25.07.2020

12.07.2020

Gedenken

12. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hll. Märtyrer Proklos und Hilarion (Hilarios); hl. Michael Maleinos († Mitte des 10. Jh.); hl. Märtyrerin Golinduk, in der Taufe Maria († 587); hl. Veronika, die Blutflüssige, von Christus geheilt (Mt 9,20); die hll. Märtyrer Feodor und Ioann von Kiev; sowie hll. Johannes († 998) u. Gabriel (10. Jh.) v. Georgien u. Iveron, Berg Athos; sel. Serapion, Bischof v. Vladimir († 1275); hl. Arsenij v. Novgorod, Narr in Christo († 1570); Überführung der Gebeine (1620) d. hl. Antonij, Abt von Leochnov (Novgorod) († 1611); hl. Simon, Abt v. Volomsk († 1641); hl. Märt. Mamas (Mamant) bei Sigmata; hll. Märtt. Andreas d. Soldat, Heraklion, Faustus, Menas u.a.. Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin „Die Dreihändige“, Kloster Chilandar, Berg Athos.

1. Die hll. Märtyrer Proklos und Hilarion. Diese heiligen Märtyrer wurden in Kallippi in Asai geboren, und Proklos war der Onkel von Hilarion. Sie erlitten das Myrtyrium unter Kaiser Trajan. „Wie ist deine Abstammung?“, fragte der Richter Proklos. Proklos antwortete: „Meine Abstammung ist Christus und meine Hoffnung ist mein Gott.“ Als ihm der Richter Foltern androhte, sagte Proklos: „Wenn du fürchtest, die Anordnungen des Kaisers zu übertreten, um nicht zeitlich begrenzten Leiden unterworfen zu werden, wieviel mehr fürchten wir Christen, das Gebot Gottes zu übertreten, um nicht ewigen Leiden zu verfallen!“ Als man Proklos marterte, trat Hilarion vor den Richter und sagte: „Ich bin auch ein Christ!“ Nach vielen Torturen wurden sie zum Tode verurteilt: Proklos wurde an einem Kreuz gekreuzigt, und Hilarion wurde enthauptet. Beide gingen ein in die Freude ihres Herrn.

2. Der gottgeweihte Michael von Maleinos war ein reicher Mann von adliger Herkunft. In seiner Jugend entsagte er den irdischen Gütern und zog sich auf den Berg Malea in der Nähe des Athos zurück, wo er ein asketisches Leben führte und sein Herz durch Fasten und Gebet reinigte. Später hatte er viele Schüler, von denen der berühmteste der hl. Athanasios vom Athos war. Michael entschlief in Frieden ungefähr im Jahr 940.

3. Die hl. Märtyrerin Golinduk [Maria]. Golinduk war von Geburt Perserin. Sie heiratete einen persischen Gelehrten und lebte drei Jahre im Ehestand. Dann hatte sie eine Vision, in der ihr Engel die andere Welt zeigten: die Qualen der Sünder und Ungläubigen und die Freude der Gerechten. Danach verließ sie ihren Mann und wurde getauft. Bei der Taufe empfing sie den Namen Maria. Von ihrem Mann verfolgt, wurde sie zur lebenslänglichen Gefängnishaft verurteilt. Sie wurde achtzehn Jahre gefangengehalten und blieb standhaft im Glauben. Danach wurde sie in eine Grube mit einer schrecklichen Schlange geworfen; doch Gott rettete sie, und die Schlange schadete ihr nicht. Als bösartige junge Männer geschickt wurden, um sie zu schänden, machte Gott sei für ihre Augen unsichtbar. Erstaunt über ihre Leiden, empfingen viele Perser den Glauben an Christus. Sie besuchte Jerusalem, wo sie die severianische Häresie verurteilte, welche lehrte, die göttliche Natur in Christus habe gelitten, weshalb sie das Trishagion in folgender Form lasen: „Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher, Der für uns gekreuzigt wurde, erbarme Dich unser.“ Schließlich entschlief sie in Frieden nach der Verkündigung des wahren Glaubens in der Nähe von Nisibis im Jahr 587.

4. Die hl. Veronika ist die blutflüssige Frau, die der Herr heilte. Da trat eine Frau, die schon seit zwölf Jahren an Blutungen litt, von hinten an Ihn heran und berührte den Saum Seines Gewandes (Mt 9,20). Aus Dankbarkeit gegenüber ihrem Heiler, ließ Veronika eine Statue des Herrn Jesus für sich anfertigen, vor der sie zu Gott betete. Nach der Überlieferung wurde diese Statue bis zur Herrschaft des Kaisers Julian des Apostaten bewahrt, der sie in eine Statue des Götzen Zeus umwandelte. Dies ist einer der seltenen Fälle, daß eine Heiligenstatue in der östlichen Kirche verwendet wurde. Wie bekannt ist, wurde dies in der westlichen Kirche zur gängigen Praxis. Die hl. Veronika blieb dem Glauben Christi treu bis zu ihrem Tod und entschlief in Frieden.

5. Die hll. Märtyrer Feodor und Ioann waren Vater und Sohn und von Herkunft Wikinger, die getauft wurden und sich dann in der Stadt Kiev niederließen. Die erzürnten Heiden zerstörten ihr Haus und töteten sie und so litten sie für Christus. Ihre Reliquien ruhen im Kiever Höhlenkloster des hl. Antonij. Die Kinderlosen und jene mit Fehlgeburten rufen ihre Fürbitte an.

Lobeshymne

Die heilige Märtyrerin Golinduk

Golinduk von persischer Herkunft
Sah die Himmel und wurde Christin.
Sie begann den schmalen Pfad zu gehen
Und empfing Schläge von allen Seiten,
Wie Eisen auf Feuerstein trifft
Und vom Schlag sich ein Feuer entzündet.
So schlägt der Schmerz ein menschliches Herz,
Bis die Flamme entzündet, was im Herzen verborgen ist
Und die dunklen Pfade der Menschen erhellt,
Die Seele vor sündigen Leidenschaften rettet.
Golinduk, voll des Geistes Gottes,
Hatte weder Dach noch Brot
Und keine Freunde in der Welt.
Ein Lager der Leidenden war die Welt für sie.
Alles, was sie hatte, alles gab sie für Christus.
Durch das Leiden wurde sie wie Gold,
Wie Gold, durch Feuer geläutert,
So wurde ihr ganzes Wesen.
Einer nach dem anderen starben die Folterer,
Nichts hatten sie mitnehmen können von ihrem Besitz,
Außer Missetaten und den Namen des Bösen.
Golinduk trat vor Gott
Wie ein schöner, fruchttragender Olivenbaum,
Reine Seele, eine Verwandte der Engel.

Betrachtung

Der Webfaden der Gerechtigkeit ist feiner als Seide, doch dauerhaft haltbar und unzerreißbar und zieht durch beide Welten, während der Webfaden der Ungerechtigkeit und Gewalt dick ist und leicht zerreißt. In der Zeit des Kiever Fürsten Vladimir lebte in Kiev nur eine christliche Familie: Feodor und sein Sohn Ioann. Als einmal ein unreines heidnisches Fest stattfand, verschworen sich die Heiden von Kiev in dem Plan, Ioann, Feodors Sohn, den Götzen zu opfern. Als einige von ihnen zu Feodor gingen, um im Namen ihrer „Götter“ die Herausgabe seines Sohnes zu fordern, sagte er zu ihnen: „Wenn eure Götter lebendig sind, dann sollen sie selbst kommen und meinen Sohn mitnehmen!“ Die erbosten Heiden wüteten gegen Feodors Haus, zerstörten es und ließen die Leiber des gottgefälligen Feodor und seines Sohnes in den Trümmern. Soweit reichte der Webfaden der Ungerechtigkeit. Doch der Webfaden der Gerechtigkeit reichte weiter: Fürst Vladimir wurde bald darauf getauft, und er taufte das ganze Land, und genau an der Stelle, an der das Haus und das Grab von Feodor und Ioann gewesen waren, wurde die Kirche der Mutter Gottes erbaut.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die wundersame Bestrafung und Heilung von Miriam, Moses’ Schwester (Num 12):
1. Darüber, wie Miriam gegen Moses sprach, der „sanftmütiger als alle Menschen auf der Erde war“;
2. Wie Gott sie durch einen plötzlichen Aussatz bestrafte, und wie Er sie nach Moses’ Gebeten heilte;
3. Wie jene, die gegen die heutigen Menschen Gottes sprechen, sich Gottes Bestrafung zuziehen.

Homilie

Über Gottes Haltung gegenüber den Stolzen und Demütigen

Gott widersteht den Stolzen, doch den Demütigen spendet Er Gnade.
(1 Petr 5,5)

Vor wem oder was, meine Brüder, kann der Mensch stolz sein? Vor den Engeln? Seht, die Engel sind unsterblich, während der Mensch sterblich ist. Vor den Menschen? Seht, ein Mensch ist abhängig von vielen Menschen und sterblich wie alle. Vor den Tieren? Doch wie könnte er ohne den Dienst der Tiere leben? Vor der Sonne und den Sternen? Doch ohne ihr Licht würde er in der Finsternis herumirren, und nach ein paar Tagen wäre sein Dasein zu Ende. Vor den Pflanzen? Doch Pflanzen sind seine wichtigste Ernährungsquelle. Vor der schwarzen Erde? Doch sein Leib ist aus Erde geschaffen. Vor den Toten? Doch ohne sie wäre er nicht ins Leben gelangt. Vor den Lebenden? Doch es gibt so viele Lebende, daß er unter ihnen wie ein Fädchen in einem Teppich ist. Vor Gott? Doch ohne den Willen Gottes wäre er weder unter den Lebenden noch unter den Toten. Daher: Vor wem oder was kann denn der Mensch stolz sein?
Gott gibt seine Gnade den Demütigen und Sanftmütigen. Das heißt, Er gibt ihnen alles, was sie brauchen, und zwar, weil sie in ihrer Demut und Sanftmut zu Ihm beten. Wer sind diese Sanftmü-tigen, und wer sind diese Demütigen? Es sind jene, die ihre Schwäche und ihre völlige Abhängigkeit von ihrem Schöpfer empfinden. Sie sind erfüllter als das Meer und abhängiger als das Meer. Welches Wasser ist von größerer Fülle als das Meer, und welches ist abhängiger von Regen und Strömen? Doch die Stolzen sind wie ein verschlossener Brunnen, verschlossen gegenüber dem Himmel und der Erde und mit sich selbst zufrieden, solange er gefüllt ist. Doch in sich verschlossen und abgeschnitten vom Zustrom, wird er bald geleert.
Der weise Salomo spricht klug über Gott: Er spottet den Spöttern, doch Er schenkt Gnade den Niedrigen (Spr 3,34). Doch Gottes Spott freut sich nicht an der Ungerechtigkeit wie der Spott der Menschen, sondern er ist Klage und Zorn. Desgleichen ist Gottes Barmherzigkeit nicht begrenzt wie die menschliche Barmherzigkeit, sondern sie ist himmlische Gnade, die durch ihr Strahlen, ihre Schönheit und Grenzenlosigkeit erschaudern läßt.
O Herr Gott, unser Schöpfer, demütige unser Herz, wenn es sich im Hochmut aufbläht, und demütige unseren Geist, wenn sich in ihm der Hochmut erhebt, und hilf uns, in der Stunde unserer hochmütigen Nichtigkeit, an das Kreuz auf Golgotha zu denken, und an Deinen Einziggeborenen Sohn, Der für uns blutete und litt. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.     

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25.07.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).