06.08.2020

24.07.2020

Gedenken

24. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Märtyrerin Christina (3. Jh.); hl. Polikarp, Abt des Kiever Höhlenklosters († 1182); sowie hll. Märtt. und Dulder Boris und Gleb, in der Taufe Roman und David († 1015); hl. Hilarion v. Tvaleli, Georgien (11. Jh.); hl. Pachomij am See, Abt († 1479); hl. Märt. Hermogenes; hll. Märtt. Capito u. Hymenaeos; hl. Salomtin, Bischof v. Jerusalem; hl. Neumärt. Theophilos v. Zakynthos († 1635); hl. Neumärt. Athanasios v. Chios († 1670); hl. Hieroneumärt. Ioann Kalinin, Priester v. Olenevka († 1951); hl. Declan v. Ardmore (Irland) (5. Jh.).

1. Die hl. Märtyrerin Christina wurde in Tyra geboren. Sie war die Tochter Urbans, des kaiserlichen Statthalters, eines Götzenanbeters. Der Grund, weshalb ihre Eltern ihr den Namen Christina gaben, ist unbekannt, doch er enthält das Mysterium ihrer späteren Nachfolge Christi. Bis zum Alter von elf Jahren wußte sie nichts von Christus. Als sie elf wurde, bestimmte ihr Vater, sie solle in der obersten Etage eines hohen Turmes leben, bis sie ausgereift wäre. Er wollte sie dadurch vor der Welt verbergen wegen ihrer ungewöhnlichen Schönheit. Alle Annehmlichkeiten des Lebens wurden ihr dort geboten; Sklaven wurden ihr gegeben, die ihr dienten; goldene und silberne Götzenstatuen wurden in ihren Räumen aufgestellt, so daß sie ihnen täglich Opfer darbringen könnte. Doch in dieser vom Götzenkult geprägten Umgebung war es schwer für die Seele der jungen Christina. Sie schaute jeden Tag aus dem Fenster auf die Sonne und die Schönheit der Welt und wiederum in der Nacht auf die geheimnisvollen Trauben der leuchtenden Sterne, und sie kam durch ihr natürliches Verständnis zum Glauben an den Einen Lebendigen Gott. Der barmherzige Gott, Der sah, wie sie nach der Wahrheit verlangte, sandte Seine Engel, die Christina mit dem Kreuzeszeichen bezeichne-ten, sie Braut Christi nannten und sie gänzlich im göttlichen Verständnis unterwiesen. Da zerschlug Christina alle Götzenstatuen in ihren Räumen und rief damit rasenden Zorn in ihrem Vater hervor. Er brachte sie vor Gericht und übergab sie den Martern und danach warf er sie in den Kerker mit der Absicht, sie am nächsten Tag zu enthaupten. Doch in derselben Nacht schied Urban, völlig gesund, aus dem Leben und ging vor seiner Tochter ins Grab. Danach fuhren zwei kaiserliche Statthalter namens Dion und Julian fort, diese heilige Jungfrau zu martern. Christinas mutiges Durchhalte-vermögen und ihre Wunder, die sie durch Gottes Kraft vollbrachte, bekehrten viele Heiden in Tyra zum Christentum. Während Christina gemartert wurde, fiel Dion plötzlich zwischen den Menschen tot zu Boden. Julian, Dions Nachfolger, schnitt Christina die Brüste und die Zunge ab. Die Märtyre-rin nahm ihre Zunge und warf sie Julian ins Gesicht, worauf er sogleich erblindete. Schließlich endete ihr Leiden für Christus durch den Tod unter dem scharfen Schwert, doch ihr Leben geht weiter im ewigen Reich der Engel. Christina litt ehrenvoll im dritten Jahrhundert.

2. Der gottgeweihte Polikarp, Abt des Kiever Höhlenklosters. Polikarp besaß „die Liebe zu Gott und zu seinen Nächsten, Freude wegen eines einwandfreien Gewissens, Frieden wegen des Siegs über alle Leidenschaften, Geduld in Zeiten der Versuchungen und Mißgeschicke, Güte in der Unterwerfung unter alle, Barmherzigkeit gegenüber den Armen, zweifelsfreien Glauben in der Erfüllung der Gebote, Wahrhaftigkeit in der Erfüllung seiner Gelübde, Sanftmut darin, daß er keinen Zorn kannte, Enthaltsamkeit und so fort.“ Er leitete das Kiever Höhlenkloster so gut, daß nach seinem Tod unter den Mönchen kein würdiger Nachfolger gefunden werden konnte (denn jene, die würdig waren, wollten den Rang des Abtes aus Demut nicht annehmen), so daß die Brüder gezwun-gen waren, Vasilij, einen Weltpriester, als ihren Abt zu nehmen. Der hl. Polikarp ging ein in die Ruhe des Herrn im Jahr 1182.

Lobeshymne

Die heilige Christina

Die glorreiche Märtyrerin, die Jungfrau Christina,
Die auserwählte Braut des Sohnes Gottes,
Hatte in ihrem Vater den ärgsten Feind.
Durch ihn wurde sie vom Eisen zerfetzt.
„Tochter, meine Tochter werde ich dich nicht länger nennen,
Wenn du die Götter nicht anerkennst“,
So sprach der Vater zur Tochter. Und darauf erwiderte die Tochter:
„Deswegen werde ich dir nicht zürnen,
Die ich Dienerin Christi bin, und du bist der Diener Satans.
Weder Vater noch Freund sehe ich in dir.
Tochter nenne mich nicht, das macht mich glücklich,
Denn der Herr ist mein Vater. Meine Freude ist Er.“
Zornig wie ein wildes Tier befahl der Vater den Dienern,
Ihr Fleisch abzuschaben, bis man die Knochen sah!
Von ihrem zarten Leib fiel das Fleisch,
Und Wunde neben Wunde, nirgendwo unbeschädigtes Fleisch.
Da nahm die heilige Märtyrerin eine Handvoll Fleisch
Und warf sie dem Vater mitten ins gemeine Gesicht:
„O abscheulicher Urban, hier ist mein Fleisch,
Hier, Biest, iß das Fleisch deines eigenen Kindes!“
In jener Nacht trat Urban aus dem Leben
Und vereinte seine Seele im Hades mit dem Teufel.
Christina litt und vergoß ihr Blut,
Heldenmütig widerstand sie der Welt der Feinde.
Jungfrau Christina, wunderbare Märtyrerin,
Mit der Herrlichkeit des Sohnes Gottes verherrlichte sie sich.

Betrachtung

Der christliche Glaube heiligt und erleuchtet besonders dann die christliche Seele, wenn die Verkün-der dieses Glaubens andere durch ihr eigenes Leben heiligen und erleuchten. Der selige Polikarp, Abt des Höhlenklosters, war ein Mann, im höchsten Maß durch den christlichen Glauben in seinen Worten, seinen Handlungen und seinem ganzen Wesen erleuchtet. Deswegen wurde seinen Lehren Beachtung geschenkt – nicht nur von den einfachen Menschen, sondern auch von Fürsten und Adligen. Als Fürst Rostislav Mstislavič von Kiev diesen Mann Gottes sah und hörte, wurde er durch den christlichen Glauben so sehr erleuchtet und dermaßen davon überwältigt, daß er durch seine Demut und Milde selbst zum Vorbild für seine nahen Angehörigen und für das ganze Volk wurde. Er empfing während der Großen Fasten jede Woche die Kommunion und ließ überall die Bedürftigen und Schwachen ausfindig machen, um ihnen Unterstützung zukommen zu lassen. Schließlich entschied er sich, die Mönchsweihe zu empfangen und sagte diesbezüglich zum hl. Polikarp: „Heiliger Vater, in der Welt zu regieren, ohne zu sündigen, ist unmöglich, und dies hat mich schon bitter und unfähig gemacht.“ Polikarp erwiderte: „Wenn dies (das Leben als Mönch) der Wunsch deines Herzens ist, möge Gottes Wille geschehen.“ Der Fürst erkrankte plötzlich in Smolensk schwer und bat, schnell nach Kiev gebracht zu werden, um vor seinem Tod die Mönchs-weihe zu empfangen; doch er starb, bevor sein Wunsch zur Erfüllung gelangte.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über den wunderbaren Sieg der Israeliten über Ai (Josua 8):
1. Wie die Einwohner von Ai die Israeliten bedrängten und beinahe besiegten;
2. Wie Josua, der Sohn des Nun, auf Gottes Gebot sein Banner hob und es in die Höhe hielt, bis die Einwohner von Ai besiegt waren;
3. Wie ich in Zeiten der Gefahr mein Herz wie ein Banner zu Gott erheben und mit dem Kreuz und Gebet in meinem Herzen zum Sieg schreiten muß.

Homilie

Über die heilige Warnung des Apostels

Sie führen geschwollene und nichtssagende Reden; sie lassen sich von ihren fleischlichen Begierden
treiben und locken mit ihren Ausschweifungen die Menschen an,
 die sich eben erst von denen getrennt haben, die im Irrtum leben.
(2 Petr 2,18)

Der heilige Apostel kennt die Menschen besser als die meisten hochgebildeten Gelehrten, denn er ist ein Heiliger und ein Apostel. Ein Heiliger und Apostel hat einen tiefen Einblick in das menschliche Herz. Über wen spricht der heilige Apostel hier? Über die Unreinen, Hochmütigen und Eigenwill-ligen, die er zuvor als wasserlose Quellen, Wolken und Nebel bezeichnet hat. Diese Unreinen, Hochmütigen und Eigenwilligen sind Menschen, die viele und hochtrabende Worte verwenden. Sie sprechen stolze und lügnerische Worte zu den Menschen. Durch solche Worte verbergen sie einer-seits und offenbaren andererseits ihr Herz – sie verbergen es vor den Ungebildeten und Unwis-senden und offenbaren es für jene, die im Glauben gefestigt und durch die Gnade erleuchtet sind.
Wenn der Unreine von seiner Reinheit spricht, offenbart er auf diese Weise seine Unreinheit; wenn der Unverschämte seinen Charakter verteidigt, enthüllt er seine Unverschämtheit; wenn der Eigenwillige den Willen Gottes auslegt, zeigt er dadurch seinen Eigenwillen. Wer sorgfältig auf die Worte hört, kann den Gestank der fleischlichen Lust riechen. Doch die Unwissenden können diesen Gestank nicht riechen; sie vertrauen und werden getäuscht. Jene, die begonnen haben, der Täu-schung des Bauches und der Welt und des Teufels zu entfliehen, werden von hochmütigen und lüg-nerischen Worten wie Fische in einem unsichtbaren Netz gefangen. Der Fisch weiß nicht, daß er im Netz ist, bis es auf dem heißen Sand ausgeleert wird. Dann weiß er es; aber dann ist es zu spät. Oh, möge es noch nicht zu spät sein für jene elenden menschlichen Seelen, die im Netz hochmütiger und lügnerischer Worte gefangen werden! Wißt, meine Brüder, daß jeder Lehrer, der in seinen Lehren fleischliche Begierden gutheißt und die Sünder in ihren Begierden bestärkt, ein falscher Lehrer ist.
O Herr Jesus, allheilig und allrein, sende Deine heiligen Engel, um alle Anfänger und Eiferer Deines Glaubens vor stolzen und lügnerischen Lippen zu schützen. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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06.08.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).