27.01.2021

14.01.2021

Gedenken

14. Januar nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Sava, Erzbischof von Serbien († 1236); hll. Märtyrer von Sinai und Raithou (4. und 5. Jh.); hl. Hilarion von Poitiers († 367); hl. Apostelgleiche Nina (Nino), Erleuchterin der Georgier († 335); sowie hl. Joseph Analytinos vom Kloster Raithou (4. Jh.); hl. Theodoulos, Sohn des hl. Nilos vom Sinai (5. Jh.); hl. Stephanos, Abt des Chenolaklos-Klosters bei Chalkedon († 716); hl. Meletij, Bischof v. Ryazan, Apostel der Jakuten († 1900); hl. Neumärt. Bischof Amvrosij Gudko († 1918) u. jene, die im Raithou-Kloster bei Kazan, Rußland, getötet wurden; hl. Kentigern (Mungo), erster Bischof von Strathclyde (Glasgow), Schottland († 612); hl. Märt. Agnes.

1. Der hl. Sava, Erzbischof der Serben, wurde im Jahr 1169 geboren. Er war der Sohn von Stephan Nemanja, dem Großžupan der Serben. Als junger Mann sehnte sich Sava schon nach dem geistlichen Leben, um dessentwillen er auf den Heiligen Berg [Athos] floh, wo er zum Mönch geweiht wurde und mit seltenem Eifer der asketischen Regel entsprechend lebte. Stephan Nemanja folgte dem Beispiel seines Sohnes und kam zum Heiligen Berg, wo er zum Mönch geweiht wurde und als Mönch Symeon starb. Sava erlangte die Unabhängigkeit der Serbischen Kirche vom [byzantinischen] Kaiser und Patriarchen und wurde der erste Erzbischof der Serben. Zusammen mit seinem Vater errichtete er das Kloster Chilandar und danach viele andere Klöster, Kirchen und Schulen im ganzen serbischen Land. Zweimal unternahm er Pilgerfahrten zu den heiligen Stätten im Heiligen Land. Er schlichtete Frieden zwischen den Serben und ihren Nachbarn. Indem er die Serbische Kirche gründete, schuf er durch sie die Grundlage für den serbischen Staat und die serbische Kultur. Er schuf Frieden zwischen den Völkern des Balkan und mühte sich zum Wohl aller. Dafür wurde er geliebt und respektiert von allen Balkanvölkern. Dem serbischen Volk gab er eine christliche Seele, die nicht unterging mit dem Zusammenbruch des serbischen Staates. Sava starb in Trnovo, Bulgarien, während der Herrschaft des Kaisers Asen. Am Fest der Theophanie am 12. Januar 1236 war er während der Göttlichen Liturgie erkrankt. König Vladislav überführte seinen Leib zum Mileševo Kloster, aus dem ihn Sinan Pascha holte und am 27. April 1595 auf dem Vračar in Belgrad verbrannte.

2. Die hll. Märtyrer, die Mönche von Sinai und Raithou, wurden von den Sarazenen getötet. Die Väter vom Sinai im vierten Jahrhundert und jene aus Raithou im fünften Jahrhundert.

3. Der hl. Hilarion, Bischof von Poitiers, war ein glühender Bekämpfer der Häresie des Arius im Westen. Er litt viel wegen seiner Verteidigung der Orthodoxie. Hilarion verfaßte viele Schriften; seine wichtigste Abhandlung war jene über die Heilige Dreiheit. Er starb im Herrn im Jahr 362.

4. Die hl. Apostelgleiche Nina [Nino], Erleuchterin Georgiens. Nina war eine Verwandte des hl. Georgs, des Großmärtyrers, und Juvenals, des Patriarchen von Jerusalem. Ihre Eltern gehörten zum Adel von Kappadokien, und da sie beide in den monastischen Stand eingetreten waren, wurde Nina unter der Vormundschaft des Patriarchen Juvenal erzogen. Als die Jungfrau Nina in jugendlichem Alter vom Volk der Georgier hörte, wünschte sie, nach Georgien zu gehen und die Georgier zu taufen. Die Allheilige Gottesmutter erschien Nina und versprach ihr, sie in dieses Land zu führen. Als unser Herr den Weg öffnete, reiste die junge Nina tatsächlich nach Georgien, wo sie nach kurzer Zeit die Liebe des georgischen Volkes erlangte. Nina gelang es, den georgischen König Mirian, seine Frau Nana und seinen Sohn Bekar zu taufen, der später voller Eifer Nina in ihrem missionarischen Werk unterstützte. Für den Rest ihres Lebens reiste Nina durch ganz Georgien, um die ganze Nation zum Glauben an Christus zu bekehren – genau in der Zeit der schrecklichen Christenverfolgung durch Kaiser Diokletian. Nach ihren vielen Mühen fand sie Ruhe und entschlief im Herrn im Jahr 335. Ihre Reliquien befinden sich heute im Kloster zu Bodbe. Sie wirkte viele Wunder zu ihren Lebzeiten und nach ihrem Entschlafen.     

Lobeshymne

Die heilige Nina

Jungfrau, wunderschöne, Nina aus adligem Stamm,
Wurde durch göttliche Vorsehung zum Apostel der Georgier.
Die Verfolgung durch Diokletian, den Kaiser, mißachtend,
Das Kreuz in der Hand, so taufte sie König Mirian,
Dessen Frau Nana und deren Sohn Bekar,
Und durch sie das ganze Volk und die Besten der Obrigkeit,
Mit dem Kreuz des Gottessohnes – taufte sie alle,
Die heilige Nina, Apostel der Georgier.
Von Jugend an betete Nina zu Gott,
Daß sie Djul (die Rose) – Georgien – taufen dürfe.
Das, worum sie bat, gewährte der gute Gott:
Aus Ninas Hand leuchtete das Kreuz,
Das Georgien unterwarf, und auch heute noch strahlt,
Wo Ninas Hand auch heute noch segnet.
Dort ist Ninas Grab, über dem eine Kirche funkelt
Und die heilige Nina verherrlicht und den Herrn Christus. 

Betrachtung

Wenn dir manchmal die Dogmen des Glaubens als harte Kost erscheinen, dann solltest du zuerst versuchen, die moralischen Dogmen des Christentums zu erfüllen, und dann wird sich dir das Verständnis des Dogmas des Glaubens offenbaren. Forschende Untersuchung höherer Dinge ohne die Anstrengung, das eigene Leben zu verbessern, nützt nichts. Einmal dachten ägyptische Mönche über Melchisedek nach, und da sie zu keiner Klarheit über die geheimnisvolle Persönlichkeit des alten Königs und Hohenpriesters gelangten, luden sie Abba Kopres zu ihrer Zusammenkunft ein und befragten ihn zu Melchisedek. Als Kopres das hörte, schlug er sich dreimal auf den Mund und sagte: „Wehe dir, Kopres! Du hast das, was Gott dir geboten hat, vernachlässigt, und jetzt erforschst du das, was Gott von dir nicht verlangt.“ Die Mönche wurden von Scham erfüllt und gingen ausein-ander. Chrysostomos schreibt: „Wenn wir uns an die wahren Dogmen halten, unser Verhalten aber nicht bedenken, dann wird uns das nicht von Nutzen sein. Und wenn wir unser Verhalten bedenken und die wahren Dogmen vernachlässigen, dann erhalten wir gleichfalls nichts Nützliches für unsere Rettung. Wenn wir von der Gehenna [Feuerhölle] erlöst werden wollen und das Reich erlangen möchten, müssen wir auf beiden Seiten geschmückt sein: sowohl mit dem rechten Glauben als auch mit der Rechtschaffenheit des Lebens.“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus:
1. Gegenüber Sündern und Kranken;
2. Gegenüber den Menschen, die verirrt waren wie Schafe ohne einen Hirten;
3. Gegenüber der ganzen Menschheit, für die Er sich kreuzigen ließ.

Homilie

Über die Schau der unsichtbaren Welt

Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. (2 Kor 4,18)

Wir sehen diese stoffliche und vergängliche Welt, doch wir schauen jene geistige und todlose Welt.
Wir sehen irdische Freude, oft unterbrochen von Tränen und Seufzen, die schließlich unver-meidlich im Tode endet; doch wir schauen jene geistige Freude unter den Engeln und Gottes Heili-gen im Himmel, ununterbrochene und ewige Freude.
Wir sehen das Leiden und Scheitern der Gerechten in diesem Leben; doch wir schauen ihre Herrlichkeit und ihren Triumph in der anderen Welt.
Wir sehen viel Erfolg, Ruhm und Ehre für die Gesetzlosen in diesem Leben; doch wir schauen ihre Niederlage, Verdammnis und unaussprechliche Qual in Ewigkeit.
Wir sehen die Kirche Gottes oft gedemütigt und verfolgt in dieser Welt; doch wir schauen ihren letztgültigen Sieg über all ihre sichtbaren und unsichtbaren Feinde und Widersacher.
Oft sehen wir, meine Brüder, Tyrannen und Verführer als die Herrschenden und Besitzenden in diesem Äon, und wir sehen die Heiligen arm, bedrängt und vergessen; doch wir schauen das andere Reich, das Reich Gottes, ewig, sündelos und todlos, in dem die Heiligen herrschen, ohne Tyrannen und Verführer, ohne einen einzigen von ihnen.
O Langmütiger und Barmherzigster Herr, öffne unsere geistigen Augen, damit wir sehen kön-nen, was uns nach diesem kurzen Leben erwartet und wir danach streben, Dein Gesetz zu erfüllen. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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27.01.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).