01.08.2020

19.07.2020

Gedenken

19. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Makrina, Schwester des hl. Basileios des Großen († 379); hl. Dios, Abt von Antiochia († 430); sel. Stefan von Serbien († 1427) und seine Mutter Milica († 1405); Erhebung der Gebeine des hl. Seraphim von Sarov; sowie hl. Roman, Fürst von Rjazan’ († 1270); hl. Paisij vom Kiever Höhlenkloster (14. Jh.); hl. Neumärt. Viktor, Bischof v. Glazov, Rußland († 1934); hl. Abba Diokles v. “Paradies”; hl. Theodor, Bischof v. Edessa († 848); hl. Bischof Gregor d. neue Bekenner; hl. Mönch Michael d. Sabbait.

1. Die gottgeweihte Makrina war die Schwester des hl. Basileios des Großen und des hl. Gregor von Nyssa. Als junge Frau war Makrina mit einem Adligen verlobt. Als ihr Verlobter starb, gelobte Makrina, niemals zu heiraten, wobei sie sagte: „Es ist nicht recht für eine Frau, die einmal mit einem jungen Mann verlobt war, einen anderen zu suchen: Gemäß dem Gesetz der Natur darf es nur eine Ehe geben, wie es auch nur eine Geburt und einen Tod gibt.“ Sie rechtfertigte das ferner durch ihren Glauben an die Auferstehung, indem sie ihren Bräutigam nicht für tot, sondern für lebendig in Gott hielt. „Es ist eine Sünde und Schande“, sagte Makrina, „für eine Frau, wenn sie ihre Treue nicht bewahrt, wenn ihr Ehemann in ein fernes Land reist.“ Danach empfing sie zusammen mit ihrer Mutter die Weihe zur Nonne in einem Frauenkloster, wo sie sich in der Folge mit den anderen Nonnen dem asketischen Leben widmete. Sie lebten von den Mühen ihrer Hände und widmeten einen großen Teil ihrer Zeit der Betrachtung des Göttlichen, dem Gebet und der ständigen Erhebung des Geistes zu Gott. Nach einiger Zeit starb ihre Mutter und danach ihr Bruder Basileios. Neun Monate nach dem Tod des hl. Basileios kam Gregor, um sie mit seiner anderen Schwester zu besuchen, und fand sie auf dem Sterbelager. Vor ihrem Tod erhob Makrina ihre Gebete zu Gott: „Du, o Herr, Der Du unseren Körpern Ruhe gibst im Schlaf des Todes für eine gewisse Zeit, wirst sie beim Ton der letzten Posaune erwecken. Vergib mir, und wenn meine Seele sich aus dem Kleid ihres Körpers trennt und vor Dich tritt, rein und ohne Sünde, gewähre ihr, daß sie wie Weihrauch vor Dir sei.“ Danach zeichnete sie das Zeichen des Kreuzes auf ihre Stirn, ihre Augen, ihr Gesicht und ihr Herz und übergab ihre Seele. Sie fand Ruhe im Herrn im Jahr 379.

2. Der gottgeweihte Dios. Dios’ Eltern waren Christen in Antiochia in Syrien, Von Jugend an wurde er von gottbegeisterten Männern im mönchischen Leben und in der Askese unterwiesen. Da er in einem langen und mühsamen Kampf mit dem Teufel und dem Fleisch beharrlich blieb, wurde ihm von Gott die Gabe der Wundertätigkeit zuteil. In seinem Gebet wandte er sich sehr oft an die Heilige Dreiheit. Er vollbrachte große und furchterregende Wunder durch die Kraft seiner Gebete: Er brachte einen verdorrten Stab zum Blühen, ein trockener Brunnen füllte sich wieder mit Wasser, und einen ungläubigen Mann traf der Tod, und er ließ ihn wieder auferstehen. Nach zwei kurzen himmlischen Visionen, ging Dios von Antiochia fort und ließ sich in Konstantinopel am Stadtrand nieder und setzte dort sein asketisches Leben fort. Sein Ruf verbreitete sich schnell, und sogar Kaiser Theodosios der Jüngere besuchte ihn, um Rat von ihm zu erhalten, und Patriarch Attikos überredete ihn und weihte ihn zum Priester. Nachdem er viele Jahre gelebt hatte, begann Dios sich auf den Tod vorzubereiten; er empfing die Heilige Kommunion, gab den Brüdern Unterweisungen, legte sich nieder auf sein Bett und starb vor den Augen aller. Die Nachricht über seinen Tod ließ viele herbeieilen, auch Patriarch Attikos kam zusammen mit Alexander, dem Patriarchen von Antiochia. Als sie dabei waren, ihn zu begraben, erhob er sich plötzlich, als würde er aus dem Schlaf erwachen und sagte: „Gott hat mir noch fünfzehn weitere Jahre zu leben gewährt.“ Der hl. Dios lebte noch exakt fünfzehn Jahre und führte viele auf den Weg zur Rettung, heilte viele, half vielen in verschiedenen Bedrängnissen und Nöten und übergab schließlich seine Seele dem Herrn, Dem er sein ganzes Leben lang treu gedient hatte. Er entschlief in äußerst hohem Alter im Jahr 379.      

3. Der sel. Stefan der Lange war der Sohn des serbischen Fürsten Lazar und der Fürstin Milica. Er schützte das Christentum im Balkan während äußerst schwieriger Zeiten. Er war der Gründer der schönen und monumentalen Klöster Manasija und Kalenić. Nach vielen Mühen und Schwierigkeiten starb er im Jahr 1427.

 

Lobeshymne

Der gottgeweihte Dios

Von früher Jugend an bis ins höchste Alter
Zählte Dios die Wunder der Barmherzigkeit Gottes,
Gottes Erbarmen und Gottes Gerechtigkeit.
Tag und Nacht lenkte Dios seine Gedanken
Auf das göttliche Licht, auf die göttlichen Wege
Und vertrieb die Leidenschaften und bösen Dämonen.
Was ist der Mensch? Wie trübes Wasser ist er,
Das das Bild des Himmelsgewölbes nicht empfängt.
Kann das trübe Wasser durchscheinend werden,
Damit sich der Himmel in ihm spiegle?
Es kann, behauptet Dios, auf dem Weg der Heiligen,
Doch mit Hilfe des Kreuzes Christi, des Erlösers.
Das Kreuz, im Herzensort, in der Mitte deines Wesens,
Hefte es an deine Gedanken, und du wirst Gott sehen,
Und die trüben Wasser werden sich klären,
Und Wunder, bislang ungesehen, wirst du schauen.

Betrachtung

Die größte Schönheit bei einer Frau ist Schamhaftigkeit, wie Schamlosigkeit bei einer Frau das unnatürlichste und abstoßendste Laster der Welt ist. Ein wundervolles Beispiel der weiblichen Schamhaftigkeit hat uns die hl. Makrina hinterlassen. In ihrer Jugend empfing sie eine ernste Wunde an ihrer Brust. Obgleich ihre Mutter sie dazu drängte, diese Wunde einem Arzt zu zeigen und eine Arznei zu bekommen, tat Makrina dies nicht. Sie war Gott innigst ergeben und konnte nicht einmal den Gedanken ertragen, ihren Leib vor anderen zu entblößen, nicht einmal vor ihrer Mutter. Eines Nachts betete Makrina still zu Gott. Tränen flossen aus ihren Augen in den Staub vor ihr. Im festen Vertrauen auf Gott mischte sie den Staub mit den Tränen und salbte damit die Wunde, und am nächsten Tag war sie völlig geheilt. Als ihre Mutter mit großer Sorge nach ihrer Tochter schaute, wollte Makrina ihr nicht sagen, daß der Herr sie geheilt hatte (aus Demut verbarg sie das Wunder, das sie selbst durch Gebete vollbracht hatte), doch sie bat ihre Mutter: „Ich werde geheilt, liebe Mutter, wenn du die Hand auf meine Brust legst und das Zeichen des Kreuzes über der Stelle machst, an der es schmerzt.“ Ihre Mutter streckte die Hand aus und machte das Zeichen des Kreuzes über der Stelle, fand die Wunde aber nicht – nur den Schorf der geheilten Wunde. So verbarg die hl. Makrina aus Schamhaftigkeit ihren Leib und aus Demut ihre Wunder.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die wundersame Prophezeiung des Balaam (Num 32 und 24):
1. Wie Balaam der Einladung des Königs Balak folgte, um Israel zu verfluchen;
2. Wie Balaam an Stelle des Fluches durch die Einwirkung des Heiligen Geistes einen Segen sprach;
3. Wie Balaam Christus voraussagte, indem er sprach: Es wird ein Stern in Jakob aufgehen, und ein Zepter wird sich über Israel erheben.   

Homilie

Über die Liebe des Apostels und Unterscheidung

Ich will aber dafür sorgen, daß ihr auch nach meinem Tod
 euch jederzeit daran erinnern könnt.
(2 Petr 1,15)

Öffnet eure Herzen, meine Brüder, um dieses große Mysterium zu empfangen und zu verstehen. Der Apostel sagt zuerst, daß er nicht nachlassen wird, die Gläubigen an die rettende Wahrheit des Glaubens zu erinnern; an die göttliche Kraft, welche durch Christus den Herrn dem Menschen gegeben wurde, und an die Vorbereitung des Menschen, die göttliche Kraft zu empfangen, damit ihr der verderblichen Begierde der Welt entflieht. Und nun geht er sogar noch weiter und verspricht, daß er dieses Werk der Erinnerung noch nach seinem Tod fortsetzen wird; d. h. nach seinem ‚Hinausgehen’ (dies ist das griechische Wort) aus der Welt, wenn er seinen ‚Körper abgelegt’ hat. Oh, welch ein göttlicher Glaube! Welch ein Trost! Welche Süße! Der Apostel verspricht, daß er von der anderen Welt her fortfahren wird, für die Kirche Gottes auf Erden zu sorgen, das Werk, das er begonnen hat, will er fortsetzen; seine Liebe zu jenen, die an Christus glauben, will er fortsetzen. O apostolische Liebe, in der Tat der Liebe Christi nahe! O apostolische Unterscheidung, die der Geist Gottes einem Menschen gibt, der die Liebe besitzt, auch wenn dieser Mensch noch im dunklen Kleid des Körpers eingeschlossen ist!
Der Apostel Petrus gab sein Versprechen an die Gläubigen vor beinahe 2000 Jahren. Hat es sich erfüllt? Hat er es erfüllt? Er hat es erfüllt – bis zum Buchstaben: Nicht nur – wie es viele gibt, die dies bezeugen können –, indem er die Gläubigen durch seine Briefe und seine Nachfolger, die Bischöfe, erinnert, sondern, noch grundsätzlicher, durch eine unablässige Einwirkung innerhalb der Kirche von der anderen Welt aus. Der Apostel Petrus ist viele Male erschienen – wie auch die anderen Apostel –, und zwar immer dann, wenn Gottes Vorsehung ihr Erscheinen für notwendig erachtet hat, und sie haben die Väter der Kirche und die Gläubigen daran erinnert, wie lebenswichtig es ist, die Wahrheit aufrechtzuerhalten und ihre Lebensweise zu berichtigen. Auch wenn er nicht in Träumen oder Visionen erscheint, ist er doch tätig: Auf verborgenen Wegen, die nur dem Himmel bekannt sind, hat er gewirkt und wirkt noch immer für unsere Rettung.
Das Leben nach dem Tod war den heiligen Aposteln so klar wie die Sonne für jene, die Augen haben. Durch ihre Gebete möge der Herr die Augen unseres Geistes öffnen, damit wir wissen, wohin wir gehen und was uns nach dem Tod erwartet.
O Herr Jesus, Der Du von großer Barmherzigkeit bist, führe uns durch Deine Barmherzigkeit und um der Gebete Deiner heiligen Apostel willen aus der Dunkelheit zum Licht. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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01.08.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).