23.07.2020

10.07.2020

Gedenken

10. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: die 45 hll. Märtt. Leontios, Maurikios, Alexander, Sisinios und andere († 319); hl. Antonij vom Kiever Höhlenkloster († 1073); die Überführung des kostbaren Gewandes unseres Herrn Jesus Christus im Jahre 1625 nach Moskau; sowie hl. Märt. Antonios v. Sardis (3. Jh.); 10.000 Väter der Wüste und Höhlen der Sketis, durch Häscher des Patriarchen Theophilos v. Alexandria umgebracht; hl. Märtt. Bianor u. Silvanos v. Pisidien (4. Jh.); hl. Gregor, Bischof v. Assos bei Ephesos († 1150); hl. Siluan v. d. Fernen Höhlen (Kiev) (13.-14. Jh.); Überführung der Reliquien d. hl. Vasilij, Bischof v. Rjazan’ († 1295); hl. Hieroneumärt. Joseph, Erzpriester v. Damaskus           († 1860); Synaxis aller Heiligen vom Kloster Vatopedi, Berg Athos.

1. Die fünfundvierzig hll. Märtyrer: Leontios, Maurikios, Alexander, Sisinios und andere. Unter der Herrschaft des boshaften Kaisers Licinius, der über die östliche Hälfte des Byzantinischen Reiches herrschte, gab es eine große Christenverfolgung. Im armenischen Nikopolis trat der hl. Leontios mit einigen Freunden vor Lysios, den Statthalter des Kaisers Licinius, und erklärte, sie seien Christen. „Und wo ist euer Christus?“, fragte Lysios. „Wurde er nicht gekreuzigt und starb er nicht?“ Darauf erwiderte der hl. Leontios: „Da du weißt, daß unser Christus starb, wisse auch, daß Er auferstand von den Toten und in den Himmel auffuhr.“ Nach einer ausgedehnten Diskussion über den Glauben ließ Lysios sie auspeitschen und warf sie ins Gefängnis, wobei er ihnen nichts zu essen und zu trinken gab. Basilla, eine wohlwollende Christin, brachte Wasser und reichte es durch das Gefängnisfenster. Ein Engel Gottes erschien, um sie zu trösten und zu ermutigen. Als die Zeit kam, das Urteil auszusprechen, traten zwei Gefangenenwärter und viele andere vor Lysios als bekehrte Christen. Der Richter erließ das Urteil, sie alle zu töten, aber auf folgende Weise: Zuerst sollten ihre Arme und Beine mit der Axt abgetrennt werden, dann würde man sie ins Feuer werfen. Diese schreckliche doppelte Bestrafung wurde ausgeführt, und die Seelen der heiligen Märtyrer flogen auf zum Herrn und gingen ein ins ewige Leben. Sie litten ehrenvoll und erbten das Reich im Jahr 319.

2. Der gottgeweihte Antonij [Antonios] vom Kiever Höhlenkloster war der Gründer und Vater des Mönchtums in Rußland. Er wurde in der kleinen Stadt Černigov geboren, verließ im frühen Alter sein Zuhause und ging auf den Athos, den Heiligen Berg, wo er zum Mönch geweiht wurde und im Kloster Esphigmenou der Askese nachging. Im Gehorsam gegenüber einer himmlischen Erschei-nung sandte sein Abt Antonij nach Rußland, um das Mönchtum dort einzuführen. Antonij wählte eine Höhle bei Kiev. Als sich jene, die das Mönchsleben zu führen wünschten, um ihn sammelten, wählte er Feodosij [Theodosios] als Abt, während er selbst in der Höhle als Hesychast blieb. Durch den Segen Gottes wuchs das Kloster und wurde das Stammkloster des russischen Mönchtums. Antonij hatte viel zu leiden durch Menschen und Dämonen; doch er überwand durch Demut alles. Er besaß die Gnadengabe der Unterscheidung der Gedanken und der Zukunft und heilte die Kranken. Er trat vor den Herrn im Jahr 1073 im Alter von neunzig Jahren und hinterließ seine gei-stige Schule, die im Lauf der Jahrhunderte nützliche Frucht dem orthodoxen Volk Rußlands brachte.

3. Die Überführung des Ehrwürdigen Gewandes unseres Herrn Jesus Christus. Als unser Herr Jesus für die Menschheit litt, gab es in den Rängen der römischen Armee in Jerusalem einen Georgier namens Elioz aus der Stadt Mts’chet. Seine Mutter hatte von Christus gehört und glaubte an Ihn in ihrem Herzen. Als sie sah, daß ihr Sohn in die Armee in Palästina kam, riet sie ihm, nichts gegen Christus zu tun. Als der Herr ans Kreuz genagelt wurde, erreichte das Geräusch des Hammerschlags das Ohr von Elioz’ Mutter in der Stadt Mts’chet. Als sie das Geräusch hörte, rief sie: „Weh mir, daß ich nicht vor der Zeit starb. Der Tod hätte mich vor diesem schrecklichen Geräusch gerettet!“ Als sie das gesagt hatte, fiel sie tot nieder. Elioz war in jenem Augenblick unter dem Kreuz und warf mit den anderen Soldaten das Los um das Gewand Christi. Er gewann es und brachte es nach Mts’chet und gab es seiner Schwester Sidonia als Geschenk. Sie, die gehört hatte über den Tod des Herrn und daß ihr Bruder teilgenommen hatte am Vergießen unschuldigen Bluts, fiel tot zu Boden, wobei sie das Gewand des Herrn fest in ihren Händen hielt. Keiner konnte es ihr entreißen, sondern man war gezwungen, das Gewand zusammen mit ihr zu begraben. Eine Zeder wuchs auf ihrem Grab, die süßes heilendes Öl absonderte. Nach einiger Zeit fiel die Zeder, und die Stelle geriet in Vergessenheit. Nach ihrem Gebet fand die hl. Nina diese Stelle mit Hilfe einer Feuersäule. Der getaufte König Mirian errichtete eine Kirche dort, die er den Heiligen Aposteln weihte. Im Jahr 1625 nahm Schah Abbas dieses Gewand und sandte es als Geschenk nach Moskau an Fürst Michail Feodorovič und Patriach Filaret. Das Gewand wurde in der Kathedrale des Entschlafens der Allheiligen Jungfrau in Moskau niedergelegt.

Lobeshymne

Die Mutter des Elioz

Die Mutter riet dem Elioz:
„Elioz, o Licht meiner Augen,
Siehe, nun trittst du ein in die kaiserliche Armee
Genau im Land meiner Vorfahren.
In diesem Land ist der König erschienen,
Der von Alters her Erwartete, Christus der Herr,
Der durch die Propheten verkündete Erlöser.
Nach Georgien kam die Nachricht über Ihn,
Ungesehene Wunder vollbringt Er,
Unerhörte Worte spricht Er
Unter den Menschen gründet Er das Reich Gottes,
Überall ist die Botschaft von Ihm zu vernehmen.
Menschen und Engel freuen sich,
Doch diese Freude wird verdunkelt
Durch die Bosheit der hebräischen Ältesten,
Die daran denken, den Erlöser zu töten
Und durch den neuen Fluch das Volk zu unterjochen.
Doch mein Sohn, Licht meiner Augen,
An ihrem Verbrechen nimm nicht teil,
mach dich nicht mitschuldig am Blut des Gerechten.“
Die Zeit verging, nahm ihren Lauf.
Eines Tages hörte die Mutter im Gebet
Den Schlag des Hammers am Kreuz.
Die Mutter schrie wie in brennendem Feuer:
„O Tod, warum bist du nicht früher zu mir gekommen,
Damit ich nicht den schrecklichen Klang höre,
Der den Tod des sündelosen Erlösers verkündet
Und den Fluch über das Volk der Hebräer.
O Sohn, o Elioz,
Warum hast du nicht auf deine Mutter gehört?
Warum machtest du dich mitschuldig am Blut des Gerechten?“
Nachdem die klagende Mutter dies gesagt hatte,
Fiel sie zu Boden. Und Gott übergab sie ihre Seele.

Betrachtung

Der Gedanke an den Tod ist wie ein kalter Schauer, der das Feuer der Leidenschaften löscht. Der Psalmist sagt [über den Reichen]: Denn wenn er stirbt, kann er all das nicht mitnehmen, noch steigt hinab mit ihm seine Herrlichkeit (Ps 48,18). Wer wäre nicht beschämt, wenn er sieht, daß Ungläubige oft einen besseren Begriff von der Nichtigkeit des irdischen Daseins haben als manche Christen? Als Kalif Saladin starb, trat sein Herold gemäß der Anweisung des Kalifen vor den Sarg mit einem Speer, an dem eines der Königshemden des Kalifen hing, und rief: „Der große Saladin, der ganz Asien erobert, viele Nationen in Furcht versetzt und Könige besiegt hat: Seht, all seine Herrlichkeit und seine Diener – nichts ist ihm davon geblieben als dieses einzige Hemd!“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über Gottes wundersame Erscheinung vor Moses am Sinai (Exodus 20):
1. Wie Moses den Berg Sinai bestieg und in die Dunkelheit eintrat, in der sich Gott verbarg;
2. Wie das Licht Gottes so gewaltig ist, daß vor ihm die ganze Natur und das natürliche Licht Finsternis sind;
3. Wie das Herz des Menschen wie der Berg Sinai ist: Dort, in der Dunkelheit des menschlichen Herzens findet die Begegnung mit Gott statt.

Homilie

Über die Pflichten eines Hirten der Herde Gottes

Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, nicht gezwungen, sondern freiwillig,
wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund;
nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder für die Herde.
(1 Petr 5,2-3)

Hier sind die Vorschriften für die Hirten der Herde Christi. Mit wenigen Worten prangert der hl. Apostel Petrus drei schreckliche Leidenschaften an, welche Hirten in Wölfe verwandeln: die Leidenschaft des Hochmuts („freiwillig, nicht gezwungen“); die Leidenschaft der Habgier („nicht um schändlichen Gewinns willen“); die Leidenschaft der Herrschsucht („nicht Herren über die Gemeinde, sondern Vorbilder“). Gegen diese drei schrecklichen Leidenschaften führt der Apostel hier drei Tugenden an, die einen Priester Gottes schmücken müssen: die Furcht Gottes („freiwillig, wie es Gott gefällt“), Eifer („von Herzensgrund“) und Dienst („Vorbild für die Herde“). Der Apostel gab diese drei Vorschriften nicht nur als Lehrer, sondern auch als Prophet, denn die Jahrhunderte haben uns zwei Arten von Hirten gezeigt: jene, die von ihren eigenen Leidenschaften in ihrer hohen Stellung in der Kirche geleitet wurden (durch Stolz, Habgier und Herrschsucht), und andere, die von der Furcht Gottes, Eifer und dem Vorbild des selbstlosen Dienens geleitet wurden. Die Kirche hat unter den ersten gelitten, wurde aber nicht zerstört, während sie selbst der Zerstörung anheimfielen. Durch die zweiten ist die Kirche gewachsen und vorangeschritten, und sie hat ihr Licht in die Welt ausgestrahlt. Die ersten sind Wölfe und die zweiten sind Hirten. Die ersten sind die Feinde der Menschen und Gottes, und die zweiten sind die Freunde beider. Der Oberste Hirte, Christus, wird von den ersten wie von den zweiten Rechenschaft für jedes Schaf fordern (d. h. für jede Menschenseele), und er wird jedem nach seinen Verdiensten vergelten. Hochmut, Habgier und Herrschsucht bei einem sogenannten Hirten werden im ewigen Feuer ihre Strafe erleiden, und die Furcht Gottes, der Eifer und der selbstlose Dienst eines wahren Hirten werden ihren Lohn in der ewigen Freude erhalten.
O Herr Jesus, Du Oberster Hirte, spende allen Hirten Deiner menschlichen Herde Deine Hilfe, damit sie die Vorschriften Deines heiligen Apostels bis zum Ende erfüllen können. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

<
23.07.2020
>
Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).