11.01.2021

29.12.2020

Gedenken

29. Dezember nach dem Kirchenkalender

Gedenken: 14.000 Kinder in Bethlehem; hl. Markellos († 489); hll. Mark der Totengräber und Feofil der Weinende (11. Jh.); sowie hl. Benjamin, Mönch von Nitria in Ägypten († 392); hl. Athenodoros, Schüler des hl. Pachomios des Großen (4. Jh.); hl. Ioann vom Kiever Höhlenkloster (11.-12. Jh.); hl. Feofil von Luga u. Omuč († 1412); hl. Hieroneumärt. Bischof Arkadij (Ostalskij), Rußland († 1937); hl. Trophimus, erster Bischof v. Arles (3.Jh.); Gedenken aller orthodoxen Christen, die durch Hunger, Durst, Schwert oder Kälte umgekommen sind.

1. Die vierzehntausend Kinder von Bethlehem. Als die Magier aus dem Osten nicht von Bethlehem nach Jerusalem zurückkehrten, um Herodes über den neugeborenen König Kunde zu geben, und stattdessen auf Geheiß des Engels auf einem anderen Weg in ihre Heimat zogen, wurde Herodes wütend wie ein wildes Tier und befahl, alle Kinder in Bethlehem und Umgebung im Alter bis zu zwei Jahren zu töten. Dieser schreckliche Befehl des Königs wurde buchstabengetreu ausgeführt. Seine Soldaten enthaupteten Kinder mit dem Schwert, andere schlugen sie gegen Steine, zertraten oder erwürgten sie eigenhändig. Und die Schreie und Klagen der Mütter erhoben sich zum Himmel: Geschrei und bitteres Weinen; Rahel weinte um ihre Kinder (Jer 31,15; Mt 2,18), wie prophezeit worden war. Dieses Verbrechen an der großen Zahl unschuldiger Kinder geschah ein Jahr nach der Geburt Christi, als Herodes das göttliche Kind suchte. Er fragte Zacharias nach seinem Sohn Johannes, um ihn zu töten; denn er dachte natürlich, Johannes sei der neue König. Als Zacharias ihm Johannes nicht übergab, wurde er im Tempel auf Befehl von Herodes getötet. Der hl. Symeon der Gottesträger wäre bald nach der Begegnung im Tempel ebenfalls ermordet worden, wenn dieser nicht schon in Gott entschlafen wäre. Nachdem Herodes die Kinder von Bethlehem ermordet hatte, ging Herodes gegen die Ältesten der Hebräer los, die ihm kundgetan hatten, wo der Messias geboren werden sollte. Er tötete Hyrkanes, den Hohenpriester, und siebzig Älteste des Sanhedrin. So kamen jene, die gegenüber Herodes ihr Einverständnis mit der Ermordung des neugeborenen Christus-Königs bekundet hatten, zu einem bösen Ende. Danach ermordete Herodes seinen Bruder, seine Schwester, seine Frau und drei Söhne. Schließlich kam Gottes Strafe über ihn: Er begann zu zittern, seine Beine schwollen an, der untere Bereich seines Leibes faulte, und Würmer kamen aus den Wunden. Seine Nase war verstopft, und ein unerträglicher Gestank ging von ihm aus. Vor seinem letzten Atemzug erinnerte er sich daran, daß es viele im Gefängnis eingesperrte Hebräer gab, und er befahl, sie alle zu töten, damit sie sich nicht an seinem Tod freuen konnten. So gab dieser schreckliche Herrscher seine unmenschliche Seele auf und übergab sie dem Teufel zum ewigen Besitz.

2. Der gottgeweihte Markellos stammte aus Apamea in Syrien. Er war Abt der Gemeinschaft der Schlaflosen in Konstantinopel. Er war hellsichtig, war ein Heiler und großer Wundertäter. Er sprach mit Engeln, besiegte mit Leichtigkeit Dämonen und trieb sie aus. Nach seinem Tod erschien Markellos dem hl. Lukian, einem Mitglied seiner Gemeinschaft, und sagte Lukian, daß er Gott gebeten habe, ihn bald ins Himmelreich aufzunehmen. Dieser heilige und glorreiche Mann entschlief in Frieden im Jahr 486.

3. Die gottgeweihten Mark der Totengräber und Feofil der Weinende. Mark und Feofil waren Mönche des Klosters der Kiever Höhlen. Der hl. Mark besaß Gnade in solch reichem Maß, daß er den Toten gebot, und sie gehorchten ihm: Mark sagte zu einem toten Mönch, der schon gewaschen war und über den der Totengottesdienst gelesen worden war: „Warte bis morgen, Bruder, denn dein Grab ist noch nicht fertig“, und der Mönch öffnete seine Augen und blieb bis zum folgenden Tag am Leben. Feofil weinte ständig wegen seiner Sünden, und er fing die Tränen, die er vergoß, in einem Becken auf. Vor seinem Tod erschien ihm ein Engel und zeigte ihm ein größeres Becken, mit Tränen gefüllt. Dies waren Feofils Tränen, die auf den Boden gefallen waren oder mit seiner Hand fortgewischt wurden oder auf seinem Gesicht getrocknet waren. So sind auch im Himmel all unsere Tränen bekannt und aufbewahrt, wie auch unsere Leiden, Mühen und Seufzer um unserer Rettung willen. Diese heiligen Diener Gottes entschliefen im elften Jahrhundert und gingen ein in das Reich Christi.

Lobeshymne

Die vierzehntausend Kinder von Bethlehem

Eine Stimme in Rama war zu hören, und viel Weinen
Und trauernde Mütter schrien zu Gott.
Im Blut lagen die geschlachteten Kinder
Und über ihnen klagten die Mütter voll Schmerz.
Die Stadt Davids und die umliegenden Regionen klagten:
Der Himmel war entsetzt über die Missetat der Menschen;
Der Himmel und die Erde waren entsetzt und bebten,
Als die Schreie der Unschuldigen die Luft durchschnitten.
Der Schlag, für den Sohn Gottes bestimmt,
Fiel mit seinem Gewicht auf die unschuldigen Kinder,
Auf Junge und Hilflose im gleichen Alter wie Christus.
Die Knechte des verruchten Königs schlugen zu,
Wo die Engel Gottes sangen
Und Christi Hirten demütig knieten,
Dort floß nun ein Blutschwall.
Warum? Damit Herodes stets der Erste sei!
Kaum erschien der Ewige Arzt auf der Erde,
Da offenbarte die Erde sogleich ihre Wunden und Sünden
Und zeigte, wie krank die Menschheit war
Und wie notwendig die Heilung vom Himmel ist.
Doch den jungen Vorläufern Seiner Leiden
Gewährte Christus die ewige Freude des Paradieses.

Betrachtung

Eine Geschichte über die Allreine Jungfrau Maria: Sie empfing den Herrn Jesus an einem Freitag und gebar Ihn am ersten Tag der Woche. Über diesen Tag der Woche sprach Gott: Es werde Licht (Gen 1,3), an diesem Tag fiel Manna vom Himmel, an diesem Tag wurde unser Herr und Erlöser geboren und an diesem Tag im Jordan getauft. Es lebte in Bethlehem zu jener Zeit eine Greisin namens Salome, eine Verwandte von Joseph und Maria. Sie konnte ihre Verwandten nicht zu sich ins Haus aufnehmen, sondern besuchte sie in der Höhle der Hirten. Als die Allheilige Jungfrau den Herrn und Erlöser unbefleckt geboren hatte, kam Salome zu ihr zu Besuch und war erstaunt darüber, daß solch ein junges Mädchen ohne die Hilfe einer Hebamme hatte gebären und das Kind hatte wickeln können und immer noch auf den Beinen war. Als sie Salome erklärte, daß diese Geburt von Gott kam und nicht von Menschen, daß sie unbefleckt und ohne Schmerz geschehen war und die jungfräuliche Mutter auch nach der Geburt Jungfrau geblieben war wie zuvor, da glaubte Salome dies nicht, sondern streckte ihre Hand aus, um wie eine Hebamme den Allheiligen Leib der Jungfrau zu untersuchen, ob dies so sei. Sie wurde für ihren Unglauben und ihre Unverschämtheit bestraft: ihre Hand wurde geschlagen und verwelkte. Die alte Frau war dadurch sehr erschrocken und brach in Klagen über ihre verwelkte Hand aus. Als sie dann das göttliche Kind berührte, wurde sie wieder gesund, und Salome glaubte an die Jungfräulichkeit der Allheiligen Jungfrau Maria und die Gött-lichkeit Christi.
Nach vierzig Tagen, als dem Brauch gemäß die Allreine Jungfrau mit dem Kind zum Tempel nach Jerusalem kam, stellte sie der Hohepriester Zacharias an die Stelle, die für Jungfrauen vorbehalten war. Die Pharisäer und Priester waren darüber erstaunt und wollten sie an die Stelle für verheiratete Frauen weisen; doch Zacharias, mit Hellsichtigkeit begabt, bestand darauf, daß sie eine Jungfrau sei, obgleich sie geboren hatte. Deswegen haßten ihn die jüdischen Ältesten und gaben Herodes den Rat, ihn zu töten. Sofort nach Verlassen des Tempels verließen die Mutter Gottes und Joseph Jerusalem und begaben sich nach Nazareth und dann nach Ägypten.   

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Versammlung (den Chor) der heiligen Hierarchen und Kirchenlehrer:
1. Wie sie voller Eifer das Evangelium predigten und Hirten der Herde Christi waren;
2. Wie sie den Glauben mit Frömmigkeit befestigten und die Häresie überwanden;
3. Wie sie jetzt im Reich Christi singen und uns durch ihre Gebete helfen.

Homilie

Über die Allheilige Jungfrau und Mutter Gottes

Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
(Lk 2,35)

Wer auf dieser Erde kann der geduldigen Langmut des Herrn im Leiden nahekommen außer Seiner Allheiligen Mutter? Der Altvater Symeon, geschmückt mit dem Alter wie ein weißer Schwan, sah als Prophet ihr zukünftiges Leiden voraus und verglich dieses Leiden mit einem Schwert in ihrer Seele. Ein Schwert ging durch ihre Seele als der gerechte Joseph Zweifel an ihr hegte während ihrer Schwangerschaft; und ein anderes, als sie nach Ägypten vor Herodes’ Schwert fliehen mußte; und ein drittes und ein viertes und viele, viele andere, als sie den Haß und die Intrigen der jüdischen Ältesten gegen ihren Sohn sah – Tag für Tag während der ganzen Zeit Seiner Predigt und Seiner wundervollen Werke unter den Menschen. Doch das schärfste Schwert durchstach ihr Herz, als sie neben dem Kreuz ihres Sohnes und Herrn stand. Dieses Kreuz war jenes, das der heilige Altvater Symeon vorhergesehen und wovon er gesprochen hatte. Ihr Schweigen war majestätisch und bewegend, ein Schweigen, hinter dem sie wie hinter einem Vorhang all ihren Schmerz verbarg, all die Wunden in ihrem Herzen. In der Dunkelheit leuchtete all der Schmerz, den sie in ihrem allerreinsten Herzen angesammelt hatte, als eine unauslöschliche Flamme des Glaubens und der Hoffnung auf Gott und der Hingabe an Ihn. Die Magd Gottes, unvergleichlich in ihrem Adel. Sie hatte ihren Ort im Plan Gottes für die Rettung der Menschen gesehen; sie hatte über sich selbst in den Propheten gelesen; sie hatte mit Engeln, den Boten Gottes, gesprochen. Daher wußte sie, daß alles, was über sie kam, Freude oder Schmerz, von Gott kam; und daher geriet sie niemals in einen Taumel der Freude, noch murrte sie in ihrem Schmerz. Sie blieb schweigsam mit einem „Ja“ im Herzen.
O Allerheiligste Jungfrau, Mutter Gottes, hilf uns, daß auch wir, wie Du es warst, dem Willen Gottes gehorsam sind. Deinem Sohn und Herrn und Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.   

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11.01.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).