18.07.2020

05.07.2020

Gedenken

05. Juli nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Athanasios der Athonit, der Gründer der Großen Lavra († 1003); hl. Märtyrer Kyprian (Kyprianos der Jüngere) († 1679); hl. Lampados (ca. 10. Jh.); sowie Erhebung der Gebeine (1422) des hl. Sergij von Radonež († 1392); hll. Neumärtyrerinnen Großfürstin Elisabeth und Nonne Barbara, Rußland († 1918); hl. Hieromärt. Stephan, Bischof v. Rhegium, Schüler d. hl. Apostels Paulus, u. mit ihm Bischof Suerus und die Frauen Agnes, Felicitas und Perpetua (1. Jh.); hl. Märt. Anna v. Rom († 304); hl. Märt. Athanasios, Diakon v. Jerusalem († 451); hl. Mönch Lampados v. Hieronopolis (10. Jh.); hll. Afanasij u. Feodosij v. Čerepoveck († 1382), Schüler d. hl. Sergij von Radonež († 1382); Synaxis d. Martyriums von 23 Heiligen v. Lesbos; hl. Morwenna, Patronin v. Morwenstow (England) (6. Jh.).
1. Der gottgeweihte Athanasios vom Berg Athos wurde in Trapezunt als Kind gottesfürchtiger Eltern geboren. Er verwaiste im frühen Alter, doch durch Gottes Vorsehung nahm ihn ein Feldherr unter seine Obhut und brachte ihn nach Konstantinopel, um dort Unterricht zu erhalten. Aufgrund seiner Sanftmut und Demut war er unter seinen Altersgenossen sehr beliebt. Bei ihren Spielen wählten die Kinder einen als Kaiser, einen als Feldherrn und Athanasios als Abt – als eine Art Prophezeiung! Als Athanasios (der vor seiner Mönchsweihe Abraham hieß) seine Ausbildung beendet hatte, zog er sich in die Wüste von Maleinos in der Nähe des Heiligen Berges Athos zurück, wo er das Leben eines Asketen als Schüler des damals bekannten Michael Maleinos führte. Da Athanasios sich schwierigere Askese auferlegen wollte, ließ er sich auf dem Heiligen Berg Athos nieder, um ein Leben der Stille zu führen. Doch viele, die das asketische Leben wünschten, begannen sich um ihn zu sammeln, und daher war er gezwungen, seine berühmte Lavra zu bauen. Darin wurde ihm durch byzantinische Kaiser Unterstützung zuteil: zuerst Nikephoros Phokas, der selbst daran dachte, sich zurückzuziehen und Mönch zu werden, dann, nach ihm, Johannes Tzimiskes. Zahllose Versuchungen kamen über Athanasios durch Dämonen und Menschen; doch er widerstand ihnen als tapferer Soldat Christi und überwand alles durch seine unermeßliche Sanftmut und sein ständiges Gebet zum Lebendigen Gott. Erfüllt von der Gnade Gottes, wurde Athanasios gewürdigt, die Allheilige Gottesgebärerin zu sehen, die auf wundersame Weise aus einem Felsen Wasser hervorquellen ließ und versprach, sie würde auch die Oikonomissa des Klosters [zuständig für die Versorgung] sein. In Werk und Gebet übertraf Athanasios seine Brüder und liebte alle mit der Liebe des geistlichen Vaters und Hirten. Der Tod traf Athanasios unerwartet. Er kletterte mit sechs anderen Mönchen auf eine neuerrichtete Vorhalle der Kirche, um die Wand zu inspizieren, die gebaut wurde. Doch die Wand brach zusammen und begrub ihn und seine Begleiter unter sich. So starb diese große Leuchte des Mönchtums im Jahr 980 [nach anderen Quellen 1001]. Viele Male nach seinem Tod erschien Athanasios seinen Brüdern, um sie zu trösten oder zu ermahnen.

2. Der gottgeweihte Märtyrer Kyprian (Kyprianos) der Jüngere wurde im Dorf Klitzos in Epiros geboren. Nach dem Tod seiner guten Eltern ging Kyprian auf den Heiligen Berg Athos, wurde zum Mönch geweiht und widmete sich völlig dem Leben der Askese in einer Zelle in der Nähe des Klosters Koutloumousiou. Mühe um Mühe auferlegte er sich und Askese um Askese und wurde bekannt und geachtet auf dem ganzen Heiligen Berg. Kyprian war auch damit noch nicht zufrieden. Er wurde von dem Gedanken gequält, er könne nicht gerettet werden außer durch das Martyrium für Christus. Daher verließ er den Heiligen Berg, ging nach Thessaloniki, trat vor den Pascha von Thessaloniki und rief ihn dazu auf, den falschen Glauben von Mohammed abzulegen und den wahren Glauben Christi anzunehmen. Der Pascha befahl, ihn zu geißeln und hinauszuwerfen. Unbefriedigt mit einem derart geringen Leiden um Christi willen, reiste Kyprian nach Konstan-tinopel und schrieb einen Brief an den Großwesir, in dem er die irrigen Lehren Mohammeds und die Wahrheit des Herrn Jesus Christus darstellte. Wutentbrannt schickte ihn der Wesir zu Scheich Ul Islamu; nachdem dieser alles gehört hatte, was Kyprian zu sagen hatte, befahl er, ihn zu enthaupten. Kyprian ging zum Schafott wie zum Hochzeitsfest. So erlitt dieser gottgeweihte Mann das Martyrium um Christi willen am 5. Juli 1679 und verwirklichte seinen brennenden Wunsch.

2. Der gottgeweihte Lampados liebte Christus von früher Jugend an mit brennender Liebe. Er zog sich in die Wildnis von Irenopolis zurück, wo er sich dem Leben der Askese widmete. Da er alle Leidenschaften und Begierden des Fleisches überwunden hatte, leuchtete seine Seele im himmlischen Licht und war erfüllt von überirdischem Frieden. Lampados war ein Wundertäter zu Lebzeit wie nach dem Tod. Er führte sein asketisches Leben wahrscheinlich im zehnten Jahrhundert.

Lobeshymne

Die Allheilige Gottesgebärerin

Auf dem Berg Athos leuchtet eine Lavra,
Das wunderbare Kloster des heiligen Athanasios.
Tausend Jahre sind an ihm vorübergegangen,
Doch Geist und Brot gingen ihm nicht aus.
Nie mangelte es an Geist und Brot
Noch an der leuchtenden Schau des Himmels Gottes.
So heißt es in den alten Büchern:
Für die Lavra sorgt die Oikonomissa;
Der Berg Athos ist Ihr Staat,
Die stärkste Festung der Rechtgläubigkeit,
Seine mystische Äbtissin – die Oikonomissa:
Ist es nicht die Allheilige Gottesgebärerin?
Sie versorgt die Lavra und speist Iveron,
Und Chilandar schützt Sie und verteidigt das Russikon,
Karakalou und Zographou, Simonopetra
Und Pantokrator, sie alle schützt Sie,
Diese Festungen und ihre Bewohner gehören Ihr,
Doch Frieden und Verteidigung ist Sie allen.

Betrachtung

Wie ließ Moses durch einen Schlag mit seinem Stab Wasser aus dem Felsen strömen? Wie ließ Gott Manna vom Himmel regnen und speiste die Israeliten in der Wildnis? So fragen sich jene, die eine sehr schwache Vorstellung über die Kraft des allmächtigen Gottes haben. Sie fragen sich, warum solche Wunder nicht auch heutzutage geschehen, um alle Menschen zum Glauben an Gott zu bringen. Aber die Israeliten sahen mit ihren eigenen Augen die unzähligen Wunder Gottes, und sogar sie glaubten nicht. Allerdings erneuert Gott die großen Wunder der früheren Zeiten, wenn sie gebraucht werden. Als einmal in der Lavra des Athanasios eine Hungersnot ausbrach, verstreuten sich die Brüder in alle Richtungen. Auch Athanasios machte sich in seiner Not auf, einen anderen Ort zu suchen. „Wohin gehst du?“, fragte ihn eine Frau, der er auf dem Weg begegnete. „Wer bist du?“, fragte sie Athanasios, erstaunt darüber, eine Frau auf dem Heiligen Berg zu sehen, auf dem die Anwesenheit von Frauen verboten ist. „Ich bin diejenige, der du deine Gemeinschaft gewidmet hast. Ich bin die Mutter deines Herrn.“ „Ich habe Angst, dir zu glauben“, sagte Athanasios, „denn ein Dämon kann sich das Aussehen eines Lichtengels geben. Wie kannst du mir beweisen, daß deine Worte wahr sind?“ Daraufhin sagte die heilige Mutter Gottes zu ihm: „Schlage auf diesen Felsen mit deinem Stab, und erfahre, wer es ist, die mit dir spricht. Sei gewiß, ich werde immerdar die Äbtissin deiner Lavra bleiben.“ Athanasios schlug den Felsen mit seinem Stab, und als Folge davon bebte der Fels und brach entzwei, als hätte ihn ein Blitzschlag getroffen, und ein Schwall von Wasser brach daraus hervor. In großer Furcht wandte sich Athanasios um, um sich vor der Heiligen und Allreinen niederzuwerfen, doch sie war schon verschwunden. Er kehrte in seine Lavra zurück und – zu seiner noch größeren Verwunderung – fand er all seine Vorratskammern mit Weizen gefüllt. Hier also geschah wiederum eines der großen Wunder, durch das die Gläubigen in ihrem Glauben bestärkt werden.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über Israels Durchquerung des Roten Meeres (Ex 14):
1. Wie Moses seinen Stab gemäß dem Gebot Gottes hob, das Meer sich teilte und das Volk Gottes trockenen Fußes hindurchschritt;
2. Wie die Ägypter auf demselben Weg den Israeliten hinterherjagten, doch Moses seinen Stab hob und das Meer wieder zusammenfloß;
3. Wie wir daraus erfahren, daß Gott alles zu tun vermag, was auch immer Er will, und daß Er Seine gläubigen Knechte aus der größten Gefahr rettet und Seine Feinde bestraft.

Homilie

Über die Nüchternheit des Geistes

Darum umgürtet die Lenden eures Geistes, seid nüchtern...
(1 Petr 1,13)

Der Geist, meine Brüder, ist der Führer und Ratgeber der Seele. Gott gab den Tieren nur die Seele, und daher verlieh er ihnen nicht zusammen mit dem Geist die Freiheit. Gott gab dem Menschen sowohl die Seele als auch den Geist, und zusammen mit dem Geist die Freiheit. Der Geist und die Seele sind nicht voneinander zu trennen. Daher sind die Worte gewisser Philosophen, welche behaupten, es sei zwar wahr, daß der Mensch einen Geist besitze, doch keine Freiheit, unsinnig. Es ist in der täglichen Erfahrung offenkundig, daß Freiheit und Geist zusammenhängen. Doch der Mensch verfügt über keine vollkommene Freiheit, da er keinen vollkommenen Geist besitzt, sondern er bleibt unter der Überwachung und Führung Gottes. Gott allein besitzt einen vollkommenen Geist und vollkommene Freiheit; wir sind das Bildnis und die Ähnlichkeit des Geistes und der Freiheit Gottes. Wir haben einen Geist, der für die Erkenntnis des Willens Gottes ausreicht, und genügend Freiheit, um uns zu bemühen, den Willen Gottes zu erfüllen. Wenn der Geist sein Vermögen, die Seele unabhängig zu leiten, verliert, dann erscheinen in der Seele viele richtungsgebende Faktoren, die Verwirrung, Chaos und Zerstörung anrichten.
Was meint der Apostel mit den Worten: Darum umgürtet die Lenden eures Geistes, seid nüchtern...? Er meint: Laßt nicht zu, daß sich euer Geist der Phantasie hingibt, sondern richtet ihn darauf aus, über das Gesetz Gottes nachzudenken. Er meint auch: Laßt nicht zu, daß euer Geist seine von Gott verliehene Freiheit dazu mißbraucht, sich in die Sklaverei des Fleisches,  der Welt und des Teufels zu stürzen, sondern sich an Christus wie an das Kreuz zu nageln, damit die Seele die Auferstehung in Christo erfahre. Er meint auch: Umzäune deinen Geist, um ihn von allen selbstsüchtigen Vorstel-lungen freizuhalten, durch die er vergiftet wird und dem Teufel zum Opfer fällt, und halte ihn um-gürtet in der engen Kammer deines Herzens, in der er durch Gebet nüchtern und durch Tränen gereinigt werden kann. Kurz gesagt, dies alles bedeutet, den Geist darin zu üben, daß er nicht durch seinen eigenen Hochmut die Freiheit mißbraucht, um den lebendigen und barmherzigen Gott zu verspotten und die Seele durch die Leidenschaften zu erwürgen.
O Herr Jesus, Du Verstand Gottes und Weisheit Gottes, hilf uns, unseren Geist zu umgürten, damit wir einzig darüber nachdenken, was von Dir und das Deine ist; damit dies in Nüchternheit die Seele zur Rettung führt. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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18.07.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).