08.08.2020

26.07.2020

Gedenken

26. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. Märtyrer Hermolaos, Hermippos und Hermokrates († 304); hl. Paraskeva v. Rom (2. Jh.); hl. Moisej der Ungar († 1043); sowie hl. jungfr. Märt. Oreozela v. Reuma in Byzanz († ca. 250); hl. Sava III., Erz-bischof v. Serbien († 1316); hl. Mönch Ignatios v. Berg Stirion; hl. Märt. Appion; hl. jungfr. Märt. Jerusalema v. Byzanz; hl. Gerontios, Gründer der Skite der Hl. Anna, Berg Athos (13. Jh.); hl. Symeon, Archimandrit u. Stylit; hl. Iakov (Netsvetov) von d. Insel Atka u. Ikogmute, Missionspriester für d. Yup’ik Eskimos am Fluß Yukon († 1867).

1. Der hl. Hieromärtyrer Hermolaos war ein Priester in Nikomedia unter Kaiser Maximian. Er war unter den tausend Märtyrern, die der Kaiser dazu verurteilte, im Brand der Kirche umzukommen (28. Dezember). Hermolaos entkam jedoch zusammen mit zwei anderen Priestern, Hermippos und Hermokrates. Hermolaos taufte den hl. Panteleimon, mit dem er vor Gericht gebracht, gemartert und schließlich enthauptet wurde. Hermippos und Hermokrates erlitten das Martyrium zusammen mit ihnen und wurden mit Siegeskränzen und Ehre im Reich Christi gekrönt. Sie litten ehrenvoll ungefähr im Jahr 304.

2. Die gottgeweihte Märtyrerin Paraskeva wurde in Rom geboren. Ihre Eltern waren Christen, und von Jugend an wurde sie im Glauben an Christus unterwiesen. Der hl. Paraskeva gelang es, alle Gebote Gottes in ihrem Leben zu erfüllen. Da ihr Glaube stark war und sie gemäß ihrem Glauben lebte, führte Paraskeva auch andere auf den Weg [der Rettung]  mit Hilfe des wahren Glaubens und einer frommen Lebensweise. Als ihre Eltern starben, verteilte Paraskeva ihren ganzen Besitz unter die Armen und wurde zur Nonne geweiht. Als Nonne verkündete sie den Glauben an Christus mit noch größerem Eifer und verbarg sich vor niemandem, obwohl zu jener Zeit die römischen Machtha-ber den christlichen Glauben blutig verfolgten. Zuerst wurde sie von boshaften Hebräern verklagt, den verbotenen Glauben zu verkünden. Sie wurde vor Kaiser Antonius vor Gericht gebracht. Alle Schmeicheleien des Kaisers halfen nicht, sie in ihrem Glauben auch nur im geringsten zu erschüttern. Dann unterwarfen sie sie feurigen Martern und setzten ihr einen rotglühenden Helm auf den Kopf. Der Herr rettete sie auf wundersame Weise, und Paraskeva wurde freigelassen und verließ Rom. Von neuem reiste sie von Stadt zu Stadt, um die Heiden dort zum wahren Glauben zu bekehren. In zwei weiteren Städten wurde sie den Fürsten und Richtern vorgeführt und für ihren Herrn gefoltert, während sie zugleich große Wunder vollbrachte und durch Gottes Kraft schnell von ihren Schmer-zen und Wunden genas. Wie immer hielten die Heiden ihre Wunder für Zauberei, und ihre Kraft, schnell wieder zu genesen, schrieben sie der Barmherzigkeit ihrer eigenen Götter zu. Die hl. Paraske-va sagte einmal zu einem Fürsten, der sie marterte: „Es sind nicht eure Götter, o Fürst, die mich geheilt haben, sondern mein Christus der wahre Gott.“ Schließlich enthauptete sie Fürst Tarasius. So endete glorreich das fruchtbare Leben dieser Heiligen. Ihre Reliquien wurden später nach Konstan-tinopel gebracht. Sie litt ehrenvoll für Christus im zweiten Jahrhundert.

3. Der gottgeweihte Moisej der Ungar war am Hof des jungen russischen Fürsten Boris. Als der gottlose Svjatopolk Boris ermordete, entkam Moisej und floh nach Kiev. Wenig später wurde er vom polnischen König Boleslav als Sklave nach Polen mitgenommen und dort für eintausend Goldmün-zen an eine junge und lasterhafte Witwe verkauft, die Frau eines der Heerführer des Boleslav, der getötet worden war. Diese boshafte Frau versuchte Moisej zur Unzucht zu verführen; doch Moisej ging nicht darauf ein, denn er hatte vor dem Herrn gelobt, keusch zu leben. Sie schlug ihm dann die Ehe vor, doch er wies auch dies zurück. Insgeheim empfing Moisej die Mönchsweihe von einem Athosmönch und trat vor die Frau im Mönchsgewand. Sie fesselte ihn, befahl, ihn auszupeitschen und sein Geschlechtsteil abzuschneiden. Der erfolglose Versuch der schändlichen Frau, ihn zu ver-führen, hatte sich über fünf Jahre hinweg erstreckt – fünf Jahre des Schmerzes und der Qual! König Boleslav fand jedoch in einem Aufstand, in dem auch diese Frau getötet wurde, überraschend den Tod. So war Moisej frei, nach Kiev zu gehen, wo er im Kloster des hl. Antonij sein Leben dem Gebet und der Stille widmete. Da er das schändliche Laster in sich selbst völlig überwunden hatte, konnte Moisej vielen darin beistehen, sich ebenso davor zu retten. Seine heiligen Reliquien halfen vielen (z. B. dem hl. Ioann dem Vieldulder, 18. Juli). Nach zehn Jahren in der Stille im Höhlenkloster fand Moisej Ruhe am 26. Juli 1043 und nahm Wohnung im ewig jungfräulichen Königreich Christi.

Lobeshymne

Der gottgeweihte Moisej der Ungar

Moisej gelobte vor Gott Reinheit.
Frei im Geist, trotz der Fesseln,
Erwiderte er der reichen und lasterhaften Frau,
Die gefesselt war von Leidenschaften, Sklavin der Ausschweifung:
„Welcher Mann bis heute, der auf eine Frau hörte,
Rettete seine Seele, von Leidenschaften besiegt?
Wegen einer Frau wurde Adam aus dem Paradies vertrieben;
Wegen Deliah widerfuhr Samson ein glanzloser Untergang;
Salomo, der Allweise, versank, von einer Frau verführt,
In der Dummheit des Götzendienstes.
Herodes‘ Kopf wurde von einer Frau betört,
Daß er des Vorläufers Johannes ehrenwertes Haupt abschlug.
Gottes Diener bin ich, o Frau, laß mich in Ruhe,
Und für dich selbst suche einen Gefährten in der Welt.
Deinem Willen werde ich mich nicht ergeben,
Mit dir in Verbindung sehe ich kein Glück.
Rein zu sein im Leib vor Gott, das ist eine Notwendigkeit,
O Frau, das ist meine heilige Pflicht.
Weder Schmeichelei, noch Gold, noch deine ganze Macht –
Weder Geist noch Leib wird mich auf Abwege bringen.
Der Herr ist allmächtig, Er hilft mir, Er will,
Daß ich meine Gelübde in Ehren zu halten vermag:
Gott ist der Gott der Reinheit, rein hat Er uns geschaffen.
Er will, daß wir rein sind, und als Reine rettet er uns.
Für einen Christen, o Frau, ist Reinheit Herrlichkeit.“

Betrachtung

Keine Leidenschaft wird ohne große Kämpfe überwunden. Die Heiligen Väter nannten die Leiden-schaft der Unzucht den Tod. Wenn ein unzüchtiger Mensch von dieser Leidenschaft gerettet wird, ist er wie ein Toter, der zum Leben erweckt wird. Für diejenigen, die in der Welt leben, wird diese Leidenschaft hauptsächlich durch das Sehen aufgestachelt; doch für die Asketen in der Wüste geschieht dies vor allem durch Gedanken und Vorstellungen. Die hl. Sarah, eine große Asketin, wurde von der wahnsinnigen Leidenschaft der Unzucht in der Wüste dreißig Jahre lang gepeinigt. Stets gelang es ihr, sie durch das Gebet zu überwinden und sie von sich zu weisen. Einmal erschien ihr diese schändliche Leidenschaft in körperlicher Form und sagte zu ihr: „Du hast mich über-wunden, Sarah!“ Sarah erwiderte demütig: „Nicht ich habe dich überwunden, sondern der Herr Jesus Christus.“ Und von da an verließen sie die unzüchtigen Gedanken für immer. Als der hl. Poimen gefragt wurde, wie man gegen die Unzucht kämpfen solle, erwiderte er: „Wenn der Mensch seinen Bauch und seine Zunge im Zaum hält, kann er die Herrschaft über sich erlangen.“ Der hl. Antonios sagt, daß es drei Arten von Bewegungen im Körper gebe: „eine natürliche, eine aus Mangel an Zurückhaltung in der Nahrung und eine von den Dämonen.“ Andere haben gesagt, die unzüchtige Begierde erlange ihre Stärke aus dem Zorn und Hochmut. Doch sie stimmten alle damit überein, daß neben Nüchternheit und den Bemühungen des Menschen Gottes Hilfe notwendig ist, um diese abstoßende Leidenschaft völlig auszutilgen. Daß es aber für einen Menschen möglich ist, sich rein zu halten, wird neben vielen anderen durch den hl. Moisej den Ungarn bezeugt, der fünfzig Jahre in der Welt und zehn Jahre im Kloster – insgesamt also sechzig Jahre – in völliger jungfräu-licher Reinheit lebte.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über den wundersamen Sieg über die Amoriter (Jos 24):
1. Wie der Herr Hornissen gegen die Amoriter schickte und sie in Verwirrung gerieten und von den Israeliten überwunden wurden;
2. Wie Gott der Herr mächtig ist und wie Er mit Hilfe kleiner Dinge den Stolz der Ungerechten zu erniedrigen vermag.

Homilie

Über das Elend jener, die zu Christus kamen, sich dann aber abwandten
        
Sie waren dem Schmutz der Welt entronnen, weil sie den Herrn und Retter
 Jesus Christus erkannt hatten; wenn sie sich aber von neuem davon fangen und
überwältigen lassen, dann steht es mit ihnen am Ende schlimmer als vorher.
(2 Petr 2,20)

Die Sonne spendet Licht, meine Brüder, doch die Worte des Apostels spenden größeres Licht. Die Sonne gibt dem Körper Licht, meine Brüder, aber sie kann die Seele nicht erleuchten, während die Seele durch die Worte des Apostels erleuchtet wird. Der Apostel sieht klar die Höhen und Tiefen der Seele, und erleuchtet sie für uns aus brennender Liebe, um uns auf den reinen Weg der Rettung zu geleiten. Er gibt uns mit wenigen Worten zwei Unterweisungen. Die erste: Man kann die Unreinheit der Welt nur durch die Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus überwinden. Wenn man noch weiter zurückgeht, kann man die Unreinheit dieser Welt nicht sehen ohne die Erkenntnis des Herrn Jesus; und ohne die Erkenntnis unseres Herrn Jesus kann man nicht von ihren Unreinheiten gereinigt werden. Die zweite: Wenn ein Mensch durch die Erkenntnis des Herrn Jesus den Unreinheiten dieser Welt entkommt und sich dann von neuem in ihnen verstrickt, dann wird es mit demjenigen am Ende schlimmer sein als vorher. Nachdem er das Licht kennengelernt hat, kehrt er zur Dunkelheit zurück, und die Finsternis ist noch tiefer. Nachdem er die Gerechtigkeit kennengelernt hat, sinkt er erneut in die Ungerechtigkeit zurück, und seine Strafe wird umso schrecklicher sein. Nachdem er heilige Dinge kennengelernt hat, verfällt er erneut dem Tierischen, und die animalische Natur wird umso mehr aufgestachelt. Der heilige Apostel zögert nicht zu sagen, daß ein solcher Rückfall dem ähnelt, wenn ein Hund zu seinem Erbrochenen zurückkehrt und ein gewaschenes Schwein sich wieder im Dreck wälzt.
Wer den Herrn kennt, hat alles erfahren, was er für die Rettung benötigt; er hat eine Brille erhalten, mit der er die Unreinheit und Falschheit und Ungerechtigkeit sehen kann, und er hat die Stärke gewonnen, vor allem diesem zu fliehen. Möge er daher nicht zurückkehren, damit ihn nicht der ewige Tod verschlingt. Möge er nicht immer wieder Gott versuchen. Denn, obgleich Gott beim ersten Mal schnell dabei war, ihn zu retten, wird Er beim zweiten Mal langsamer sein und beim dritten Mal noch langsamer. Meine Brüder, wie erhellend sind die Worte des heiligen Apostels!
O Herr Jesus, Du Allmächtiger und Gnadenvollster, verlasse uns nicht in der Stunde der Schwäche, sondern rette uns, wenn uns von neuem die Unreinheiten dieser Welt anziehen. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

<
08.08.2020
>
Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).