus in die indische Sprache übersetzte. Danach ging er nach Armenien, wo er die Tochter des Königs vom Wahnsinn befreite. Doch der neidische Bruder des Königs Astyages ergriff den Apostel Gottes, kreuzigte ihn an einem Kreuz, häutete ihn und enthauptete ihn in der armenischen Stadt Albanopolis [Derbend]. Christen bestatteten seinen Leib ehrenvoll in einem Bleisarg. Da über seinen Gebeinen viele Wunder geschahen, nahmen die Heiden den Sarkophag und warfen ihn ins Meer. Doch das Wasser trug den Sarkophag zur Insel Lipara, wo ihn Bischof Agathon durch eine Offenbarung in einem Traum fand und in der Kirche beisetzte. Der hl. Bartholomäus, bekleidet mit einem weißen Gewand, erschien in der Kirche dem hl. Joseph dem Hymnographen, segnete ihn mit dem Evangelium, damit er geistige Hymnen zu singen vermöchte und sagte zu ihm: „Mögen himmlische Wasser der Weisheit von deiner Zunge strömen!“ Er erschien auch Kaiser Anastasios (491-518) und sagte ihm, daß er die neugegründete Stadt Dara schützen würde. Später wurden die Gebeine dieses großen Apostels nach Benevento und dann nach Rom überführt. Große und furchterregende Wunder sind über diesen Reliquien geschehen.

2. Der hl. Apostel Barnabas. Barnabas war einer der Siebzig Apostel. Er wurde in Zypern geboren. Er hatte wohlhabende Eltern aus dem Stamm Levi und studierte zusammen mit Saulus bei Gamaliel. Zuerst hieß er Joseph, doch die Apostel nannten ihn dann Barnabas, Sohn des Trostes, denn er hatte die besondere Befähigung, die Seelen der Menschen zu trösten. Nach Saulus’ Bekehrung war Barnabas der erste, der Saulus den Aposteln vorstellte, und danach predigte er mit Paulus [Saulus] und Markus das Evangelium in Antiochia und an vielen anderen Orten. Aller Wahrscheinlichkeit nach war er der erste, der in Rom und Mailand das Evangelium verkündete. Er erlitt das Martyrium auf Zypern aus der Hand der Hebräer und wurde von Markus hinter der westlichen Pforte der Stadt Salamis beerdigt mit dem Evangelium des hl. Matthäus auf der Brust, das er eigenhändig kopiert hatte. Sein Grab blieb mehrere hundert Jahre lang unbekannt, und da viele an diesem Punkt Heilung empfingen, wurde die Stelle genannt: „Platz der Heilung“. In der Zeit des Kaisers Zeno und des Konzils von Chalcedon [451] erschien der Apostel Barnabas Erzbischof Anthemios von Zypern in drei aufeinanderfolgenden Nächten in einem Traum und offenbarte ihm den Ort seines Grabes. Das Erscheinen des Apostels geschah exakt zu jener Zeit, als Petrus, der machthungrige Patriarch von Antiochia, danach trachtete, die Kirche von Zypern unter die Jurisdiktion des Thrones von Antiochia zu bringen. Nach dem Erscheinen und der Erhebung der wundertätigen Reliquien des heiligen Apostels Barnabas wurde festgesetzt, daß die Kirche von Zypern als eine apostolische Kirche immer unabhängig bleiben solle. So wurde die Autokephalie der Kirche in Zypern festgesetzt.

3. Gedenken der heiligen Ikone Axion Estin [„Wahrhaft würdig ist es“] und des Wunders, das sich vor ihr ereignete während der Herrschaft des Patriarchen Nikolaos Chrysoverges (983-996). Das Wunder bestand darin: Eines Nachts las ein Mönch den Kanon an die Allheilige Gottesgebärerin und sang: „Die Du ehrwürdiger bist als die Cherubim“ in seiner Zelle im Kloster Pantokrator, die jetzt „Axion Estin“ nach der Ikone heißt. Sein Altvater war nach Karyes gegangen. Plötzlich erschien ein Mann in der Kirche und begann zu singen: „Wahrhaft würdig ist es“. Dieser Hymnus war bislang unbekannt in der Kirche. Der Mönch, als er diese Hymne hörte, geriet in Aufregung, nicht nur wegen ihres Inhalts, sondern auch wegen des wunderschönen himmlischen Gesangs. „Bei uns singen wir es auf diese Weise“, sagte der Unbekannte zum Mönch. Der Mönch wollte, daß dieser Hymnus aufgeschrieben würde und brachte eine Schreibtafel, auf die der Fremde diesen Hymnus mit seinem Finger schrieb wie auf Wachs. Plötzlich verschwand der Fremde. Dieser Fremde war der Erzengel Gabriel. Die Schreibtafel wurde nach Konstantinopel gebracht, und die Hymne blieb bis auf den heutigen Tag in der Kirche.

Lobeshymne

Ein Mönch im Gebet

Ein Mönch in der Nacht, allein in der Kirche,
Mit inständigem Gebet vertreibt er die Dunkelheit von der Seele.
Da kommt ein anderer Mönch, nichts Ungewöhnliches,
Und als erfahrener Sänger beginnt er zu singen.
Der erste Mönch hebt an: „Ehrwürdiger...“,
Im Lobpreis an die Mutter Gottes: „unvergleichlich herrlicher...“.
Doch der geheimnisvolle Gast spricht zu ihm über diese Lobeshymne:
„Bei uns“, sagt er, „singen wir diese Hymne anders.
Wie du begannst, so beginnen wir nicht,
Sondern mit ’Wahrhaft würdig ist es’, ehrwürdiger Vater!“
Und er singt die ganze Hymne „Axion Estin“.
Der Mönch versucht, kein Wort auszulassen.
„Nun geht mein Atem leichter, tugendreicher Bruder,
bei deiner Hymne, erlaube mir, sie aufzuschreiben!“
Doch einen Stift hat er nicht, kein Papier,
Da die Kirche ein Ort des Gebets ist, nicht des Schreibens.
Da bezeichnet der Fremde zu Mitternacht die Kirche mit einem Kreuz
Und auf den Stein beginnt er mit seinem Finger zu schreiben:
Wie auf weiches Wachs schreibt er auf den Stein,
Über diesen Mann verwundert der Mönch sich sehr
und fragt ihn, den ungewöhnlichen Gast: „Wer bist du?“
„Für dich genügt zu wissen: Mein Name ist Gabriel.“
Und er verschwindet sogleich. Der Mönch, entsetzt,
Erkennt nun den Erzengel im Mönchsgewand.
Das, was er schrieb, keiner löschte es aus,
Und erfüllt war die Kirche von himmlischem Duft.  

Betrachtung

Ein wahrer Freund betet zu Gott für seinen Freund. Ein wahrer Freund sorgt sich um die Rettung der Seele seines Freundes. Einen Freund von falschen Wegen zurückzuholen und ihn auf den rech-ten Weg zu führen – das ist wahre Freundschaft. Die Heiligen Gottes sind die größten Freunde der Menschen.
Die jungen Männer Paulus und Barnabas waren Freunde und gingen zusammen auf Gamaliels Schule. Als Barnabas Christ wurde, betete er beharrlich und mit Tränen zu Gott, daß Er Paulus’ Verstand erleuchten möge, so daß auch Paulus Christ würde. Barnabas sprach häufig zu Paulus über den Herrn Christus; doch Paulus verspottete ihn und dachte, er sei irregeleitet. Doch der gnädige Herr ließ Barnabas’ Gebet nicht fruchtlos bleiben. Er erschien Paulus, brachte ihn vom falschen Weg ab und führte ihn auf den Weg der Wahrheit. Der belehrte Paulus fiel seinem Freund zu Füßen und rief: „Barnabas, Lehrer der Wahrheit, jetzt bin ich überzeugt von der Wahrheit dessen, was du mir über Christus gesagt hast!“ Barnabas weinte vor Freude und umarmte seinen Freund. Barnabas, der Freund, rettete die Seele seines Freundes durch seine eifrigen Gebete. Wenn Barnabas darin Erfolg gehabt hätte, Paulus zum römischen Kaiser zu machen, hätte er weniger getan als das, was er in Wirklichkeit vollbrachte, als er ihn durch seine Gebete zur Wahrheit brachte.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die wundersame Heilung des blinden und stummen Besessenen (Mt 12,22):
1. Wie der Herr den Mann heilte, der blind und stumm war;
2. Wie der Herr augenblicklich meine Seele heilen kann, die durch die Entfremdung von Gott blind und stumm geworden ist, wenn ich sie nur zu Ihm bringe.

Homilie

Über den Herrn und den Knecht

Wer die Rute spart, haßt seinen Sohn. Wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.
(Sprichwörter 13,24)

Gottes Liebe zum Menschen übertrifft bei weitem die Liebe des Menschen zum anderen Menschen, wie der Himmel höher ist als die Erde; und so züchtigt Gott den Menschen in Seiner Liebe. Er züchtigt ihn nicht, um ihn zu vernichten, sondern um ihn zu bessern und zu retten. Wen der Herr liebt, den züchtigt Er; Er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den Er gern hat (Hebr 12,6). Womit züchtigt der Herr? Mit einer Rute. Mit welcher Art Rute? Mit der Rute der Krankheit, der Rute des Mißgeschicks, der Rute der Mißernte, der Rute der Dürre, der Rute der Überschwemmung, der Rute des Todes von Verwandten und Freunden, der Rute böser Geister, wenn Er ihnen Macht verleiht über die Menschen. Dies sind Gottes Ruten, mit denen Er Seine Kinder züchtigt, um sie zu bessern, sie zu unterweisen, zu erleuchten und zu retten.
Warum züchtigen Eltern ihre Kinder nicht, wenn sie sie wirklich lieben? Die Rute ist ein Werkzeug großer Liebe und Fürsorge. Wenn das Kind nicht empfindsam gegenüber geistiger Züchtigung ist, wird es doch die Rute spüren. Jedes Kind hat einen empfindlichen Körper, auch wenn seine Seele und sein Gewissen unempfindlich sind. Der Körper wird dem Menschen nicht als Selbstzweck gegeben, sondern um der Seele zu dienen und zu helfen. Wenn körperliche Strafe den Geist im Menschen und das Gewissen zusammen mit dem Geist erweckt, dann hat der Körper seine Pflicht gegenüber dem Geist, seinem Herrn, vollständig erfüllt. Wenn der Herr schläft, muß der Knecht, der Leib, geschlagen werden, um seinen Herrn zu wecken, den Geist. Wenn der Knecht dann seinen Herrn in Zeiten der Gefahr weckt, wird er die Schläge, die er erhalten hat, nicht beklagen, denn er hat seinen Herrn gerettet. Daher ist es wahrlich so: Wer die Rute spart, haßt seinen Sohn. Wer den Knecht verschont, den Leib, betrügt den Herrn, den Geist.
O Allweiser Herr, öffne das Herz der Eltern, daß sie diese Deine heilige Unterweisung zu erfassen vermögen. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen. 

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24.06.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).