12.08.2020

30.07.2020

Gedenken

30. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. Apostel Silas und Silvanus v. d. Siebzig und mit ihnen Crescens, Epenetos und Andronikos; hl. Märt. Valentin († 273) u. d. hll. Märtt. Proklos, Ephebos, Apollonios u. Abudinos, Jünglinge; hl. Hieromärt. Polychronios, Bischof von Babylon († 251) u. a.; hl. Johannes der Soldat; hl. Fürstin Angelina von Serbien (16. Jh.); sowie hl. Fürst Tsotne Dadiani, Bekenner v. Mingrelia, e (13. Jh.); hl. Stefan (Vladislav) v. Serbien († 1243); Erhebung der Gebeine (1484) d. hl. German (Herman) v. Solovki († 1479); hl. Bekenner Anatolij (Potapov, „der Jüngere“) von Optina († 1922). Sitka Ikone der Allheiligen Gottesmutter.

1. Die hll. Apostel Silas, Silvanus, Crescens, Epenetos und Andronikos werden zu den Siebzig Aposteln gezählt. Der hl. Silas wurde von Jerusalem mit Paulus und Barnabas nach Antiochia gesandt, um den Streit zwischen den dortigen Gläubigen bezüglich der Beschneidung zu schlichten, und zwar, daß es nicht nötig sei, die Heiden, die sich zum Christentum bekehrten, zu beschneiden. Da beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern (Apg 15,22). Danach reiste Silas zusammen mit Paulus durch Asia und Makedonien und wurde zum Bischof in Korinth ernannt, wo er in Frieden starb.
Der hl. Silvanus war ein Mitarbeiter der beiden führenden Apostel. Durch Silvanus, den treuen Bruder Silvanus, habe ich euch kurz geschrieben. Ich habe euch ermahnt und habe bezeugt, daß dies die wahre Gnade Gottes ist, in der ihr steht (1 Petr 5,12).
Denn Gottes Sohn Jesus Christus, Der euch durch uns verkündet wurde – durch mich, Silvanus und Timotheus –, ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in Ihm ist das Ja verwirklicht (2 Kor 1,19). Als Bischof von Thessaloniki arbeitete Silvanus viel und litt viel, bis er schließlich dieses irdische Leben um des himmlischen Lebens willen eintauschte.
Der hl. Crescens war ein Begleiter des Apostels Paulus und nach diesem Bischof in Galatien und Missionar in Gallien, wo er den Märtyrertod um Christi willen unter Trajan erlitt. Denn Demas hat mich verlassen und diese Welt liebgewonnen und ist nach Thessaloniki gezogen, Crescens nach Galatien, Titus nach Dalmatien (2 Tim 4,10).
Der hl. Epenetos wird vom Apostel Paulus erwähnt. Er war Bischof in Karthago. Grüßt meinen lieben Epenetos, der die Erstlingsgabe der Provinz Asien für Christus ist (Röm 16,5).
Der hl. Andronikos, der Bischof von Pannonia, wird am 17. Mai eigens kommemoriert. Grüßt Andronikos und Junia, meine Stammverwandten, die... schon vor mir in Christus gewesen sind (Röm 16,7).

2. Der hl. Hieromärtyrer Valentin. Valentin war der Bischof der italienischen Stadt Interamna. Er heilte den Bruder des römischen Tribuns Frontanus von einer Krankheit. Als Cherimon, der Sohn des bekannten Philosophen Kraton, krank wurde, rief Kraton auf Frontanus’ Rat Bischof Valentin nach Rom. Cherimon war völlig verkrüppelt, so daß sein Kopf zwischen die Knie gebeugt war. Valentin schloß sich in einem Raum mit Cherimon ein und verbrachte die ganze Nacht im Gebet. Am folgenden Tag führte er Cherimon völlig geheilt heraus und übergab ihn seinem Vater. Da ließ sich Kraton mit seinem ganzen Haus und drei von seinen Schülern taufen. Cherimon verließ das Haus seines Vaters und folgte Valentin. Zu jener Zeit wurde auch Abundius getauft, der Sohn des römischen Statthalters. Der Statthalter, darüber erzürnt, verhaftete Valentin, und nach vielen Martern wurde er enthauptet. Ebenfalls enthauptet wurden zur gleichen Zeit Kratons drei Schüler: Proklus, Abibus und Apollonius. Ihre Körper wurden von Abundius mitgenommen und unter Ehren begraben. Sie erlitten das Martyrium im Jahr 273 und wurden zu Bewohnern des himmlischen Königreichs.

3. Der hl. Hieromärtyrer Polychronios, Bischof von Babylon. Als Kaiser Decius Babylon einnahm, nahm er Polychronios mit drei Priestern, zwei Diakonen und zwei getauften Fürsten, namens Eudin und Senis,  gefangen. Polychronios wollte vor dem Kaiser nicht antworten und schwieg, während der hl. Parmenios, der Priester, im Namen aller sprach. Der Kaiser nahm den Bischof und die Priester mit nach Persien, in die Stadt Kordoba, und dort wurden sie enthauptet. Die Fürsten Eudin und Senis wurden mitgenommen nach Rom, und dort wurden sie zuerst den wilden Tieren vorgeworfen und danach enthauptet. Sie alle litten ehrenvoll im Jahr 251.

4. Der hl. Johannes der Soldat. Johannes war insgeheim Christ. Er wurde von Kaiser Julian dem Apostaten ausgesandt, Christen zu töten, doch er tötete sie nicht, sondern half ihnen statt dessen, sich zu verstecken. Julian warf ihn in Konstantinopel ins Gefängnis. Als der boshafte Kaiser Julian getötet wurde, übergab sich Johannes der Askese und führte ein Leben in Reinheit und Heiligkeit. Er starb in Frieden in hohem Alter. Nach seinem Tod erschien er einigen, die der Hilfe bedurften. Gebete, die an den hl. Johannes gerichtet werden, helfen, Räuber ausfindig zu machen.

5. Die gottgeweihte Mutter Angelina war eine serbische Fürstin [Despotiza]. Ihre Reliquien ruhen im Kloster Krušedol (12. Dezember).

Lobeshymne

Der heilige Polychronios

Der heidnische Herrscher, der schreckliche Kaiser Decius,
Schrie voller Wut: „O Polychronios,
Warum ehrst du, Greis, nicht die Götter Roms?
Dem kaiserlichen Befehl, warum gehorchst du ihm nicht?“
Doch der Heilige blieb still, nichts sprach er.
Erneut fragte ihn der Kaiser, doch der Heilige sprach nicht.
Dieser Mann ist stumm!, schloß Decius daraus.
„Unser Vater ist nicht stumm“, sagte Parmenios.
„Er will nur nicht sprechen, sondern hält seine Lippen rein.
Er hält seine Lippen rein, dem Gebot Christi gemäß:
Werft eure Perlen nicht den Schweinen vor,
Gebt das Heilige nicht den Hunden!
Der Heilige bewahrt die Perle,
Bewahrt sie in sich selbst,
Um seinen Mund nicht zu beschmutzten, wenn er mit dir spricht.“
Decius, wutentbrannt wie nie zuvor in seinem Leben,
Befahl, Parmenios die Zunge abzuschneiden.
Sie schnitten seine Zunge ab. Doch was bedeutete das für ihn –
Des Heiligen Stimme wurde nur noch schöner und stärker.
So kämpft der Herr für Seine eifrigen Knechte,
Bewahrt sie vor Schande und dem Spott der Menschen.

Betrachtung

Es ist notwendig, zwischen dem Sünder und dem reuigen Sünder, dem Büßer, zu unterscheiden. Wenn es deine Gewohnheit ist, Sünder zu verurteilen, sieh zu, daß du nicht einen Büßer verurteilst. Wie sehr Gott einen reuigen Sünder liebt, ersieht man aus dem Gleichnis vom Verlorenen Sohn. So möge auch er dir lieb sein, den Gott liebt.
Es geschah einmal, daß ein Mönch in eine Sünde fiel und deswegen des Klosters verwiesen wurde. Der Mönch ging zum hl. Antonios, beichtete seine Sünde, bereute sie und blieb einige Zeit bei ihm. Dann schickte ihn der hl. Antonios in sein Kloster zurück; doch sie nahmen ihn nicht auf und warfen ihn erneut heraus. Der reuige Sünder ging wieder zum hl. Antonios. Der hl. Antonios schickte ihn wieder zum Kloster zurück mit der folgenden Botschaft an die Väter: „Ein Schiff erlitt Schiffbruch und verlor seine Fracht. Nur unter großen Schwierigkeiten kehrte es in den Hafen zurück – und ihr wollt nun versenken, was vor dem Versinken gerettet wurde!“ Als die Väter diese weise Botschaft vernahmen, empfingen sie ihren reuigen Bruder mit Freude im Kloster.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über Gideons wundersamen Sieg über die Midianiter (Richter 7):
1. Wie Gideon 32.000 Soldaten auswählte und gegen Midian in den Kampf zog;
2. Wie der Herr ihn anwies, diese Zahl zu verringern, damit sich die Israeliten nicht damit rühmen konnten, es sei eher ihr Sieg als der Sieg Gottes gewesen;
3. Wie Gott nur dreihundert Soldaten nahm und die Midianiter besiegte, deren Menge einem Heuschreckenschwarm glich.

Homilie

Über das Kommen des Furchtbaren Tages des Herrn

Der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Dann wird der Himmel
 prasselnd vergehen, die Elemente werden verbrannt und aufgelöst,
die Erde und alles, was auf ihr ist, werden (nicht mehr) gefunden.
(2 Petr 3,10)

Der Tag des Herrn ist schrecklich; o wie unaussprechlich furchterregend ist er! Er ist schrecklich wegen seiner unerbittlichen Gerechtigkeit und weil er unerwartet hereinbricht. Der Herr Selbst befahl: Wacht, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde (Mt 25,13); und der Apostel, der diese Worte von Seinen Lippen vernahm, wiederholt sie. Wer Diebe fürchtet, wacht jede Nacht, damit nicht ein Räuber ohne Vorwarnung eindringt. Wer den Tag des Herrn fürchtet, wacht jeden Tag und jede Stunde, ob nicht der Tag und die Stunde ohne Vorwarnung anbrechen und ihn in der Sünde antreffen. Wir sind so sehr an den gewöhnlichen Ablauf der Zeit gewöhnt, an den gewohnten Fluß der Tage und Nächte, daß wir den nahenden Donner jenes Tages nicht erwarten, der alle anderen Tage überschatten und das Rad der Zeit anhalten, seine Speichen brechen wird. Und wenn sich die Sonne über Millionen Wachskerzen erhebt, dann verblaßt deren Licht, und das Wachs schmilzt – und so wird es sein. Furchterregend jenseits aller Worte ist der Tag des Herrn! Wenn der Tag sein brennendes Antlitz über den Kerzen unserer gegenwärtigen Tage erhebt, dann werden diese ver-blassen und ausgeblasen werden; die Himmel, gemäß derer unsere jetzigen Tage gezählt werden, werden prasselnd zergehen und die Elemente werden verbrannt und aufgelöst: die materiellen Elemente, Erde, Wasser, Luft und Feuer werden zergehen, und nichts wird bleiben. Alles wird neu sein. Unser irdisches Dasein und all seine Werke werden verbrannt, und nichts wird bleiben. Alles wird neu sein. Und wenn Gott nicht über Seine Werke trauert, warum sollten wir über unsere trauern? Gott wird nicht die Werke suchen, sondern jene, die sie vollbracht haben. Alle, die Werke getan haben, werden vor Gottes Gericht erscheinen, und ihre Werke wird Er verbrennen. Und alle werden neu sein. Wer verurteilt wird, ist verurteilt; und wer belohnt wird, ist belohnt – für alle Ewigkeit. Der Tag des Herrn, meine Brüder, ist wahrhaft furchterregend. Schrecklich, weil er nicht erwartet wird, und furchtbar wegen der unerbittlichen Gerechtigkeit Gottes.
O Gerechter Herr, mach uns nüchtern und wachsam. Sende uns Deine heiligen Engel, damit sie uns in Nüchternheit und Wachsamkeit bewahren und uns nicht die Sünde vergiftet und in den Schlaf versetzt. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.  

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12.08.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).