13.01.2021

31.12.2020

Gedenken

31. Dezember nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Melania die Römerin († 438); am Sonntag nach der Geburt des Herrn: hll. und gerechte Joseph, König David und Jakobus, der Bruder des Herrn; hl. Märtyrer Zotikos, Schützer der Armen (4. Jh.); hl. Theophylakt, Erzbischof von Ochrid († 1108); sowie hl. Anysios, Bischof von Thessaloniki († ca. 406); hl. Gelasios, Mönch in Palästina; hl. Marius (Maire), Bischof v. Aventicum (Avenches), Westschweiz († 594); hl. Sabiana, Äbtissin von Samts’che († 11. Jh.); hl. Petr Mogila, Metropolit von Kiev († 1646); hl. Märt. Hermes (Rumänien); hl. Kyriakos v. Bisericani (Rumänien) († 1660); hl. Kyriakos der Hesychast von Tazlau (Rumänien) († 1660); hl. Neumärt. Bischof Thaddeus (Uspensky), Rußland († 1937); hl. Bekenner Dositheos, Metropolit von Zagreb († 1941); Zehn jungf. Märtt. v. Nikomedia; hll. Märtt. Vusiris, Gaudentios u. Nemo.

1. Die gottgeweihte Melania die Römerin wurde in Rom geboren. Ihre Eltern waren fromm und wohlhabend. Sie wurde von ihnen mit einem jungen Adligen namens Apinianus verheiratet. Sie erkrankte schwer, als sie ihr zweites Kind gebar, und sie sagte ihrem Gemahl, daß sie nur genesen würde, wenn er vor Gott gelobte, mit ihr in Zukunft wie ein Bruder mit seiner Schwester zu leben. Ihr Gatte gelobte dies, und Melania erlangte durch ihre geistige Freude die Gesundheit wieder. Als es Gott gefiel, ihre beiden Kinder zu Sich zu nehmen, entschieden sie, ihren ganzen Besitz zu verkaufen und den Gewinn an die Armen, die Kirchen und Klöster zu verteilen. Sie reisten durch viele Länder und Städte und taten mit ihrem Besitz viel Gutes. Sie besuchten berühmte geistige Väter in Ober- und Unterägypten, erfuhren viel und wurden von ihnen inspiriert. Während dieser ganzen Zeit führte Melania ein asketisches Leben strikten Fastens, eifrigen Gebets und der Lesung der hl. Schriften. Melania hatte die Gewohnheit, das ganze Buch der Heiligen Schrift, sowohl das Alte als auch das Neue Testament, dreimal im Jahr zu lesen. Sie lebte mit ihrem Mann wie mit einem Bruder und Mitasketen. Sie kamen nach Alexandria und empfingen den Segen des Patriarchen, des hl. Kyrillos. Danach reisten sie nach Jerusalem und ließen sich auf dem Ölberg nieder. Dort schloß sich Melania ein und widmete sich der göttlichen Betrachtung, Fasten und Gebet. So lebte sie vierzehn Jahre, danach kam sie heraus, um anderen zu helfen, die Rettung zu erlangen. Sie gründete ein Männerkloster und ein Frauenkloster. Auf Einladung des Senators Volusian, ihres Verwandten, eines Heiden, ging sie nach Konstantinopel und bekehrte ihn zum christlichen Glauben (was sogar dem sel. Augustinus nicht gelungen war). Dann kehrte sie zum Ölberg zurück, wo sie im Jahr 439 im Alter von siebenundfünfzig Jahren vor Gott trat.

2. Die hll. und gerechten Joseph, König David und Jakobus, der Bruder des Herrn. Man gedenkt ihrer am Sonntag nach der Geburt des Herrn. Über David, den Sohn Isais’, erfährt man im Buch der Könige, und über den hl. Jakobus siehe unter dem 23. Oktober. Joseph der Gerechte wird im Evangelium ein gerechter Mann (Mt 1,19) genannt, und deshalb bestimmte ihn Gott, die Allheilige Jungfrau zu beschützen, und ließ ihm im Plan der Rettung der Menschheit große Ehre zuteil werden. Obwohl Joseph aus der königlichen Linie Davids stammte, war er ein demütiger Zimmermann in Nazareth. Im Alter von achtzig nahm er die Allheilige Jungfrau aus dem Tempel in Jerusalem in sein Haus. Er entschlief in Frieden im Alter von 110.

3. Der gottgeweihte Märtyrer Zotikos, der Ernährer der Waisen (Wohltäter der Armen). Zotikos gehörte sowohl von Geburt als auch dem Rang nach dem Adel an. Er zog nach Jerusalem, entsagte allen weltlichen Dingen und empfing die Priesterweihe. Er gründete ein Haus für die Armen, in dem er jene beherbergte, die ansteckende Krankheiten hatten, und kümmerte sich um sie. Er war ein persönlicher Bekannter des Kaisers Konstantin des Großen. Wegen des Goldes, das er vom Kaiser erhalten, doch für die Kranken ausgegeben hatte, ließ ihn Konstantios, der Sohn Konstantins, an einen wilden Esel binden, der ihn über den Boden schleifte, bis der hl. Zotikos an seinen Wunden starb. Er erlitt das Martyrium im vierten Jahrhundert.

4. Der sel. Theophylakt, Erzbischof von Ochrid, wurde auf der Insel Euripos (Euböa) geboren und in Konstantinopel von den hervorragendsten Lehrern jener Zeit ausgebildet. Als Priester der Großen Kirche wurde er zum Bischof gewählt und gegen seinen Willen nach Ochrid geschickt, wo er ungefähr fünfundzwanzig Jahre blieb (von ungefähr 1082 bis 1108). Chromatianos von Ochrid nennt ihn den „weisesten Erzbischof“. Ein Mann von enormer Gelehrtheit, sowohl säkular als auch theologisch, von feinem byzantinischen Geschmack, melancholisch und empfindsam, fühlte sich Theophylakt unter den Slaven wie ein Verbannter unter Barbaren. Er schrieb Kommentare zu den vier Evangelien und anderen Büchern des Neuen Testaments. Dies sind die besten Werke ihrer Art nach denen des hl. Johannes Chrysostomos, und man kann sie auch heute noch mit großem Gewinn lesen. Zu seinen anderen bekannten Werken gehören seine Briefe und das Leben des hl. Kliment von Ochrid. Im hohen Alter zog sich der hl. Theophylakt von Ochrid nach Thessaloniki zurück, wo er sein irdisches Leben zu beenden gedachte und seine Wohnstatt in der gesegneten Ewigkeit einnahm.             

Lobeshymne

Die gottgeweihte Melania die Römerin

Die reiche Melania besaß viel Gold.
Sie gab es den Armen um Christi und ihrer Rettung willen.
Wer weisen Handel treibt, empfängt großen Gewinn von seinem Gold
Und erwirbt damit rasch das Himmelreich.
Melania, die fromme Frau, wurde arm;
Nichts besaß sie in der Welt außer dem Lebendigen Gott,
Und ohne Gold – aber mit dem Lebendigen Gott – wurde sie reich.
Melania sagte: „Gott allein genügt!“
Melania, die Ärztin, heilte viele Leiden
Und pries Gott bis zu ihrem letzten Atemzug.

Betrachtung

Wie weise konnten heilige Männer und Frauen mit ihrem Reichtum umgehen! Wie geschickt kauften sie himmlische Güter mit ihrem irdischen Reichtum! O welch niedrigen Wert maßen sie den irdischen Gütern zu, sie erachteten sie als Staub und Asche. Als die hl. Melania die Einsiedler in Ägypten mit der Absicht besuchte, ihnen finanzielle Hilfe zukommen zu lassen, war sie darüber erstaunt, daß sie Güter und Besitz gänzlich verachteten. So besuchte sie einen Einsiedler namens Ephestion und sah nichts in seiner Zelle außer Matten, einem Wasserkessel und wenig trockenes Brot und ein Töpfchen Salz. Da sie voraussah, daß der Altvater von ihr kein Geld nehmen würde, ergriff sie die Gelegenheit, einige Goldstücke in den Salztopf zu legen. Doch als sie auf dem Rückweg war, hörte sie den Altvater hinter ihr herlaufen und rufen, sie möge stehenbleiben. Als sie der Altvater erreicht hatte, hielt er ihr das Gold auf der Hand entgegen und sagte. „Ich brauche das nicht; nimm, was dir gehört.“ Melania sagte zu ihm: „Wenn du das nicht brauchst, gib es jemand anderem.“ Er erwiderte: „Keiner hier kann damit etwas anfangen.“ Als Melania das Gold nicht zurücknehmen wollte, hob der Altvater den Arm und warf das Gold in den Fluß. Dann kehrte er in seine Zelle zurück.
Als einmal in Konstantinopel die Pest ausbrach, befahl Kaiser Konstantios, daß jeder Erkrankte sofort ins Meer geworfen werden solle. Der hl. Zotikos brachte die Kranken zusammen und nahm sie mit in sein Haus, um sich dort um sie zu kümmern. Als das Geld ausging, ging er zum Kaiser und bat um Geld, um kostbare Perlen für ihn zu kaufen. Der Kaiser gab ihm Geld und damit holte er weitere Pestopfer zu sich, um für sie zu sorgen. Eines Tages fragte der Kaiser nach den versprochenen Perlen, und Zotikos nahm ihn und zeigte ihm die Menschen in seinem Haus, wobei er sagte: „Diese, o Kaiser, sind die lebendigen Perlen, die ich mit Mühe und dem Geld für deine Rettung gesammelt habe.“ Der erboste Kaiser verurteilte Zotikos zum Tode. Zotikos ging ins ewige Leben, und der Kaiser blieb zurück, um seine Sünde zu erkennen und zu bereuen.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Versammlung (Chor) der Büßer:
1. Wie sie wissentlich oder unwissentlich gegen das Gesetz Christi gesündigt haben;
2. Wie sie bereut haben, ihr Leben berichtigten und das Gesetz Christi erfüllten;
3. Wie sie jetzt im Reich Christi singen und uns durch ihre Gebete helfen.

Homilie

Über den Sieg des Lammes

Sie werden mit dem Lamm Krieg führen, aber das Lamm wird sie besiegen.
(Offb 17,14)

Laßt uns voll Freude sein, meine Brüder, und jubeln über den Sieg des Lammes über alle Tiere. Löwen und Tiger und Wölfe und Füchse und Hyänen und Schlangen werden durch das Lamm besiegt! Wer hat jemals solches gehört oder gesehen? Unsere Augen haben es gesehen und unsere Ohren haben es gehört. Das Lamm ist Christus der Herr, und die Tiere sind all seine Gegner, die sichtbaren und die unsichtbaren. Auch in unseren Tagen bringt das Lamm Sieg, und es wird siegen bis zum letzten Tag. Er hat alle Könige und Herrscher der Welt, deren Natur wie die der wilden Tiere war, überwunden und wird sie überwinden, ihre Armeen und Händler, und Er wird jene, die Ihm nachfolgen, verherrlichen. Solche Macht besitzt das sanfte Lamm Gottes.
O, meine bedrängten Brüder, fürchtet euch nicht; seid nicht verzagt; zweifelt nicht. Der große Sieger ist euer Führer, euer Helfer und euer Freund. Er wird Lamm genannt, da Er uns lehrt, Lämmer zu sein: still, sanftmütig, arglos, geduldig, bereit zum siegreichen Opfer und ganz dem Willen des Hirten ergeben. Wenn Gott mit dem Lamm ist, ist es stärker als der Wolf, mächtiger als der Löwe, klüger als die Schlange oder der Fuchs. Doch man kann die Wahrheit oder den endgültigen Sieg nicht sehen, solange nicht beide Welten in Betracht gezogen werden. O meine Brüder, wenn wir dies tun, gelangen wir dahin, die ewige Wahrheit und den unsterblichen Sieg zu erkennen. Das Lamm siegt – allein das Lamm.
O Jesus, unser Herr, Du König der Könige, Du Sieger in jedem Streit und Kampf, Du Lamm Gottes, sanftmütig und freundlich, mache uns zu siegreichen Lämmern. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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13.01.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).