06.06.2020

24.05.2020

Gedenken

24. Mai nach dem Kirchenkalender

Gedenken: hl. Symeon der Stylit d. Jüngere vom Wunderbaren Berg († 596); hl. Märtyrer Meletios Stratilates mit 1218 Soldaten und ihren Frauen und Kindern (2. Jh.); hl. Nikita der Stylit († 1186); sowie hl. Vincenz v. Lerins († ca. 450); hl. Märtyrerin Martha, Äbtissin v. Monemvasia († 990); hl. Gabriel, Erzbischof v. Novgorod († 1193); hl. Mönch Kyriakos.

1. Der gottgeweihte Symeon der Stylit [Säulensteher] vom Wunderbaren Berg. Dieser wundervolle Heilige wurde in Antiochia im Jahr 522 während der Herrschaft des Kaisers Justin des Älteren geboren. Sein Vater kam in einem Erdbeben um, und er blieb allein mit seiner Mutter Martha. Im Alter von sechs Jahren zog er sich in die Wildnis zurück zu einem geistlichen Vater namens Johannes, unter dessen Führung er sich zum Erstaunen aller, die ihn sahen, einer Lebensweise strengsten Fastens und von Gebet erfüllter Askese widmete. Er erduldete schreckliche dämonische Versuchungen und empfing großen Trost und Gnade vom Herrn und Seinen Engeln. Der Herr erschien ihm in Gestalt eines schönen Jünglings. Nach dieser Vision brannte eine große Liebe zu Christus in Symeons Herz. Er verbrachte viele Jahre auf einer „Säule“ im Gebet zu Gott und Psalmengesang. Unter Gottes Führung zog er sich auf einen Berg zurück, der vom Herrn Selbst „Wunderbar“ genannt wurde. Daher erhielt Symeon den Beinamen „Mann vom Wunderbaren Berg“. Aufgrund seiner Liebe zu Gott wurden ihm seltene Charismen gewährt, durch die er alle Krankheiten heilen, wilde Tiere zähmen, hellsichtig in ferne Teile der Welt und in die Herzen der Menschen schauen konnte. Er verließ seinen Leib, erschaute die Himmel und unterhielt sich mit Engeln, jagte Dämonen Furcht ein und trieb sie aus, prophezeite, und zeitweilig lebte er dreißig Tage ohne Schlaf und sogar noch länger ohne Nahrung. Er empfing Speise aus der Hand der Engel. Die Worte des Herrn erfüllten sich vollständig in ihm: Wer an Mich glaubt, wird die Werke, die Ich tue, auch vollbringen; und noch größere Werke wird er tun (Jh 14,12). Im Jahr unseres Herrn 596 und im fünfundsiebzigsten Jahr seines Lebens trat der hl. Symeon vor den Herrn, auf daß er sich zusammen mit den Engeln am Anblick des Angesichts des Herrn erfreue.

2. Der hl. Märtyrer Meletios Stratilates zusammen mit 1218 Soldaten, ihren Frauen und Kindern. Meletios wurde während der Herrschaft des Kaisers Antonius [148-161] angeklagt, einen heidni-schen Tempel zerstört zu haben. Angenagelt an einen Baum, gab Meletios seine heilige Seele auf. Viele Soldaten unter seinem Befehl, die es ablehnten, ihren Herrn Christus zu verleugnen, litten mit ihm. Sie alle litten ehrenvoll im zweiten Jahrhundert und nahmen Wohnung im Reich Christi des Herrn.

3. Der gottgeweihte Nikita der Stylit. Als Jüngling lebte Nikita ein ungezügeltes und sündiges Leben. Einmal betrat er eine Kirche und hörte die Worte des Propheten Jesaja: Wascht euch, und ihr werdet rein sein (Jes 1,16). Diese Worte drangen tief in sein Herz und bewirkten eine völlige Verände-rung in seinem Leben. Nikita verließ sein Heim, seine Frau und seinen Besitz und trat in ein Kloster ein, wo er bis zu seinem Tod ein asketisches Leben von großer Härte führte. Er wand sich Ketten um seinen Leib und schloß sich in einer Säule ein, daher wurde er Stylit genannt. Gott gewährte ihm reiche Gnade, so daß er die Menschen von verschiedenen Gebrechen heilen konnte. Er heilte Fürst Michail von Černigov von seiner Lähmung. Einige Übeltäter entdeckten die Ketten an ihm und wegen ihrer lichten Ausstrahlung dachten sie, sie seien aus Silber. Sie töteten ihn eines Nachts, nahmen ihm die Ketten ab und trugen sie fort. Dies geschah am 16. Mai 1186. Nach seinem Tod erschien er dem Altvater Symeon und befahl ihm, die Ketten neben seinen Leib in den Sarg zu legen.     

Lobeshymne

Der gottgeweihte Symeon der Stylit

Ehre sei dem wundervollen Symeon vom Wunderbaren Berge,
Ein Lobpreis war er dem Allerhöchsten Schöpfer,
Durch Gebet, Fasten und Nachtwachen
Wurde er zum Heiligen mit machtvollen Gaben,
Mit wundervollen Gaben der Gnade Gottes.
Mit Gnade entlohnte der Herr seine Mühen,
Die Krankheiten heilte und Dämonen vertrieb,
Durch die er wahrheitsgemäß jedes Werk beurteilte
Und die Geheimnisse des Himmels und der Menschen erkannte.
Von seinen Kindesjahren an bis ins Alter
War er ein schönes und duftendes Opfer.
Sein Herz war der Altar des Lebendigen Gottes,
Für den Allheiligen Geist ein leuchtender Opferaltar.
Zu den höchsten Sphären erhob er seinen Geist mit Kraft,
Wo alle Dinge des Glaubens den Augen sichtbar sind.
Und auf das Gute war sein Wille gerichtet,
Mächtig gestärkt in Gottes Gesetz.
Was sind alle Reichtümer, alle Königreiche? Was sind sie?
Wie ein schneller Funken glühen sie auf und verlöschen!
Verglichen mit einem heiligen Mann – sogar die ganze Welt, was ist sie?
Die Welt verändert sich, verdirbt, doch der Heilige bleibt.
Wenn sie keinen Heiligen hervorbringt, ist sie ein Feigenbaum
Ohne Frucht und Wert, ein toter unfruchtbarer Baum!
Ehre sei dem wundervollen Symeon vom Wunderbaren Berge,
Ein Lobpreis war er der Schöpfung und dem Schöpfer.

Betrachtung

Für den Reinen sind alle Dinge rein, sagt der Apostel Paulus (Tit 1,15). Die Nahrung, die der Mensch zu sich nimmt, kann nicht als unrein an sich angesehen werden, obwohl einige Nahrungsmittel unreine Gedanken und Begierden in ihm erwecken können. Der wunderbare Symeon der Stylit denkt über ein Gespräch mit seinem geistlichen Vater Johannes nach. Der Altvater sagte: „Der Mensch kann Speise oder Trank nicht unrein machen, denn der Herr sprach in der Schrift: Alles übergebe Ich euch wie die grünen Pflanzen (Gen 9,3).“ Der hl. Symeon antwortete: „Obwohl die Nahrung den Menschen nicht unrein machen kann, kann sie doch unreine Gedanken in ihm verursachen und den Geist verdunkeln. Sie kann ein Nährboden für die Leidenschaften des Fleisches sein und sie wachsen lassen. Auf diese Weise verwandelt sie einen geistigen Menschen in einen fleischlichen und wendet seine Gedanken irdischen Begierden zu.“ Ist nicht das Wasser, das aus einer Wolke fällt, rein? Doch wenn zu viele Tropfen fallen, dann verdirbt das Getreide. Ebenso kann üppige Nahrung das Verderben des geistigen und sittlichen Wesens des Menschen mit sich bringen.

Zum Nachdenken

Laßt uns nachdenken über die Gnade des Heiligen Geistes im Mysterium der Myronsalbung:
1. Wie diese Gnade die Seele, die durch die Taufe von der Ursünde gereinigt wurde, mit der Freude salbt, Kind Gottes zu sein.
2. Wie sie im Menschen den Glauben Christi befestigt und ihn für das Reich Gottes versiegelt.

Homilie

Darüber, wie die Liebe Gottes in die Herzen der Menschen ausgegossen wird

Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
 durch den Heiligen Geist, Der uns gegeben ist.
(Röm 5,5)

Liebe ist Freude, und sie salbt das menschliche Herz mit Freude. Liebe ist Stärke, meine Brüder, und sie salbt das menschliche Herz mit Kraft. Liebe ist Frieden, und er salbt das Herz mit Frieden. Und aus Freude, Stärke und Frieden geht Standhaftigkeit hervor, und die Liebe salbt das Herz des Menschen mit Standhaftigkeit.
Die Liebe Gottes wird wie duftendes Öl auf keine andere Weise in unsere Herzen ausgegossen als durch den Heiligen Geist, den allguten und allmächtigen Geist. Obwohl wir es keineswegs verdienen, ergießt der Heilige Geist das göttliche Gesetz in unsere Herzen im Mysterium der Myronsalbung. Doch wir vernachlässigen diese Liebe zuweilen und entfernen uns von Gott durch die Sünde und fallen in die Krankheit der geistigen Lähmung. Und der Heilige Geist, Der nicht in einem unreinen Gefäß wohnen will, entfernt Sich von unserem Herzen. Wenn Sich der Heilige Geist von uns entfernt, dann entfernen sich Freude und Stärke, Frieden und Standhaftigkeit zugleich mit Ihm, und uns überkommen Kummer, Schwäche, Unruhe und Angst. Doch der allgute Geist Gottes entfernt Sich nur von uns, verläßt uns aber nicht völlig. Er verläßt uns nicht völlig, sondern bietet uns, die wir krank sind, stattdessen Arzneimittel an in Form der Mysterien der Beichte und Heiligen Kommunion. Und wenn wir uns durch Beichte und Kommunion gereinigt haben, dann nimmt Gott der Heilige Geist wieder in uns Wohnung und ergießt wiederum die Liebe Gottes in unser Herz. Wir fallen und stehen auf; wir fallen wieder und stehen von neuem auf. Wenn wir fallen, steht der Geist Gottes neben uns und hebt uns auf, wenn wir es wünschen, aufgehoben zu werden. Und wenn wir auf unseren Beinen sind, bleibt der Geist Gottes in uns, bis wir durch unsere Sündhaftigkeit und Torheit von neuem fallen. Und so sind wir abwechselnd ein fruchtbares Feld und eine Wüste, Söhne der Reue und Verlorene Söhne, der Fülle und der Leere, des Lichtes und der Finsternis.
O Allgütiger Heiliger Geist, unser Gott, verlasse uns nicht, weder dann, wenn wir Dich wollen, noch wenn wir Dich nicht wollen. Wohne in uns bis zu unserem Tod und rette uns zum ewigen Leben. Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen. 

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06.06.2020
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Quelle: Hl. Nikolaj Velimirovic, Der Prolog von Ochrid, ins Deutsche übertragen von Johannes A. Wolf, Apelern 2009; 2., verbesserte Auflage 2017, herausgegeben von der Serbischen Orthodoxen Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland, erschienen im Verlag Orthodoxe Quellen und Zeugnisse, D-31552 Apelern (www.orthlit.de).