25.01.2021

12.01.2021

Gedenken

12. Januar nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Märtyrerin Tatiana von Rom († ca. 225); hl. Märtyrer Petros Apselamos († 311); Ikone der Gottesmutter „die Milchspendende“; hl. Theodora (Beginn 5. Jh.); sowie hl. Eupraxia I. von Tabenna in Ägypten († 393); hl. Märt. Mertius v. Mauretanien; hl. Martinian v. Beloozersk, Abt († 1483) u. s. Schüler sel. Galaktion († 1506); acht hll. Märtt. von Nikäa; hl. Elias der Wundertäter; hl. Benedikt Biscop, Abt von Wearmouth († 689-690).

1. Die hl. Märtyrerin Tatiana war eine Römerin, deren Eltern aus dem Hochadel stammten. Sie war eine Christin und Diakonin in der Kirche. Nach dem Tod des Kaisers Heliogabalus herrschte Kaiser Alexander, dessen Mutter Christin war, in Rom. Der Kaiser selbst war schwankend und unent-schlossen im Glauben, denn er hatte Statuen von Christus, Apollo, Abraham und Orpheus in seinem Palast. Seine Hauptleute verfolgten die Christen ohne Anordnung des Kaisers. Als sie die Jungfrau Tatiana zur Folter herausführten, betete sie zu Gott für ihre Folterer. Und siehe, deren Augen wurden geöffnet, und sie sahen vier Engel um die Märtyrerin. Als sie dies sahen, kamen acht von ihnen zum Glauben an Christus, wofür sie alle gemartert und getötet wurden. Die Folterer fuhren fort, die hl. Tatiana zu martern. Sie peitschten sie, schnitten Teile ihres Körpers ab, zerfleischten sie mit Eisenkrallen. Völlig entstellt und blutend wurde Tatiana am Abend in ein Verlies geworfen, so daß sie am nächsten Tag mit neuen und anderen Torturen beginnen konnten. Doch Gott sandte Seine Engel in das Verlies, um Tatiana zu ermutigen und ihre Wunden zu heilen, so daß sie an jedem Morgen vor den Folterern völlig geheilt erschien. Sie warfen sie einem Löwen vor, doch der Löwe schmiegte sich an sie und tat ihr nichts zuleide. Sie schnitten ihr das Haar ab, da sie gemäß ihrer heidnischen Vorstellungen dachten, irgendein Zauber oder eine magische Kraft wäre in ihrem Haar verborgen. Schließlich wurde Tatiana zusammen mit ihrem Vater enthauptet. So beendete Tatiana ihr irdisches Leben um das Jahr 225, und diese heldenhafte Jungfrau, die den zerbrechlichen Leib einer Frau hatte, doch einen standhaften und tapferen Geist, wurde mit dem unvergänglichen Kranz der Herrlichkeit gekrönt. 

2. Der hl. Märtyrer Petros Apselamos wurde in Eleutheropolis in Palästina geboren. Noch jugend-lich erlitt Petros das Martyrium für den Glauben an Christus im Jahr 311 unter Kaiser Maximian. Nach vielen Foltern wurde er zum Tode verurteilt. Als er sein Todesurteil hörte, rief er voller Freude: „Es ist mein einziger Wunsch, für meinen Gott zu sterben!“ Petros wurde auf dieselbe Art wie unser Herr Selbst gekreuzigt und hauchte seinen Geist am Kreuz aus.

3. Das Fest der Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin „die Milchspendende“. Dies ist der Name der Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin, die der große serbische Heilige, der hl. Sava, aus dem Kloster des hl. Sabas des Geheiligten nahe Jerusalem mitbrachte. Und so ging die Prophezeiung, die vom hl. Sabas dem Geheiligten ungefähr achthundert Jahre zuvor ausgesprochen worden war, in Erfüllung, daß ein gewisser serbischer Priester namens Sava kommen werde und man ihm diese Ikone und seinen Krummstab übergeben werde. Als der hl. Sava der Serbe das Kloster des hl. Sabas des Geheiligten besuchte, erinnerten sich die Mönche an die Prophezeiung des Gründers ihres Klosters und gaben Sava dem Serben diese Ikone und den Stab. Diese Ikone wurde in Savas Einsiedelei in Karyes [Athos] an die rechte Seite der Königlichen Türen in der Ikonostase plaziert, und der Stab wurde in der angebauten Zelle namens Paterika aufbewahrt.

4. Die gottgeweihte Theodora war eine glorreiche Nonne und Lehrerin der Nonnen von Alexandria. „Wie Bäume Winter und Schnee brauchen, um Frucht zu tragen, so sind Erprobungen und Versuchungen für unser Leben notwendig“, sagte diese heilige Frau. Sie entschlief in Frieden zu Beginn des fünften Jahrhunderts.  

Lobeshymne

Die heilige Tatiana

Du trauerst über die Jugend deines Körpers? O, sei vernünftig!
Ist es wert, über die Jugend, welche vergeht, zu trauern? Urteile selbst!
Es gibt nur eine Jugend, die Jugend der Ewigkeit –
Dies ist die wahre Jugend, Jugend ohne Alter,
Sie ist es wert, daß wir um sie bitten und Tränen vergießen,
Auch wenn du dafür zu zahlen hast mit dem Tod deines Körpers.
Tatiana erwarb das Kostbare durch Geringeres.
Für Staub und Wasser – göttlichen Wein;
Für den alternden Körper – ewige Jugend,
Und für ein paar Tränen – die Freude der Cherubim.
Verlobt mit Christus, dem unsterblichen König,
Blieb sie ihrem Verlobten treu;
Durch die Kraft eines reinen Geistes zerstörte sie Versuchungen,
Und tapfer erduldete sie schreckliche Martern.
Man hörte die Schritte der Engel bei ihr;
Wie ein zerknittertes Gewand legte sie den Körper ab,
Und eine Seele, frei von irdischen Fesseln,
Wurde erhoben zum Hochzeitsfest im Reich ohne Tränen.

Betrachtung

Es gibt keine größere Ehre oder Berufung auf Erden als jene, ein Christ zu sein. Als der Richter-Henker Sevirus den jungen Petros Apselamos fragte: „Aus welcher Familie stammst du?“, erwiderte Petros: „Ich bin Christ.“ Der Richter befragte ihn weiter: „Von welchem Rang bist du?“ Darauf erwiderte er: „Es gibt keinen höheren oder besseren Rang als den eines Christen.“ Vater Johannes von Kronstadt schreibt: „Die ganze Welt ist ein Spinnengewebe im Vergleich mit der Seele eines Christen.“ Ein Christ ist ein irdenes Gefäß, in das göttliche Kraft und Licht gegossen wurde. Ob nun dieses Gefäß auf den goldenen Thron eines Königs gestellt wird oder hinuntergebracht wird in die dunkle Hütte eines Bettlers, so wird sein Wert dadurch weder erhöht noch vermindert. Hat nicht Gold denselben Wert, ob es nun in einem Seidenschal oder in ein Kohlblatt eingeschlagen wird?

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Sanftmut des Herrn Jesus:
1. Seine Sanftmut in Seinem verborgenen Leben in Nazareth bis zum Alter von dreißig Jahren;
2. Seine Sanftmut im Umgang mit Kranken und Sündern;
3. Seine Sanftmut darin, Sich mit dem Verräter Judas und ungerechten Richtern abzugeben.

Homilie

Darüber, daß der Mensch für Gott, und Gott für den Menschen das Liebste ist

Ich suche nicht das Eure, sondern euch. (2 Kor 12,14)

Durch diese Worte, die nur infolge der Flamme der Liebe des Apostels zu seinen Nächsten ausge-sprochen werden konnten, kommt das Wesen der Beziehung des Christen mit Gott und Gottes mit dem Christen zum Ausdruck. Die Liebe Gottes könnte sagen: „Du, o Christ, fastest um Meinetwillen, vollbringst Werke der Barmherzigkeit um Meinetwillen, betest innig um Meinetwillen, baust Kirchen um Meinetwillen, bringst Opfer um Meinetwillen und vollbringst viele andere gottgemäße Werke um Meinetwillen. All dies ist gut und erfreulich in Meinen Augen, doch du selbst bist Mir lieber als dies alles. Letztlich suche Ich nichts anderes als dich, als dich allein.“
Darauf könnte die Liebe des Christen mit voller Berechtigung antworten: „Du, Herr, gibst mir Gesundheit, und das ist gut. Du hast das Licht geschaffen, läßt Regen fallen, erfrischst die Luft durch Dein Gewitter, und das ist gut. Du gibst Reichtum und Weisheit und viele Jahre, Nachkommen-schaft, und freigebig breitest Du zahllose andere Segnungen auf der göttlichen Tafel dieses Lebens aus. Und alles dies ist gut und wertvoll, und ich empfange es alles mit Dankbarkeit. Aber letztlich ist das nur der Saum Deines Gewandes; letztlich suche ich nichts davon als Dich, Herr, Dich allein.“
O meine Brüder, Gott kann man nicht mit den körperlichen Augen sehen, und auch den Men-schen nicht. Das, was man in der ganzen Natur sehen kann, ist nur etwas von Gott, und das, was in das Körpergewand gekleidet ist, ist nur etwas vom Menschen. Gott ist Liebe, meine Brüder, die den Himmel zur Erde herabneigt. Und der Mensch ist Liebe, meine Brüder, der die Erde zum Himmel emporhebt.
O Herr, Du Menschenliebender, Schöpfer und Allmächtiger, nimm Wohnung in uns, mehr und mehr, durch Deinen lebenspendenden Geist, damit wir in Deinem unsterblichen Reich leben können. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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25.01.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).