13.06.2020

31.05.2020

Gedenken

31. Mai nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Apostel Hermas (Hermias) von den Siebzig; hl. Märtyrer Hermias in Komana († 160); hl. Märt. Philosophos in Alexandria († 252); hl. Märt. Marus d. Magier, der angesichts des Martyriums d. Hermias bekehrt wurde; fünf Märtt. in Askalon; hll. Märtt. Eusebios u. Charalampos; hl. Eustathios, Patriarch v. Konstantinopel  († 1025); Auffindung der  Gebeine des hl. Märt. Nikolaos d. Diakons auf Lesbos; Überführung der Gebeine (1591) des hl. Filip, des Metropoliten v. Moskau († 1569) nach Solovki; hl. Filofej, Metropolit v. Tobolsk († 1727); hl. Neumärt. Ierofej, Bischof v. Nibolsk († 1928) und sein Freund Hieros’chimamönch Seraphim (Nikolskij) († 1923).

1. Der hl. Apostel Hermas war einer der Siebzig Apostel. Er wird erwähnt im Brief des hl. Paulus an die Römer: Grüßt Asynkritus, Phlegon, Hermas, Patrobas und die Brüder, die bei ihnen sind (Röm 16,14). Hermas war von Geburt Grieche, lebte aber für lange Zeit in Rom. Er war Bischof in Philippoupolis und beendete sein Leben als Märtyrer. Er verfaßte ein sehr lehrreiches Buch, genannt „Der Hirte“ nach Offenbarungen durch einen Engel Gottes. Hermas war ein reicher Mann, doch aufgrund seiner Sünden und der Sünden seiner Söhne geriet er in äußerste Armut. Als er einmal betete, erschien ihm ein Mann in weißen Gewändern mit einem Stab in seiner Hand und sagte ihm, er sei ein Engel der Reue, der ihm gesandt wurde, um bei ihm zu bleiben bis zum Ende seines Lebens. Der Engel gab ihm zwölf Anweisungen:
1. an Gott zu glauben;
2. in Einfachheit und Unschuld zu leben; nichts Böses zu sprechen und allen Almosen zu geben, die darum bitten;
3. die Wahrheit zu lieben und die Unwahrheit zu vermeiden;
4. in den Gedanken die Keuschheit zu wahren;
5. Geduld und Großzügigkeit zu lernen;
6. zu wissen, daß bei jedem Menschen ein guter und ein böser Geist ist;
7. Gott zu fürchten und nicht den Teufel zu fürchten;
8. alles Gute zu tun und sich von jeder bösen Tat fernzuhalten;
9. zu Gott aus der Tiefe der Seele zu beten mit dem Glauben, daß unser Gebet erfüllt wird;
10. sich vor Traurigkeit als der Schwester von Zweifel und Zorn zu bewahren;
11. wahre und falsche Prophezeiungen durch Untersuchung zu unterscheiden;
12. sich vor jeder bösen Begierde zu bewahren.

2. Der hl. Märtyrer Hermias war alt geworden als kaiserlicher Soldat, und im hohen Alter erlitt er das Martyrium für Christus den König. Da ihn der böse Richter vergeblich von seinem Glauben an Christus abzubringen versuchte, wobei er ihm riet, den Götzen zu opfern, befahl der Richter, seine Zähne mit einem Stein auszuschlagen und seine Gesichtshaut mit einem Messer abzuziehen. Danach warf man ihn in einen Brennofen; doch durch die Gnade Gottes wurde er gerettet und stand auf. Danach trank er auf Anordnung des Richters ein bitteres Gift, das ihm von einem Magier verabreicht wurde, doch es schadete ihm nicht. Der Magier war darüber so erstaunt, daß er Christus offen bekannte und dafür sofort enthauptet wurde. Danach stachen sie Hermias beide Augen aus; doch er trauerte darum nicht, sondern sagte zum Richter: „Nimm diese leiblichen Augen für dich selbst, die auf die Eitelkeit der Welt schauen. Ich habe Augen des Herzens, durch die ich klar das Licht der Wahrheit sehe.“ Er wurde daraufhin mit den Füßen nach oben aufgehängt, und jene, die das taten, erblindeten und taumelten um ihn herum. Der hl. Hermias sagte ihnen, zu ihm zu kommen, legte ihnen die Hände auf und gab ihnen durch sein Gebet zum Herrn die Sehkraft zurück. Der Richter, der das alles beobachtete, geriet in Zorn wie ein Löwe, nahm ein Messer und schnitt diesem gottgemäßen Mann das Haupt ab. Die Christen nahmen insgeheim den Leib des Hermias mit und begruben ihn ehrenvoll. Seine Reliquien gaben Heilung den Kranken und Gebrechlichen. Der hl. Hermias erlitt das Martyrium im Jahr 166 unter der Herrschaft des Kaisers Antonius.

3. Der hl. Märtyrer Philosophos. Dieser Märtyrer Christi wurde in der Umgebung von Alexandria geboren. In der Zeit der Christenverfolgung wollte der hl. Philosophus Christus den Herrn vor den heidnischen Richtern und Fürsten nicht verleugnen. Dafür unterwarfen ihn die Heiden grausamen Torturen. Nachdem er auf verschiedene Weise gemartert worden war, legten sie ihn schließlich in ein weiches Bett, banden seine Beine und Hände fest und ließen eine sittenlose Frau zu ihm kommen, um ihn in die Sünde zu ziehen. Als der hl. Philosophos merkte, das sich in ihm die Sünde der Leidenschaft durch die Berührung der Hand der Frau erhob, legte er seine Zunge zwischen die Zähne, biß sie ab und spie sie der lasterhaften Frau ins Gesicht. Dadurch klang die Leidenschaft in ihm ab, und die sittenlose Frau war dermaßen entsetzt, daß sie sofort vor ihm floh. Danach wurde er, noch jugendlich, um das Jahr 252 enthauptet und nahm Wohnung im Reich der ewigen Jugend.

Lobeshymne

Der hl. Hermias und der Magier

Der alte und böse Zauberer, der Giftmischer und Lügner,
In allem sehr klein, doch groß in der Furcht,
Gab bitteres Gift dem heiligen Hermias,
Ein Gift, vor dem selbst Schlangen wichen!
Hermias trank das Gift, doch der Tod kam nicht zu ihm.
Und der alte Zauberer sah das und zitterte am ganzen Leib.
„O dies erstaunliche Wunder“, schrie er auf:
„Über den Soldaten Christi hat dieses Gift keine Macht!
Mögen sich die finsteren Tage meines Lebens verbergen,
Mögen sie ausgelöscht sein, die Jahre meines schändlichen Lebens!
Taubem Trug weihte ich mein ganzes Leben,
Im Dienst dieser tauben Götzen.
Und heute nun, in großer Furcht sehe ich:
Der Eine und Wahre Gott ist Hermias’ Gott.
Gekreuzigt als Christus, der Herr der Himmel,
Einzig Seine Wunder sind wahr.
Von jetzt an gehöre ich Christus: O Christus, vergib mir,
Dem geringsten Knecht, Du, o guter Gott, nimm mich auf.
Vergib mir meine viel zu vielen Sünden, vergib mir,
Dir will ich opfern den Leib und das leblose Gebein!“
In bitterer Reue sprach so der Greis,
Plötzlich gereinigt von Falschheit und Furcht,
Zählte er sich den Christen offen zu.
Es blitzte das Schwert über ihm und taufte ihn im Blut.

Betrachtung

Dieses Leben ist ein geistiger Kampf. Sieg oder Niederlage! Wenn wir siegen, werden wir uns der Früchte des Sieges in aller Ewigkeit erfreuen; wenn wir aber besiegt werden, werden wir in aller Ewigkeit die Schrecken der Zerstörung erleiden. Das Leben ist ein Duell zwischen dem Menschen und allem, was im Gegensatz zum Göttlichen steht. Gott ist ein allmächtiger Verbündeter für alle, die Ihn aufrichtig um Hilfe anrufen. „Dieses Leben ist kein Witz, es ist kein Spielzeug“, sagt Vater Johannes von Kronstadt, „doch die Menschen verwandeln es in einen Witz und in ein Spielzeug. Die von ihren Launen Getriebenen spielen mit der Zeit, die uns gegeben wurde, um uns für die Ewigkeit vorzubereiten, sie treiben ihr Spiel mit leeren Worten. Sie besuchen einander, sitzen und reden, und danach sitzen sie und spielen auf die eine oder andere Weise. Sie treffen sich in den Theatern und geben sich dort der Unterhaltung hin. Das ganze Leben ist für sie Vergnügen. Doch wehe jenen, die sich nur unterhalten.“

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Gnade des Heiligen Geistes im Mysterium der Ölweihe (Kranken-salbung):
1. Wie die Gnade durch das geweihte Öl wirkt;
2. Wie es, entsprechend Gebet und Glauben, jede Krankheit und jedes Gebrechen heilt.

Homilie

Über das Mysterium der Krankensalbung (Ölweihe)

Und sie salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.
(Mk 6,13)

Die heiligen Apostel taten dies, und es ist auch uns geboten, dies zu tun. Der Apostel Jakobus schreibt uns: Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben (Jak 5,14-15). Es ist nicht nötig, jemand anderen als die Priester, die Ältesten der Kirche zu rufen. Es ist nicht nötig, ihn in irgendeinem anderen Namen zu salben außer im Namen des Herrn, damit es nicht wie Hexerei aussieht. Keiner kann den Kranken aufrichten außer dem Herrn Selbst, noch kann ihm irgendein anderer seine Sünden vergeben außer dem Einen Herrn. Weshalb Öl und nicht etwas anderes? Weil es so geboten ist, und damit wir Gehorsam und Glauben zeigen können. Warum ist es geboten, mit Wasser zu taufen und mit Myronöl zu salben und mit Brot und Wein die Kommunion zu feiern? Dies ist Gottes Wahl und Gottes Weisheit; doch unsere Sache ist, zu glauben und zu gehorchen. In den verschiedenen Mysterien werden verschiedene Elemente verwendet, doch die Gnade Gottes ist eine, wie auch unser Herr ein Einziger ist und alles vom Herrn stammt. Weshalb bedarf unser Herr solcher Stoffe, um Seine Gnade auf uns auszuschütten? Der Herr bedarf des Stofflichen nicht, doch wir, solange wir selbst stofflich sind, bedürfen des Stofflichen. Nachsichtig mit unserer Schwäche, verwendet der Herr Materie. Den körperlosen Engeln gibt Er Gnade auf körperlose Weise.
Öl allein ist an und für sich hilflos, wie auch jeder andere Stoff an und für sich hilflos ist, doch die Gnade Gottes ist allmächtig. Durch das Öl gibt Gott die Gnade Seines Heiligen Geistes, und diese Gnade heilt die Kranken, richtet die Gebrechlichen auf und schenkt den Leidenden Gesundheit.
O meine Brüder, wie unaussprechlich ist Gottes Güte! Was tat Gott nicht alles für uns? Und was bleibt uns noch zu wünschen übrig? Er kennt all unsere Bedürfnisse im voraus, und Er sorgt im voraus für ihre Heilung. Er wünscht von uns nur, daß wir an Ihn glauben und Seine Gebote erfüllen. Ist es nicht unverschämt und schändlich, daß wir häufiger den Anweisungen von Ärzten folgen, sterblichen Menschen, wie wir es sind, und die Gebote des Unsterblichen Gottes mißachten?
O Allguter Herr, laß unsere steinernen Herzen schmelzen durch die Kraft Deiner Gnade, so daß wir Schuldner Dir vor der Stunde unseres Todes Danksagungen darbringen: Dir, o unser Allguter und Allweiser Gott!
Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

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13.06.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).