12.06.2021

30.05.2021

Gedenken

30. Mai nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Isaak, Gründer des Dalmatos-Klosters in Konstantinopel († 383); hl. Makrina, Großmutter des hl. Basileios des Großen (4. Jh.); hl. Venantius von Menthone, Gallien († 374); hl. Hubert von Maastrich (Niederlande) († 727); hl. Iakov, Mönch vom Galič-Kloster (15. Jh.); hll. Märtt. Natalios, Romanos, Meletios u. Euplios; hl. Märt. Varlaam v. Cäsarea in Kappadokien; hl. Märt. Hieraida.

1. Der gottgeweihte Isaak der Bekenner. Unter der Herrschaft des Kaisers Valens gab es eine große Verfolgung gegen die Orthodoxie durch die Arianer, die der Kaiser unterstützte. Als Isaak, ein Eremit irgendwo aus dem Osten, davon erfuhr, verließ er die Wüste und kam nach Konstantinopel, um die Rechtgläubigen zu ermutigen und die Häretiker anzuklagen. Genau zu jener Zeit brach Kaiser Valens mit seiner Armee in den Norden gegen die Goten auf, die von der Donau aus in Richtung Thrakien zogen. Isaak trat vor den Kaiser und sagte zu ihm: „O Kaiser, öffne die Kirchen der Rechtgläubigen, und Gott wird deinen Weg segnen.“ Der Kaiser mißachtete den Rat des Altvaters und setzte seinen Weg fort. Am folgenden Tag eilte Isaak erneut zum Kaiser und wiederholte seine Warnung, und der Kaiser war schon bereit, auf den Altvater zu hören, hätte ihn nicht einer seiner Ratgeber, ein Anhänger der arianischen Häresie, davon abgehalten. Auch am dritten Tag lief Isaak hinaus zum Kaiser, ergriff die Zügel des Kaisers, flehte ihn an, der Kirche Christi Freiheit zu geben und drohte ihm die Strafe Gottes an, wenn er gegen dieses Gesuch handelte. Der erzürnte Kaiser befahl, den Altvater in eine Erdspalte voll von Schlamm und Dornen zu werfen. Doch drei Engel erschienen und zogen den Altvater aus der Spalte. Am vierten Tag trat Isaak wiederum vor den Kaiser und sagte ihm einen schrecklichen Tod voraus, wenn er nicht den Orthodoxen Freiheit gewähren würde: „Ich spreche zu dir, o Kaiser, du wirst die Armee gegen die Barbaren führen, doch nicht in der Lage sein, ihrem Angriff standzuhalten. Du wirst vor ihnen fliehen, doch gefangengenommen und lebendig verbrannt werden.“ Und so geschah es. Die Barbaren mähten die griechische Armee wie Gras nieder, doch der Kaiser entfloh zusammen mit seinem arianischen Ratgeber in einem Korb. Die Barbaren gelangten zu dieser Stelle, erfuhren, wo der Kaiser war, umringten den Korb und setzten ihn in Brand. Sowohl der Kaiser als auch sein Ratgeber verbrannten lebendig. Danach wurde Theodosios der Große zum Kaiser gekrönt. Theodosios, der von Isaaks Prophezeiung und ihrer Erfüllung vernahm, rief Isaak zu sich und warf sich vor ihm nieder. Da nun in der Kirche Friede herrschte und die Arianer verbannt wurden, wollte Isaak in seine Wüste zurückkehren, doch man überzeugte ihn davon, in Konstantinopel zu bleiben. Ein Aristokrat namens Saturnios baute für Altvater Isaak ein Kloster, wo er bis zum Tod sein asketisches Leben führte und viele Wunder wirkte. Das Kloster war übervoll von Mönchen und wurde zu einem Großkloster. Vor seinem Tod ernannte Isaak Dalmatos, seinen Schüler, zum Abt. Nach ihm wurde das Kloster später benannt [„Dalmatos-Kloster“]. Der gottgefällige Altvater Isaak ging im Jahr 383 in die Ewigkeit hinüber, um sich der Schau des Angesichts Gottes zu erfreuen.

2. Die hl. Makrina war die Großmutter des hl. Basileios des Großen. Sie war wundervoll in ihrem Geist und ihrer Frömmigkeit. Sie war eine Schülerin des hl. Gregor von Neocäsarea, des Wundertäters. Während der Herrschaft des Diokletian verließ Makrina ihr Heim und verbarg sich zusammen mit ihrem Gemahl Basileios in Wäldern und Wüsten. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt, doch sie waren darüber nicht bekümmert. Aller Dinge beraubt außer ihrer Liebe zu Gott, ließen sie sich in einem Urwald nieder, wo sie sieben Jahre verbrachten: Durch Gottes Vorsehung stiegen Ziegen von den Bergen herab und boten sich ihnen an, so daß sie Nahrung hatten. Beide entschliefen in Frieden im vierten Jahrhundert nach dem großen Leiden für den Glauben an Christus.

Lobeshymne

Der gottgeweihte Isaak der Bekenner

Isaak leuchtete wie der Prophet Jesaja
Durch Tugenden, der Sonne ähnlich.
Den Kaiser flehte er an, dem boshaften Kaiser drohte er,
Und verteidigte so den großen Gott:
„Gegen wen hast du dich erhoben, o mein Kaiser,
Dein Reich wird verwüstet werden,
Da du gegen den Allerhöchsten Gott Krieg führst –
Du – Staub und Asche unter Seinem Fuß!
Mit einer Armee ziehst du gegen die grausamen Barbaren.
Auf deine Macht, o Kaiser, setzt du die Hoffnung!
Einer kleinen Ameise gleicht deine Macht,
Nur wer mit Gott ist, besitzt wahre Macht.
In zwei Kriege bist du eingetreten:
Gegen Gott und gegen die Menschen.
Mit den armen Menschen mag es leicht zugehen,
Doch schließe Frieden mit dem unbesiegbaren Gott.
Halte dich an die Rechtgläubigkeit, verwirf die Häresie,
Denn das grausame Feuer wird dich verbrennen.
Feuer hier, und auch Feuer dort.
Schändlich wirst du beide Welten verwirken.“
Auf die Warnung des Heiligen achtete der Kaiser nicht,
Er zog in die Schlacht; Gottes gedachte er nicht.
In die Schlacht zog er; aus der Schlacht kehrte er nicht zurück –
Wie ein übler Geruch war Valens und verging.
Doch Gott befreite Seine Kirche,
Und Isaak wurde des Paradieses gewürdigt.

Betrachtung

Das Wort Gottes ist Nahrung für die Seele. Das Wort Gottes ist Kraft und Licht für die Seele. Wer das Wort Gottes liest, gibt seiner Seele Speise, Kraft und Licht. Wer kann, sollte das Wort Gottes in der Heiligen Schrift lesen; wer es nicht kann, sollte jemandem zuhören, der die Heilige Schrift vorliest. Alle Heiligen betonten den Nutzen der Lektüre der Heiligen Schrift. Der hl. Seraphim von Sarov sagt: „Die Seele sollte mit dem Wort Gottes ernährt werden, denn das Wort Gottes ist, wie der hl. Gregor der Theologe sagt, Brot der Engel, das die Seele speist, die nach Gott hungert. Doch vor allem sollte man das Neue Testament und den Psalter lesen. Durch sie wird der Geist erleuchtet... Es ist sehr nützlich, das Wort Gottes in der Einsamkeit zu lesen und die ganze Bibel mit Verständnis durchzulesen. Für eine solche Übung gibt der Herr dem Menschen Seine Gnade und erfüllt ihn mit der Gabe des Verstehens. Wenn der Mensch seine Seele mit dem Wort Gottes speist, dann wird sie erfüllt mit dem Verständnis dessen, was gut und was böse ist.“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Gnade des Heiligen Geistes im Mysterium der Priesterweihe:
1. Wie die Gnade Gottes einen Menschen heiligt, erleuchtet und befähigt, den Dienst eines Hirten und Lehrers zu versehen;
2. Wie sie den Priester ermächtigt und vollständig ermächtigt, die anderen Mysterien durchzu-führen.

Homilie

Über das Mysterium der Weihe des Klerus

Sie ließen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf.
(Apg 6,6)

Durch das Auflegen der Hände auf ausgewählte Gläubige weihten die Apostel Bischöfe, Priester und Diakone. Daraus wird offenkundig, daß der christliche Glaube nicht nur eine Lehre, sondern auch eine Kraft ist. Nicht nur ist es notwendig, daß man Wissen hat, sondern man muß auch Kraft haben. Es ist nicht nur notwendig, von Menschen gewählt zu sein, sondern von Gott bestätigt. Wenn Kraft für die priesterliche Berufung nicht notwendig wäre, wäre auch die Handauflegung nicht nötig, sondern nur die Lehre vom Mund zum Ohr. Die Handauflegung bedeutet daher die Übermitt-lung von Autorität und das Herabführen von Kraft auf den Auserwählten. Die Kraft ist die Gnade Gottes, Der den Menschen stärkt, heiligt und erleuchtet. Wahrlich, die Gnade Gottes ist es, die den Menschen lehrt, führt, die ihm Hirte ist und durch die Mysterien die Herde Christi stärkt. Ein Priester ist Gefäß der unaussprechlichen, ehrfurchtgebietenden und allgenügenden Kraft der Gnade. Gesegnet ist jener Priester, der versteht, welch kostbares Gefäß er geworden ist! Gesegnet ist er, wenn ihn die Furcht Gottes Tag und Nacht nicht verläßt bis zu seinem letzten Atemzug! Es gibt keine größere Ehre auf Erden, keine größere Verantwortung als die Berufung zum priesterlichen Dienst. Durch die Handauflegung durch den Bischof ist der Priester in Berührung gekommen mit der himmlischen und ewigen Quelle der Gnade und mit der Autorität der Apostel. Dadurch ist der Priester ein Gefährte in der Gnade geworden und ein Mitzelebrant mit allen orthodoxen Priestern von apostolischer Zeit bis heute, mit den großen Hierarchen, mit der unzählbaren Menge der Heiligen, Bekenner, Wundertäter, Asketen und Märtyrer. Er wird durch ihre Würde sanft geziert, doch er ist auch belastet durch ihre Verdienste, ihr Vorbild und ihren Tadel.
O meine Brüder, groß und überaus groß ist der Hirte über Christi geistiger Herde. Er ist verantwortlich, zu Gott für alle zu beten, und all die Gläubigen sind aufgefordert, für ihn zu beten.
O Herr, höchster Hierarch, bewahre die orthodoxen Priester in Stärke, Weisheit, Reinheit, Eifer und in jeder apostolischen Tugend durch die Gnade Deines Heiligen Geistes.
Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen. 

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12.06.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).